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Nvidia Aktie: Mercedes-Benz führt Vera-Rubin-Systeme 2026 ein

Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 12:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nvidia setzt auf Inferenz-Chips und autonomes Fahren. Die Aktie bleibt trotz Konsolidierung über dem 200-Tage-Durchschnitt und Analysten sehen weiteres Potenzial.

Nvidia-Aktie: KI-Strategie wechselt vom Training zur Anwendung
Hochmoderne Serverinfrastruktur in einem Rechenzentrum mit leuchtenden Glasfaserkabeln als Symbol für KI-Technologie. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Nvidia trainiert nicht mehr nur künstliche Intelligenz in Rechenzentren. Der Konzern lässt sie jetzt auch Autos steuern. Diese Verschiebung ist der eigentliche Grund, warum die Aktie trotz eines Rückgangs vom Rekordhoch so robust wirkt.

Die Aktie notiert bei 180,86 Euro und legt am Dienstag 0,77 Prozent zu. Der Kurs bleibt zehn Prozent unter dem Hoch von Mai. Trotzdem sprechen viele Marktbeobachter nicht von einer Schwächephase, sondern von einer Verschnaufpause vor der nächsten Wachstumsstufe. Der Unterschied zwischen beiden Lesarten liegt in dem, was Nvidia gerade baut.

Vom Training zur Anwendung

Jahrelang beruhte die Investmentstory auf einem einfachen Argument: Nvidia dominiert das Training von KI-Modellen. Diese Ära geht zu Ende. Die "Blackwell"-Architektur bleibt zwar der wichtigste Umsatztreiber und deckt schätzungsweise über 70 Prozent der High-End-GPU-Auslieferungen in diesem Jahr ab. Der Blick der Branche richtet sich aber zunehmend auf die "Vera Rubin"-Plattform.

Vera Rubin ist für die Inferenz-Phase gebaut — jenen Moment, in dem KI-Modelle tatsächlich arbeiten, statt nur zu lernen. Branchenanalysten erwarten, dass Inferenz-Workloads bis Ende 2026 rund 60 bis 70 Prozent des gesamten Marktes für KI-Beschleuniger ausmachen. Für Nvidia bedeutet das einen Wechsel. Statt auf einzelne Trainingsschübe zu setzen, verkauft der Konzern künftig Rechenleistung für den Dauerbetrieb.

Autonomes Fahren in Stuttgart und München

Der greifbarste Beleg für diese Strategie der "physischen KI" liegt auf deutschen Straßen. Nach der Zulassung von Level-2++-Systemen in Deutschland will Mercedes-Benz bis Ende 2026 eine neue Generation von Fahrassistenzsystemen in Stuttgart und München einführen. Der Autobauer setzt dabei auf Nvidias eigene Technologie.

Diese Partnerschaft nutzt Nvidias "Alpamayo"-Technologie. Sie basiert auf einer schlussfolgernden Architektur, die menschenähnliche Entscheidungslogik in die Bildverarbeitung von Fahrzeugen bringt. Nvidia wandelt sich damit vom reinen Chiplieferanten zum softwaredefinierten Motor der Autoindustrie. Mit der "DRIVE Hyperion"-Architektur, die auch in künftige Robotaxi-Systeme einfließt, will der Konzern an jedem gefahrenen Kilometer seiner Partnerflotten verdienen.

Was sich hier abzeichnet, ist kein Nebengeschäft. Es ist der Versuch, aus einem Halbleiterhersteller einen Infrastrukturanbieter für die reale Welt zu machen.

Die Bewertungslücke zum Kursziel

Mit einem Plus von 12,84 Prozent seit Jahresbeginn hat Nvidia trotz der aktuellen Konsolidierung ein solides Jahr hinter sich. Die Aktie handelt weiterhin 8,58 Prozent über ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 166,57 Euro — ein Signal für einen intakten langfristigen Aufwärtstrend statt einer spekulativen Blase.

Der Analystenkonsens bleibt optimistisch. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 262,89 Euro, was einem möglichen Aufwärtspotenzial von 45,4 Prozent entspricht. Diese Lücke zwischen aktuellem Kurs und Erwartung spiegelt eine Wette wider: Sobald Vera Rubin in der zweiten Jahreshälfte 2026 in Serie geht, könnte Nvidia erneut die Bewertungsmaßstäbe der Halbleiterbranche verschieben.

Reicht die Verschiebung von Trainings- zu Inferenz-Chips allein aus, um diese Bewertungslücke zu rechtfertigen? Die Antwort hängt davon ab, wie schnell Partner wie Mercedes-Benz ihre Systeme tatsächlich ausrollen — und wie viele Kilometer am Ende wirklich mit Nvidia-Technologie gefahren werden.

Auch die Robotik-Sparte gewinnt an Substanz. Das "GR00T"-Projekt bewegt sich von der reinen Forschung hin zu Referenzmodellen für die humanoide Serienproduktion. Partner wie Unitree sollen davon noch in diesem Jahr profitieren. Die "Betriebssystem für die physische Welt"-Vision, die Nvidia-Chef Jensen Huang seit Monaten propagiert, wird damit weniger zur Marketingfloskel und mehr zu einer messbaren Größe in den Quartalszahlen der kommenden Jahre.

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