OHB: Deutsche Bank hebt Ziel auf 300 Euro
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 19:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine frische Kaufempfehlung hat die Aktie von OHB am Freitag deutlich angetrieben. Das Papier des Bremer Raumfahrtkonzerns legte zum Wochenausklang um 5,9 Prozent zu und ging bei 180,00 Euro aus dem Handel. Verantwortlich für diesen Kurssprung war Deutsche Bank Research: Das Analysehaus hob das Kursziel für den Raumfahrtspezialisten spürbar auf 300 Euro an und bestätigte seine Einstufung mit „Buy“.
In seiner Begründung verwies Analyst Sriram Krishnan darauf, dass der Markt die Wachstumsdynamik sowie das mittelfristige Auftragspotenzial des Unternehmens nach wie vor unterschätze. Für mich trifft diese Einschätzung den Kern der aktuellen Lage.
Während der breite Markt die Tragweite langfristiger Raumfahrt- und Sicherheitsinitiativen oft nur verzögert einpreist, sichert sich OHB derzeit systematisch Schlüsselrollen in europäischen Großprojekten.
Industrielle Großaufträge und neue Allianzen
Wie substanziell dieser operative Rückenwind ausfällt, zeigte sich bereits am 31. August. SES erteilte OHB einen Auftrag im Wert von knapp 1 Milliarde Euro für die Entwicklung und den Bau von 18 Satellitenplattformen, die im Rahmen des europäischen Konnektivitätsprogramms IRIS² zum Einsatz kommen sollen. Ein Projekt dieser Größenordnung untermauert nicht nur die technologische Kompetenz der Bremer, sondern füllt die Auftragsbücher auf Jahre hinaus.
Zugleich erweitert der Konzern seine strategische Reichweite in sicherheitspolitisch relevanten Feldern. Am Donnerstag unterzeichneten OHB Sweden und Saab eine Absichtserklärung zur Kooperation bei weltraumgestützten Verteidigungsfähigkeiten.
Diese Partnerschaft verdeutlicht, wie eng zivile Satellitentechnologie und militärische Aufklärung mittlerweile zusammenwachsen. Aus meiner Sicht stärkt dieser Schritt das Profil von OHB in einem Marktsegment, das angesichts veränderter geopolitischer Realitäten auf absehbare Zeit von steigenden Budgets profitieren dürfte.
Ambitionierte Pläne und Rückkehr in den TecDAX
Die operative Zuversicht spiegelt sich auch in den Finanzzielen wider. Am 6. August bestätigte der Vorstand seine Prognose für das Gesamtjahr 2026, die eine Gesamtleistung von rund 1.400 Millionen Euro vorsieht. Das Management blickt jedoch längst weiter nach vorn: Mittelfristig peilt das Unternehmen eine Gesamtleistung von mehr als 4,0 Milliarden Euro an.
Wer derartige Wachstumsdimensionen ausruft, muss bei der Projektabwicklung fehlerfrei liefern. Doch der Kapitalmarkt beginnt, diese Perspektiven wieder stärker zu honorieren. Für zusätzliche Aufmerksamkeit bei institutionellen Anlegern sorgt die Rückkehr auf das übergeordnete Börsenparkett: Seit vergangenem Montag ist die Aktie wieder im TecDAX vertreten, wo sie den IT-Dienstleister CANCOM ersetzte.
Unterstützung erhält der Raumfahrtwert zudem von weiteren Branchenbeobachtern. Neben der Deutschen Bank bekräftigte gestern auch die Privatbank Berenberg ihre Kaufempfehlung und sieht das Kursziel unverändert bei 358 Euro. Das Vertrauen der Analysten spiegelt sich auch im mittelfristigen Trend wider: Seit Jahresanfang verzeichnet der Titel ein Plus von 54 Prozent.
Fazit: Die Neubewertung hat Substanz
Unterm Strich spricht vieles dafür, dass die aktuelle Aufwärtsbewegung auf einem soliden Fundament steht. OHB ist längst kein Nischenanbieter mehr, sondern entwickelt sich zu einem unverzichtbaren Pfeiler der europäischen Raumfahrt- und Verteidigungsinfrastruktur.
Die Kombination aus vollen Auftragsbüchern, dem Rückhalt namhafter Analysten und den immensen Wachstumschancen im Sicherheitssektor überwiegt für mich die Ausführungsrisiken im Projektgeschäft deutlich. Der Markt hat begonnen, dieses Potenzial zu erkennen – abgeschlossen ist dieser Prozess aber noch nicht.
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