Nokia Aktie: 732 Millionen Cashflow-Minus
Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 11:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nokia legt ein starkes Quartal vor. Trotzdem verliert die Aktie in wenigen Wochen fast die Hälfte ihres Wertes. Der Grund liegt nicht im operativen Geschäft, sondern in der Kasse.
Die Aktie schloss am Freitag bei 7,93 Euro, kaum verändert zum Vortag. Der Blick auf die vergangenen vier Wochen zeigt das eigentliche Ausmaß: Ein Minus von 30 Prozent seit den Höchstständen im Juni. Auf Jahressicht bleibt Nokia mit einem Plus von 42 Prozent dennoch deutlich im grünen Bereich.
Starke Zahlen, aber die Kasse blutet
Auf den ersten Blick liefert Nokia gute Nachrichten. Der vergleichbare operative Gewinn stieg im zweiten Quartal um 18 Prozent auf 434 Millionen Euro. Analysten hatten im Schnitt nur 382 Millionen Euro erwartet.
Besonders das KI- und Cloud-Geschäft läuft. Die Erlöse in diesem Segment verdoppelten sich auf 446 Millionen Euro, gestützt von neuen Aufträgen im Volumen von 2,8 Milliarden Euro.
Der Markt schaut jedoch auf eine andere Zahl. Der ausgewiesene operative Gewinn drehte ins Minus, mit einem Verlust von 50 Millionen Euro. Gravierender: Der freie Cashflow im Quartal fiel auf minus 732 Millionen Euro.
Für das erste Halbjahr ergibt sich damit ein freier Cashflow von minus 104 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum standen noch plus 809 Millionen Euro zu Buche. Rund 1,15 Milliarden Euro hat Nokia im Quartal ins Working Capital gesteckt, davon allein 370 Millionen Euro in Lagerbestände.
Die Nettoliquidität sank binnen eines Quartals um 27 Prozent auf 2,78 Milliarden Euro. Kein Wunder, dass Anleger nervös reagieren, wenn Auftragswachstum und Kassenlage derart auseinanderlaufen.
Analysten uneins über die Konsequenzen
Die Reaktionen der Banken fallen gemischt aus. Deutsche Bank senkte ihr Kursziel am 27. Juli von 13,50 auf 11,50 Euro, hält aber an der Kaufempfehlung fest. Goldman Sachs bleibt bei einer neutralen Einstufung, Barclays sieht die Aktie sogar als Underweight.
Bank of America schlägt sich auf die optimistische Seite. Die Bank erhöhte ihr Kursziel von 18 auf 18,50 US-Dollar und begründet dies mit dem Rekord bei den KI-Aufträgen, der die schwächere kurzfristige Prognose überwiege.
Auch institutionelle Investoren justieren ihre Positionen nach. Oaktree Capital Management reduzierte seinen Nokia-Anteil im ersten Quartal um 40 Prozent auf noch 11,2 Millionen Aktien. Damit rutschte Nokia im Portfolio des Vermögensverwalters auf Rang 19.
Charttechnik zeigt überverkauften Markt
Der 14-Tage-RSI liegt bei 33,3 und nähert sich damit überverkauftem Terrain. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 68,44 Prozent verdeutlicht, wie stark die Stimmung nach den Quartalszahlen geschwankt hat.
Für das dritte Quartal bleibt die Ausgangslage zweigeteilt. Auf der einen Seite steht ein Rekord bei den KI-Aufträgen, auf der anderen eine Kassenlage, die sich binnen eines Jahres von deutlich positiv zu klar negativ gedreht hat. Wie schnell sich das Working Capital wieder normalisiert, dürfte darüber entscheiden, ob der jüngste Kursrutsch eine Übertreibung war oder der Beginn einer längeren Schwächephase.
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