Nokia Aktie: Hangzhou-Zentrum bis Ende 2026 geschlossen
Veröffentlicht am: 15.08.2026 um 04:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nokia zieht sich aus einem Teil seines chinesischen Radiotechnik-Geschäfts zurück. Wie am Freitag bekannt wurde, plant der Konzern, sein Forschungs- und Entwicklungszentrum für Funktechnik in Hangzhou bis Ende 2026 zu schließen. Rund 1.600 Stellen fallen dabei weg. Als Grund nennt das Unternehmen den schwindenden Marktanteil in China – der Rückzug ist Teil einer breiteren Neuausrichtung des Konzern-Footprints.
Fünf Manager kaufen erneut Aktien
Parallel zur China-Nachricht meldete Nokia Insiderkäufe von fünf leitenden Managern: Raghav Sahgal, David Heard, Stephan Prosi, Louise Fisk und Victoria Hanrahan erwarben am Donnerstag Aktien zu einem Stückpreis von 9,0910 Euro an der Helsinki-Börse. Solche breit gestreuten Käufe mehrerer Führungskräfte gleichzeitig gelten als Signal für Vertrauen in die eigene Strategie, auch wenn der Kaufpreis unter dem aktuellen Kursniveau lag.
Die beiden Meldungen ergeben zusammen ein zwiespältiges Bild: Auf der einen Seite baut Nokia in einem strukturell schwierigen Markt Kapazitäten ab, auf der anderen Seite zeigen sich die eigenen Manager kaufbereit. Das passt zu einem Konzern, der sein Geschäft derzeit stark auf Wachstumsfelder wie KI- und Cloud-Infrastruktur umschichtet, während klassische Segmente wie das China-Geschäft unter Druck bleiben.
Neue Partnerschaften untermauern KI-Strategie
Der Rückzug aus Hangzhou steht im Kontrast zu einer Serie von Wachstumsinitiativen der vergangenen Wochen. Anfang August startete Nokia gemeinsam mit Indosat, der Ooredoo Group und Nvidia die Plattform „Zankore“, eine KI-Infrastrukturlösung für den indonesischen Markt.
Zudem ging der Konzern eine Partnerschaft mit NestAI ein, um KI-gestützte Kommando- und Kontrollwerkzeuge für einsetzbare 5G-Netze in sicherheitskritischen Verteidigungsanwendungen bereitzustellen.
In Neuseeland kooperiert Nokia mit Chorus bei einem landesweiten Präzisions-Zeitgebungsdienst auf Basis der eigenen Synchronisationstechnologie. Das US-amerikanische National Institute of Standards and Technology schrieb zudem eine Beschaffung von Nokia-5G-Basisstationshardware und -software aus.
Diese Aktivitäten fügen sich in das Bild ein, das die Quartalszahlen vom 23. Juli zeichneten: Nokia übertraf mit einem vergleichbaren Ergebnis je Aktie von 0,07 Euro die Konsenserwartung von 0,05 Euro deutlich, bei einem Nettoumsatz von 4,82 Milliarden Euro. Treiber war ein um 105 Prozent gestiegenes Auftragsvolumen im KI- und Cloud-Bereich gegenüber dem Vorjahr.
Kurs bleibt volatil, Analysten uneins über Bewertung
An der Börse hat sich diese Dynamik in den vergangenen Wochen niedergeschlagen: Der Kurs legte binnen sieben Tagen um 15 Prozent zu und notiert seit Jahresbeginn 67 Prozent im Plus. Zum Wochenschluss ging die Aktie mit 9,36 Euro aus dem Handel, ein Prozent fester als am Vortag. Zum 52-Wochen-Hoch von 14,97 Euro, erreicht Anfang Juni, fehlen der Aktie derzeit noch 37 Prozent.
Bank of America hob am Donnerstag ihr Kursziel für Nokia von 16,00 auf 18,50 US-Dollar an und bestätigte die Kaufempfehlung, unter Verweis auf den starken Auftragseingang im KI- und Cloud-Geschäft. SEB Equities stufte die Aktie am selben Tag von „Hold“ auf „Buy“ hoch und setzte ein neues Kursziel von 12,00 Euro, mit KI-getriebener Netznachfrage als zentralem Wachstumstreiber.
Beide Einschätzungen fielen in dieselbe Woche, in der auch die Werksschließung und die Insiderkäufe bekannt wurden – ein Hinweis darauf, dass die China-Nachricht das Wachstumsnarrativ der Analysten bislang nicht gebremst hat.
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