Pfizer Aktie: Leben nach Corona
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 00:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Drei Jahre nach dem Pandemie-Boom sucht Pfizer nach einer neuen Wachstumsstory â und prĂ€sentierte sie auf der U.S. All Stars Conference in London. Die Botschaft der Internationalen Sparte: Das GeschĂ€ft steht heute auf deutlich breiteren Beinen als noch 2023.
Neues GeschÀft wÀchst, Covid schrumpft weiter
Das internationale Portfolio aus neuen und zugekauften Produkten ist nach Unternehmensangaben von 500 Millionen Dollar im Jahr 2023 auf aktuell 4 Milliarden Dollar gewachsen.
Im zweiten Quartal 2024 lag der Umsatz aus diesen Produkten bei 3,2 Milliarden Dollar, ein Plus von 18 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr. Auf globaler Ebene beziffert Pfizer die annualisierte Basis dieser neuen Produkte inzwischen auf rund 13 Milliarden Dollar.
Der Gegenpol dazu: Das Covid-GeschĂ€ft schmilzt spĂŒrbar ab. Von 11 Milliarden Dollar im Jahr 2024 soll es laut Unternehmensprognose auf 4 Milliarden Dollar im laufenden Jahr fallen â ein RĂŒckgang von 63 Prozent. Diese Entwicklung war seit LĂ€ngerem absehbar, verĂ€ndert aber die Gewichtung im Konzern spĂŒrbar: Onkologie, Impfstoffe und die PrimĂ€rversorgung sollen die entstehende LĂŒcke fĂŒllen.
Konkrete Erfolge nennt das Management vor allem beim Lungenkrebsmedikament Lorbrena, das in Frankreich einen Marktanteil von 77 Prozent bei der Erstlinientherapie erreicht und international bereits einen Quartalsumsatz von 250 Millionen Dollar einbringt. Auch in China, wo Pfizer gegen fĂŒnf konkurrierende PrĂ€parate antritt, hĂ€lt das Medikament einen Marktanteil von rund 50 Prozent.
China als Konkurrent und Partner zugleich
Ein zentrales Thema der PrĂ€sentation war der wachsende Einfluss chinesischer Biotech-Unternehmen. Nach Angaben des Managements werden inzwischen 50 Prozent aller weltweiten klinischen Studien zu Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten und bispezifischen Antikörpern in China durchgefĂŒhrt. Das Land soll 2022 bereits fĂŒr 30 Prozent der globalen Innovationsleistung in der Branche verantwortlich gewesen sein.
Pfizer reagiert darauf mit Partnerschaften wie den Kooperationen mit Innovent und 3SBio, um sich Zugang zu chinesischen Wirkstoffkandidaten zu sichern.
Parallel dazu verweist das Unternehmen auf politische Signale aus Europa und Japan, die auf eine stĂ€rkere Ausrichtung der Preisstrukturen an das US-Niveau hindeuten könnten â darunter das "Most Favored Nation"-Rahmenwerk sowie ein Zehn-Jahres-Inflationsausgleich, den GroĂbritannien zugesagt haben soll.
Gewichtsmanagement als nĂ€chstes groĂes Feld
Neben der Onkologie setzt Pfizer auf den Markt fĂŒr chronisches Gewichtsmanagement, den das Unternehmen bis 2030 auf 120 bis 150 Milliarden Dollar taxiert.
Das Portfolio umfasst mehrere Phase-III-Kandidaten, darunter eine wöchentliche und eine monatliche Variante von Bempaglotid sowie eine Amylin-GLP-1-Kombination, deren Ergebnisse Ende 2024 erwartet wurden. Die Ăbernahme von Metsera brachte zusĂ€tzlich ein Londoner Forscherteam fĂŒr orale und lang wirksame Peptidwirkstoffe ins Haus.
Aktuell liegen die Out-of-Pocket-Preise fĂŒr solche PrĂ€parate laut Unternehmen bei 300 bis 350 Euro monatlich â ein Niveau, das auch bei zunehmendem Generika-Druck stabil bleiben könnte, sollte sich der Markt wie erwartet in zehn bis fĂŒnfzehn Segmente mit unterschiedlichen Erstattungsmodellen aufteilen.
FĂŒr die Anlegerperspektive bleibt die zentrale Aussage des Managements: Rund die HĂ€lfte des kĂŒnftigen Wachstums soll aus der bestehenden Produktbasis kommen, die andere HĂ€lfte aus den 31 laufenden Phase-III-Studien. Ob der Markt diese Kombination aus auslaufendem Covid-GeschĂ€ft und wachsender Pipeline bereits vollstĂ€ndig einpreist, bleibt nach EinschĂ€tzung des Managements selbst fraglich.
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