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Nokia Aktie: Chip-Sorgen überschatten Rekordquartal

Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 00:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nokia übertrifft Gewinnerwartungen, doch anhaltende Chip-Knappheit und fallende Aktie sorgen für Gegenwind.

Nokia Aktie: Rekordquartal durch Chip-Sorgen und Kursrutsch belastet
Abstraktes Bild moderner Telekommunikationsinfrastruktur mit Glasfaser-Lichteffekten und industrieller Ästhetik. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Starke Zahlen, tiefroter Kurs: Bei Nokia klaffen Geschäftsergebnis und Aktienkurs so weit auseinander wie selten. Der finnische Netzwerkausrüster übertraf im zweiten Quartal die Erwartungen der Analysten deutlich. Trotzdem büßte die Aktie in den vergangenen sieben Handelstagen 16,70 Prozent ein.

Der Auslöser sitzt tiefer als eine einzelne Gewinnwarnung. CEO Justin Hotard warnte, der Speicherchip-Mangel werde bis 2027 anhalten. Diese Aussage überschattet seit der Veröffentlichung am 23. Juli die eigentlich guten Nachrichten aus dem Quartalsbericht.

Am Mittwoch notiert die Aktie bei 7,58 Euro – nach einem Rückgang von 33,33 Prozent binnen der vergangenen 30 Handelstage.

Die entscheidende Frage

Die weitere Kursentwicklung hängt an einem einzigen Konflikt. Kann Nokia seinen wachsenden Auftragsbestand in KI und Cloud schneller in Umsatz verwandeln, als steigende Chipkosten die Margen auffressen? Der Auftragseingang in diesem Segment erreichte bereits das 6,3-Fache des Quartalsumsatzes.

Das Management rechnet damit, dass sich rund die Hälfte davon innerhalb der nächsten zwölf Monate in Umsatz übersetzt. Verzögert sich diese Umwandlung weiter Richtung 2027, drohen weitere Kursverluste. Beschleunigt sie sich dagegen, könnte der aktuelle Ausverkauf bald einen Boden finden.

Bull-Szenario: Der Auftragsboom ist real

Das Nachfragesignal aus dem zweiten Quartal war eindeutig. Der vergleichbare Betriebsgewinn stieg um 18 Prozent auf 434 Millionen Euro und übertraf die durchschnittliche Analystenschätzung von 382 Millionen Euro klar. Der vergleichbare Umsatz kletterte auf 4,82 Milliarden Euro, ebenfalls über den Markterwartungen.

Besonders auffällig: Der Umsatz mit KI- und Cloud-Kunden verdoppelte sich im Quartal auf 446 Millionen Euro. Hinzu kamen neue Aufträge im Wert von 2,8 Milliarden Euro. Das Management zeigte sich entsprechend zuversichtlich.

Nokia hob das Gewinnziel für 2026 an, auf 2,1 bis 2,6 Milliarden Euro, nach zuvor 2,0 bis 2,5 Milliarden Euro. Beim Thema Chip-Knappheit wartet der Konzern zudem nicht einfach ab. Nokia kauft einen Fertigungsstandort für Chips in Chandler, Arizona, von NXP Semiconductors – vorbehaltlich behördlicher Genehmigung.

Ab Anfang 2027 will Nokia dort zunächst Fertigungskapazität anmieten. Später soll der Standort auf optische Komponenten für KI-Rechenzentren umgerüstet werden. Der Relative-Stärke-Index steht aktuell bei 27,2 Punkten – tief im überverkauften Bereich.

Historisch folgen auf solche Niveaus oft kurzfristige technische Gegenbewegungen, sobald der Verkaufsdruck nachlässt.

Bär-Szenario: Cash fließt ab, der Auftragsberg wartet

Das Gegenargument: Die Bilanz spürt den Wachstumskurs bereits deutlich. Der freie Cashflow rutschte im zweiten Quartal auf minus 732 Millionen Euro. Grund waren Abflüsse im Working Capital von 1,15 Milliarden Euro, getrieben von höheren Lagerbeständen und Forderungen.

Die Nettoliquidität schrumpfte binnen eines Quartals um 27 Prozent auf 2,776 Milliarden Euro. Aus dem vergleichbaren Gewinn von 434 Millionen Euro wurde unterm Strich sogar ein operativer Verlust von 50 Millionen Euro. Die operative Marge brach von 9,0 auf minus 1,0 Prozent ein – ein Großteil davon durch beschleunigte Restrukturierungskosten.

Das schwächelnde Kerngeschäft verschärft das Bild zusätzlich. Die Sparte Fixed Networks meldete zuletzt einen Umsatzrückgang von 13 Prozent, weil Telekomkonzerne ihre Infrastrukturausgaben kürzen und Investitionen verschieben.

Auch unter Analysten gibt es keinen Konsens. Deutsche Bank senkte das Kursziel, beließ die Kaufempfehlung aber unverändert. Barclays dagegen hält an seiner Verkaufsempfehlung fest – ein Zeichen dafür, dass der Markt die Wachstumsstory noch nicht einheitlich bewertet.

Auch das Chartbild bestätigt den Abwärtstrend noch nicht als abgeschlossen. Die Aktie notiert deutlich unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt, während sie den langfristigen 200-Tage-Trend nur knapp unterschreitet. Der übergeordnete Aufwärtstrend steht damit unmittelbar auf dem Prüfstand.

Ausblick

Solange die Speicherchip-Knappheit die Komponentenkosten weiter nach oben treibt und das Working Capital Bargeld für den Lageraufbau bindet, bleibt die Aktie anfällig für weiteren Druck. Das gilt selbst dann, wenn künftige Quartalszahlen erneut über den Erwartungen liegen.

Beschleunigt sich dagegen die Umwandlung von Aufträgen in Umsatz und lindert der Arizona-Chipstandort die Lieferengpässe schneller als vom Management avisiert, könnte sich die Stimmung stabilisieren. Der überverkaufte Chartzustand böte dann Raum für eine Erholungsbewegung.

Der nächste konkrete Prüfstein ist der Bericht zum dritten Quartal, den Nokia für den 22. Oktober 2026 angekündigt hat. Bis dahin dürften Forderungen, Lagerbestände und das Tempo der Auftragsumwandlung zeigen, ob der Abwärtstrend sich dem Ende nähert oder noch weiterläuft.

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