OpenAI, Mathe-RĂ€tsel

OpenAI: Mathe-RÀtsel gelöst, Zweifel bleiben

Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 14:47 Uhr | Redaktion boerse-global.de

OpenAI prĂ€sentiert eine KI-generierte Navier-Stokes-Lösung, wĂ€hrend Experten die Herkunft prĂŒfen und Sicherheitsprobleme bei ChatGPT bekannt werden.

OpenAI meldet Durchbruch bei Navier-Stokes – Kritik wĂ€chst
Abstrakte Darstellung eines neuronalen Netzwerks und mathematischer Strukturen in blauem Licht. Illustration mit AI erstellt.

OpenAI meldet einen wissenschaftlichen Coup: Ein internes KI-System soll das Navier-Stokes-Problem geknackt haben, eines von sieben Millennium-Problemen, fĂŒr deren Lösung das Clay Mathematics Institute im Jahr 2000 jeweils eine Million Dollar auslobte.

Die Gleichungen beschreiben, wie sich FlĂŒssigkeiten bewegen — relevant fĂŒr Flugzeugbau, Wettervorhersage und medizinische Forschung. Kaum ist die AnkĂŒndigung draußen, hagelt es Kritik an der Vorgehensweise.

Zehntausend Agenten in 88 Stunden

Nach eigenen Angaben ließ OpenAI rund 10.000 KI-Agenten parallel an dem Problem arbeiten. Das System generierte etwa 2,7 Millionen Nachrichten und verbrauchte rund 130 Milliarden Output-Tokens. Die Lösung stand demnach am 5. September, nach etwa 88 Stunden Rechenzeit und weiteren 17 Stunden Verifikation in der Formalisierungssprache Lean.

Das Unternehmen erhebt keinen Anspruch auf das Preisgeld und wertet das Ergebnis eher als Beleg fĂŒr die Beschleunigung der eigenen KI-FĂ€higkeiten denn als abgeschlossenen Meilenstein.

Genau hier setzt der Streit an: Tristan Buckmaster, Mathematikprofessor an der New York University, wirft OpenAI vor, von externen Fortschritten profitiert zu haben. Er hatte gemeinsam mit dem bei Anthropic tÀtigen Mathematiker Levent Alpöge an Àhnlichen AnsÀtzen gearbeitet und erhielt Hinweise, dass Informationen zu diesem Fortschritt an OpenAI durchgesickert seien.

OpenAI bestreitet, auf fremde Nutzerdaten zugegriffen zu haben, rÀumt aber ein, dass anonymisierte Nutzungsdaten die eigenen Modelle indirekt verbessert haben könnten.

Enterprise-Strategie und offene SicherheitslĂŒcken

Parallel zur Mathe-Debatte skizzierte Finanzchefin Sarah Friar auf der Communacopia-Konferenz von Goldman Sachs die Wachstumsstrategie im FirmenkundengeschĂ€ft. OpenAI setzt gezielt auf Branchen wie Chipdesign, Life Sciences und Finanzdienstleistungen und senkt dabei die Preise, um gegen gĂŒnstigere Open-Source-Modelle aus China zu bestehen.

Das Budget-Modell Luna wurde um 80 Prozent verbilligt, die Nutzung stieg dadurch etwa auf das Zehnfache. Der Coding-Assistent Codex zÀhlt mittlerweile 25 Millionen Nutzer.

Nach Friars Angaben wuchs der Enterprise-Umsatz zwischen Juni und Juli um 32 Prozent, deutlich schneller als das annualisierte Gesamtwachstum von 20 Prozent im selben Zeitraum. Consumer- und Firmenkundenumsatz liegen inzwischen etwa gleichauf — damit liegt OpenAI vor dem eigenen Zeitplan, bis Jahresende ParitĂ€t zwischen beiden Segmenten zu erreichen.

Gleichzeitig wĂ€chst das Partnernetzwerk: Der KI-Talentdienstleister Andela wurde als OpenAI Select Partner aufgenommen und soll Unternehmen beim Einsatz von GPT-5.6 und Codex unterstĂŒtzen.

Sicherheitsforscher deckten derweil eine Schwachstelle in ChatGPT auf, die auf demselben internen Softwarefehler beruhen soll, der bereits bei einem Vorfall auf der Plattform Hugging Face aufgefallen war — Angreifer hĂ€tten darĂŒber Zugriff auf fremde E-Mails erlangen können.

FĂŒr OpenAI verdichten sich damit zwei ErzĂ€hlstrĂ€nge: technologischer Fortschritt mit Signalwirkung fĂŒr Investoren, begleitet von wiederkehrenden Fragen zu DatenintegritĂ€t und Sicherheitsarchitektur. Wie das Clay Mathematics Institute die vorgelegte Navier-Stokes-Lösung offiziell bewertet, steht noch aus.

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