Nokia Aktie: 1,18 Milliarden Euro im Q4 erforderlich
Veröffentlicht am: 03.08.2026 um 00:17 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein starkes KI-Quartal, ein einbrechender Aktienkurs. Bei Nokia klafft gerade auseinander, was eigentlich zusammenpassen sollte. Der Kurs fiel binnen 30 Tagen um ĂŒber 30 Prozent, wĂ€hrend das KI- und Cloud-GeschĂ€ft im gleichen Zeitraum um 105 Prozent zulegte.
Nokia schloss am Freitag bei 7,93 Euro, nahezu unverÀndert zum Vortag. Der Blick auf die lÀngere Frist zeigt trotzdem eine deutliche Delle. Der Titel notiert rund 47 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 14,97 Euro, das erst Anfang Juni erreicht wurde.
Die Jahresprognose braucht ein starkes Schlussquartal
Der Kern des Problems liegt in der Guidance. Nokia hĂ€lt an seinem Ziel fĂŒr 2026 fest: ein vergleichbarer operativer Gewinn zwischen 2,1 und 2,6 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr kamen davon erst 735 Millionen Euro zusammen.
Um den Mittelwert von 2,35 Milliarden Euro zu erreichen, braucht Nokia im zweiten Halbjahr 1,62 Milliarden Euro. Das dritte Quartal soll laut Unternehmensprognose etwa 434 Millionen Euro beisteuern. Damit mĂŒsste allein das vierte Quartal rund 1,18 Milliarden Euro liefern â mehr als das gesamte erste Halbjahr zusammen.
Diese RĂŒckladung lĂ€sst wenig Spielraum fĂŒr Ausrutscher im Schlussquartal. Hinzu kommt Druck auf der Kostenseite: Nokia rechnet 2026 mit Restrukturierungskosten zwischen 700 und 800 Millionen Euro. Der operative Gewinn lag im zweiten Quartal nach offizieller Rechnungslegung bei minus 1 Prozent, auf vergleichbarer Basis bei plus 9 Prozent.
Auch die Prognose fĂŒr die Cash-Flow-Umwandlung bleibt vage, mit einer breiten Spanne von 55 bis 75 Prozent. LieferengpĂ€sse und steigende Kosten fĂŒr Speicherchips belasten die Margen zusĂ€tzlich.
Analysten uneins ĂŒber die Richtung
Die Reaktion der Investmentbanken fÀllt gespalten aus. Deutsche Bank senkte am 27. Juli das Kursziel von 13,50 auf 11,50 Euro, belieà die Einstufung aber bei "Kaufen". Bank of America ging in die entgegengesetzte Richtung und erhöhte ihr Kursziel von 18 auf 18,50 US-Dollar, ebenfalls mit "Kaufen"-Rating.
Der Widerspruch zeigt, wie unterschiedlich die Analysten die Geschwindigkeit einschĂ€tzen, mit der die KI-Nachfrage den kurzfristigen Margendruck ausgleichen kann. Nokia selbst rechnet fĂŒr das dritte Quartal mit einem Umsatzplus von 3 bis 7 Prozent gegenĂŒber dem Vorquartal â bei stagnierendem operativem Gewinn. Der eigentliche Gewinnschub soll erst im vierten Quartal kommen, wenn sich die Software-UmsĂ€tze normalisieren.
Chartbild zeigt ĂŒberverkaufte Aktie
Der jĂŒngste Ausverkauf hat Spuren im Chart hinterlassen. Der 14-Tage-RSI ist auf 33,3 gefallen und nĂ€hert sich damit ĂŒberverkauftem Terrain. Der Kurs handelt aktuell fast exakt auf seinem 200-Tage-Durchschnitt von 7,93 Euro â einer Marke, die wĂ€hrend des AufwĂ€rtstrends in diesem Jahr wiederholt als UnterstĂŒtzung diente.
Die annualisierte 30-Tage-VolatilitÀt liegt bei hohen 68,44 Prozent. Das unterstreicht, wie stark die Stimmung nach den Zahlen ins Schwanken geraten ist.
US-Werk lÀuft unabhÀngig vom Quartalsdruck weiter
Losgelöst von der kurzfristigen Gewinndebatte treibt Nokia seine KapazitĂ€tsplĂ€ne in den USA voran. Der Konzern vereinbarte den Kauf eines Halbleiterwerks in Chandler, Arizona, von NXP Semiconductors, vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen. Ab Anfang 2027 will Nokia dort zunĂ€chst FertigungskapazitĂ€t anmieten, bevor der Standort auf optische Komponenten fĂŒr KI-Rechenzentren umgerĂŒstet wird.
Der vollstĂ€ndige Kaufabschluss wird erst fĂŒr das erste Quartal 2029 erwartet. Es handelt sich also um einen langfristigen KapazitĂ€tsaufbau, nicht um einen kurzfristigen Gewinnhebel.
Speicherchips bleiben der Unsicherheitsfaktor
Das KI- und Cloud-GeschÀft wuchs im Jahresvergleich um 103 Prozent und macht mittlerweile 9,3 Prozent des Konzernumsatzes aus. Allein im vergangenen Quartal gingen Bestellungen von KI- und Cloud-Kunden im Wert von 2,8 Milliarden Euro ein.
Die entscheidende Frage bis zum dritten Quartalsbericht: LĂ€sst sich dieser Auftragsschwung tatsĂ€chlich in die konzentrierte Gewinnlieferung im vierten Quartal ĂŒbersetzen, die das Management in Aussicht gestellt hat? CEO Justin Hotard warnte bereits, dass die EngpĂ€sse bei Speicherchips voraussichtlich anhalten â und damit zum entscheidenden Schwankungsfaktor fĂŒr die Margen im kommenden Jahr werden.
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