Nvidia Aktie: Garantie für OpenAI von 105 Milliarden gekürzt
Veröffentlicht am: 22.08.2026 um 18:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Vier Tage vor den Quartalszahlen zeigt sich, wie sehr Nvidia inzwischen zwei Rollen gleichzeitig spielt: Chiphersteller und Infrastruktur-Financier. Für mich ist genau das der Punkt, an dem sich die Anleger diese Woche die entscheidende Frage stellen sollten – nicht ob die Nachfrage nach KI-Chips groß ist, sondern wer sie eigentlich noch bezahlt.
Am Montag hat Nvidia zugesagt, eine Garantie von bis zu 105 Milliarden Dollar zu übernehmen, damit OpenAI ein gewaltiges Rechenzentrum in Ohio anmieten kann, das SoftBanks SB Energy entwickelt. Zusätzlich investiert Nvidia 1,5 Milliarden Dollar direkt in SB Energy.
Bemerkenswert ist der Weg dorthin: Laut Wall Street Journal wollte Nvidia ursprünglich rund 250 Milliarden Dollar garantieren, reduzierte die Summe Mitte August auf "weniger als 120 Milliarden" und einigte sich schließlich auf 105 Milliarden. Die geplante Kapazität von 8 Gigawatt soll ab 2028 in Phasen ans Netz gehen.
Wenn der Verkäufer zum Kreditgeber wird
Für mich ist diese schrittweise Schrumpfung kein Detail, sondern ein Signal. Ein Konzern, der seine eigene Garantiesumme innerhalb weniger Tage mehr als halbiert, tastet sich offenbar an eine Schmerzgrenze heran.
Berichten von Wall Street Journal, CNBC und Fortune zufolge wachsen die Zweifel an einem Finanzierungsmodell, bei dem der dominante KI-Chiphersteller zunehmend selbst die Infrastruktur mitfinanziert, die anschließend Nachfrage nach seinen eigenen Chips erzeugt. Das ist kein Betrugsvorwurf, aber es ist ein Zirkelschluss, der bei jedem Wackler im KI-Boom sichtbarer wird.
Ergänzt wird das Bild durch eine bereits am 10. August verkündete Partnerschaft mit Apollo, BlackRock, Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs und KKR. Ziel ist es, unabhängige Finanzierungsplattformen aufzubauen, die mehr als 500 Milliarden Dollar an Drittkapital für den Ausbau von KI-Infrastruktur mobilisieren sollen. Das lässt sich als kluger Schachzug lesen: Nvidia holt sich professionelle Kapitalgeber ins Boot, statt jedes Risiko allein zu tragen. Es lässt sich aber auch als Eingeständnis lesen, dass die bisherigen Eigen-Garantien zu groß geworden sind, um sie alleine zu stemmen.
Rebellions-Gespräche als weiteres Puzzlestück
Parallel dazu kursieren laut Bloomberg Berichte über vorläufige Gespräche mit dem südkoreanischen Chipdesigner Rebellions – möglicherweise über eine technische Partnerschaft, möglicherweise über eine komplette Übernahme. Firmenchef Jensen Huang soll sich diese Woche mit Rebellions-Mitgründer Sunghyun Park in Santa Clara getroffen haben.
Sollte daraus ein Deal werden, dürften sowohl das US-Justizministerium wegen Nvidias Marktmacht als auch südkoreanische Regulierungsbehörden genau hinschauen, zumal der südkoreanische Staat selbst finanziell an Rebellions beteiligt ist.
Für mich zeigt allein die Existenz solcher Gespräche, dass Nvidia auch auf der Zuliefererseite Optionen offenhalten will, falls die eigene Marktdominanz regulatorisch enger wird.
Am Kursverlauf lässt sich die Verunsicherung bereits ablesen: Am Freitag schloss die Aktie bei 183,78 Euro, ein Minus von 1,1 Prozent, und auf Wochensicht steht ein Rückgang von 5,6 Prozent zu Buche.
Der Titel notiert damit 9,2 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro, das erst im Mai erreicht wurde. Gleichzeitig bleibt der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt mit 9,1 Prozent im positiven Bereich – der langfristige Trend ist also intakt, auch wenn die kurzfristige Nervosität zunimmt.
Der Blick auf den 26. August
Unterm Strich sehe ich Nvidia in einer Phase, in der die operative Stärke – ein für das zweite Geschäftsquartal des Fiskaljahres 2027 in Aussicht gestelltes Umsatzziel von rund 91 Milliarden Dollar – auf eine strukturell wachsende Abhängigkeit von selbst finanzierter Nachfrage trifft.
Die Aktionärsrendite bleibt dabei großzügig: Im Mai erhöhte der Vorstand die Quartalsdividende von 0,01 auf 0,25 Dollar je Aktie und stockte das Rückkaufprogramm um 80 Milliarden Dollar auf, mit dem Ziel, 2026 die Hälfte des freien Cashflows an die Aktionäre zurückzugeben. Das spricht für finanzielle Stärke.
Doch die Verkürzung der OpenAI-Garantie von möglichen 250 auf letztlich 105 Milliarden Dollar innerhalb weniger Wochen zeigt für mich, dass selbst Nvidia die Grenzen des eigenen Finanzierungsmodells austestet. Die Zahlen am 26. August werden zeigen, ob das operative Geschäft diese Konstruktion weiterhin trägt – oder ob die Frage nach der Nachhaltigkeit der selbstgemachten Nachfrage lauter wird.
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