Nvidia Aktie: Regulierungsangst drückt Kurs
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 20:49 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Ausverkauf bei Nvidia hat einen politischen Auslöser. Zwei Tage nach den Zwischenwahlen sackte die Aktie am Donnerstag um rund neun Prozent ab und war damit Schlusslicht im Dow Jones.
Rechenzentren im Visier der Demokraten
Die Demokraten haben bei den Midterms die Mehrheit in Senat und Repräsentantenhaus übernommen. Viele Wähler äußerten damit nicht nur Unmut über Lebenshaltungskosten, sondern auch Ablehnung gegenüber Rechenzentren. Kritiker verweisen auf den hohen Strombedarf, der die Energiepreise treiben könnte, sowie auf Lärm, Luftverschmutzung und Wassermangel.
In Texas fordert die designierte Gouverneurin Gina Hinojosa bereits ein sofortiges Moratorium für den Bau neuer Rechenzentren. Das trifft den Kern des Nvidia-Geschäfts: Weniger Investitionen in die KI-Infrastruktur würden die Chiphersteller in den kommenden Jahren spürbar belasten.
Der Nasdaq 100 verlor zeitweise mehr als fünf Prozent, der S&P 500 gut drei Prozent. Der Nasdaq-Composite rutschte mehr als zehn Prozent unter sein Rekordhoch und befindet sich damit in einer Korrektur. Broadcom und Oracle büßten ebenfalls rund neun Prozent ein, CoreWeave und Nebius fielen noch deutlicher. Marktbeobachter sprechen von einer überfälligen Bereinigung in den spekulativsten Segmenten der Branche.
China-Geschäft bleibt Reizthema
Parallel dazu sorgt der Export Schlagzeilen. Das chinesische KI-Labor Moonshot sucht Medienberichten zufolge über Rechenzentren in Europa Zugang zu Blackwell-Chips. In Gesprächen ging es offenbar um Cluster mit 8.000 oder mehr GPUs. Die US-Regierung hatte Moonshot im Juli vorgeworfen, die Chips über eine Anlage in Thailand genutzt zu haben.
Hier klafft eine Lücke: Das Gesetz zur Kontrolle des Fernzugriffs (Remote Access Security Act) passierte im Januar das Repräsentantenhaus, im Senat steht es noch aus. Nvidia verlangt von Cloud-Partnern laut Berichten, mindestens 51 Prozent ihrer Leistung an Kunden außerhalb Chinas zu verkaufen. Ein demokratisch geführter Kongress dürfte den Druck in der Technologiepolitik eher erhöhen.
Operatives Geschäft läuft weiter
Auf der Produktseite gab es am Donnerstag dagegen Rückenwind. Supermicro stellte gemeinsam mit IBM und Nvidia eine KV-Cache-Lösung für KI-Inferenz vor. In Tests mit einem Modell mit 120 Milliarden Parametern verkürzte sie die Zeit bis zum ersten Token bei langen Prompts bis auf das 56-Fache. Die Lösung kombiniert Nvidias Dynamo-Software mit Spectrum-X-Netzwerktechnik.
Die Analystenziele liegen laut Datenanbietern zwischen 300 und 400 Dollar und damit deutlich unter den aktuellen Kursen. Die Wahlfolgen für die Rechenzentrums-Pläne in den einzelnen US-Bundesstaaten dürften den Kurs in den kommenden Wochen weiter prägen. Die Gesetzesinitiativen der neuen Kongressmehrheit beginnen allerdings erst im Januar.
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