Oracle Aktie: Investitionen übersteigen Cashflow deutlich
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 08:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Hohe Kreditsicherheiten und Spannungen bei Großprojekten
Am Freitag wurde bekannt, dass Executive Chair und CTO Larry Ellison deutlich mehr Aktien als Kreditsicherheit für persönliche Darlehen hinterlegt hat. Laut einem Bericht von Bloomberg verpfändete er 67 Millionen Anteile mehr als im Vorjahr. Das entsprechende Paket besitzt einen Wert von rund 9,2 Milliarden $.
Dieser Schritt fällt in eine Phase spürbarer Unsicherheit für das Technologieunternehmen. Am Kapitalmarkt mehren sich die Fragen, wie die Unternehmensführung die Balance zwischen privaten Engagements und den wachsenden Verpflichtungen des Konzerns halten will.
Zusätzlicher Druck entsteht bei der physischen Infrastruktur. Am Donnerstag verschickte das Unternehmen eine Mitteilung über das Vorliegen höherer Gewalt an den Entwickler von Project Jupiter, eine Einheit von Blue Owl Capital. Sollte das geplante Rechenzentrum im US-Bundesstaat New Mexico nicht wie vorgesehen im Jahr 2028 ans Netz gehen, will Oracle anstehende Zahlungen aufschieben.
Anleger stehen damit vor einer Richtungsentscheidung. Im Handel am Freitag schloss die Aktie bei 120,26 €, womit das Papier seit Jahresanfang ein Minus von 28 % verzeichnet.
Die gewaltige Lücke zwischen operativem Zufluss und Investitionsbedarf
Für den weiteren Kursverlauf steht vor allem die Finanzierung des rasanten Expansionskurses im Blickpunkt. Das Management baut seine Kapazitäten für künstliche Intelligenz zügig aus, verursacht damit allerdings erhebliche Kosten.
Vor rund zwei Wochen meldete Oracle im Zuge der Quartalszahlen einen operativen Rekord-Cashflow von 23 Milliarden $. Dem standen allerdings Investitionsausgaben in Höhe von 28 Milliarden $ gegenüber. Unter dem Strich stand daher ein negativer freier Cashflow von 5 Milliarden $.
Die entscheidende Frage lautet daher, ob das operative Geschäft schnell genug zulegt, um diese Lücke zu schließen. Solange die massiven Vorleistungen nicht durch nachhaltige Mittelzuflüsse gedeckt sind, bleibt der Spielraum für unvorhergesehene Verzögerungen gering.
Starkes Cloud-Wachstum und prall gefüllte Auftragsbücher
Die Zuversicht der Optimisten speist sich aus dem Tempo im Cloud-Segment. Vor rund zwei Wochen wies Oracle für die Cloud-Infrastruktur ein währungsbereinigtes Erlösplus von 120 % aus. Die Auslastung der KI-Infrastruktur bezifferte das Unternehmen auf 97,9 %.
Zudem lieferte der Konzern mehr als 300.000 Grafikprozessoren an Kunden aus. Parallel dazu stärkt Oracle sein Softwareportfolio: Am 14. September startete in den USA ein KI-Assistent für das Pflegepersonal, während am 15. September die Veröffentlichung von Java 27 mit neuen Funktionen für die KI-Inferenz folgte.
Für das Geschäftsjahr 2027 peilt das Management einen Gesamtumsatz von mindestens 90 Milliarden $ an. Der bereinigte Gewinn je Aktie soll 8,10 $ erreichen. Geht dieser Plan auf, verwandeln sich die teuren Vorleistungen in hochprofitable Marktanteile.
Zunehmende Reibungsverluste und skeptischere Analysten
Diesen Zielmarken stehen spürbare operative und finanzielle Hürden gegenüber. Sollten sich Kernprojekte weiter verzögern, gerät das unterstellte Ertragsprofil schnell unter Druck.
Medienberichten zufolge notieren Kredite für Project Jupiter infolge von Verzögerungen, Klagen und einer Herabstufung durch S&P bereits auf Niveaus mit deutlichen Risikoaufschlägen. Gleichzeitig hält der Konzern an seiner Prognose für die jährlichen Investitionsausgaben von 90 bis 95 Milliarden $ fest.
An der Wall Street passten einige Häuser ihre Erwartungen an. Am 11. September senkte das Analysehaus BMO Capital Markets sein Kursziel auf 195,00 $, während Freedom Broker am 17. September eine Reduzierung auf 205,00 $ vornahm. Beide Institute behielten ihre positive Einstufung bei.
Worauf Anleger vor dem nächsten Quartalsbericht achten müssen
Die künftige Entwicklung hängt damit an der termingerechten Fertigstellung der Rechenzentren und der Nachfrageentwicklung. Für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027 rechnet der Vorstand mit einem Erlöswachstum von 30 bis 34 %.
Solange das Cloud-Wachstum auf hohem Niveau verharrt und der angestrebte Erlöszuwachs im zweiten Quartal greift, besitzen die Optimisten ein tragfähiges Argument; kippt hingegen die Finanzierung der Infrastruktur oder geraten Bauzeitpläne wie in New Mexico weiter in Verzug, dann drohen zusätzliche Belastungen für die Bewertung.
Als nächster konkreter Meilenstein gilt die Vorlage der Ergebnisse für das zweite Geschäftsquartal. Anleger werden dann genau prüfen, ob die hohen Sachinvestitionen mit den operativen Fortschritten Schritt halten.
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