Oracle, Aktie

Oracle Aktie: 638 Milliarden Dollar Auftragsbestand

Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 11:20 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Trotz Rekordauftragsbuch von 638 Mrd. Dollar verliert Oracle-Aktie massiv. Verzögerte Rechenzentren, Stellenabbau und Short-Attacken belasten die KI-Infrastruktur-Wette.

Oracle-Aktie: Milliardenaufträge vs. Kursverfall – die KI-Wette auf dem Prüfstand
Abstrakte Darstellung moderner Rechenzentren und Cloud-Infrastruktur als Symbol für massives Unternehmenswachstum. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Es gibt Aktien, an denen sich gerade exemplarisch zeigt, wie widersprüchlich die Story der künstlichen Intelligenz an den Börsen erzählt wird. Oracle ist so ein Fall. Auf der einen Seite steht ein Auftragsberg von 638 Milliarden Dollar, den kaum ein Unternehmen der Welt vorweisen kann. Auf der anderen Seite steht eine Aktie, die seit ihrem Hoch im September vergangenen Jahres rund 58 Prozent verloren hat. Wie passt das zusammen?

Die Antwort liegt im Kern der ganzen KI-Erzählung: Wachstum um jeden Preis, finanziert auf Kredit, gegen ein Versprechen, das erst noch eingelöst werden muss. Oracle hat sich zum Symbol dieser Wette gemacht.

Ein Auftragsbuch wie kein zweites

Die Zahlen aus dem vierten Geschäftsquartal, die Oracle Mitte des Monats bestätigte, sind tatsächlich außergewöhnlich: Die Remaining Performance Obligations, also der Wert bereits unterschriebener, aber noch nicht abgerechneter Aufträge, kletterten auf 638 Milliarden Dollar – ein Plus von 363 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Treiber sind große KI-Verträge, unter anderem mit OpenAI. Das Analysehaus 24/7 Wall St. reagierte am 11. August mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 212,31 Dollar, verwies dabei explizit auf den Auftragsbestand und ein Cloud-Infrastruktur-Wachstum von 93 Prozent im Jahresvergleich.

Auch operativ tut sich etwas: Amazon Web Services weitete Anfang August die Kooperation mit Oracle aus, die gemeinsame Datenbanklösung „Oracle AI Database@AWS" läuft inzwischen in 22 AWS-Regionen.

Partner wie Automus Consulting bringen neue Beschleunigungsmodelle für Cloud-Implementierungen auf den Markt, und mit „Leah" hat eine agentenbasierte KI-Plattform Oracle Cloud Infrastructure für ihre globale Expansion gewählt. Das Ökosystem wächst – zumindest auf dem Papier.

Die Kehrseite der Wette

Doch genau hier beginnt das Unbehagen. Um dieses Wachstum zu stemmen, muss Oracle gigantische Summen in physische Infrastruktur stecken – Rechenzentren, Energieversorgung, Kühlung.

Und ausgerechnet an dieser Stelle hakt es. Das „Project Jupiter" in New Mexico, ein 165-Milliarden-Dollar-Rechenzentrumsprojekt für künstliche Intelligenz, verzögert sich: Die notwendige Erdgaspipeline kommt wegen regulatorischer Hürden erst im Februar 2027 statt wie geplant – ein halbes Jahr später. Für ein Unternehmen, das seinen Kunden Kapazität verspricht, ist das kein triviales Detail.

Parallel dazu mehren sich Berichte über einen weiteren Stellenabbau im September, nachdem Oracle im Geschäftsjahr 2026 bereits rund 21.000 Mitarbeiter – etwa 13 Prozent der Belegschaft – entlassen hatte. Wachstum bei den Aufträgen, Schrumpfung bei der Belegschaft: Auch das ist ein Bild, das viele KI-Bauunternehmen gerade prägt.

Und dann ist da noch Michael Burry. Der für seine Wetten gegen überhitzte Märkte bekannte Investor hat seine Short-Position gegen Oracle laut Medienberichten Mitte August weiter ausgebaut. Sein Argument: mögliche Überkapazitäten bei KI-Rechenleistung und ein Verschuldungsgrad, gemessen an Schulden im Verhältnis zum EBITDA, der ihm zu hoch erscheint.

Die UBS wiederum senkte bereits Anfang August ihr Kursziel von 285 auf 245 Dollar, bei fortbestehender Kaufempfehlung – mit Verweis auf die Kapitalintensität des KI-Infrastrukturausbaus. Nicht jeder Kapitalgeber teilt diese Skepsis: Institutionelle Investoren wie Principle Wealth Partners oder Commerzbank stockten zuletzt neu bei Oracle ein.

Was der Kurs gerade erzählt

Am Dienstag verlor die Aktie 2,7 Prozent und schloss bei 123,30 Euro, belastet vor allem von den Nachrichten zur Pipeline-Verzögerung. Auf Wochensicht steht ein Minus von 7,0 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn hat sich der Kurs um 26 Prozent verringert.

Über die vergangenen zwölf Monate beträgt der Rückgang 39 Prozent – trotz eines Plus von 16 Prozent im 30-Tage-Fenster, das zeigt, wie volatil die Bewegung inzwischen verläuft. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 63 Prozent unterstreicht das.

Am 11. September legt Oracle seine Zahlen zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 vor, der Konsens erwartet einen Umsatz von rund 19,13 Milliarden Dollar. Bis dahin bleibt die zentrale Frage offen: Ist Oracle der Infrastruktur-Gewinner einer neuen Ära – oder ein Unternehmen, das sich mit der schieren Größe seiner Wetten übernommen hat? Der Auftragsbestand spricht für Ersteres, die Verschuldung und die Bautempo-Probleme für Vorsicht.

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