Poste Italiane: TIM-Übernahme stockt bei 3,34 Prozent
Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 03:38 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Beim italienischen Post- und Finanzdienstleister Poste Italiane rückt der geplante Großangriff auf den Telekommunikationssektor in die heiße Phase. Die Beteiligung am öffentlichen Tauschangebot (OPAS) für Telecom Italia (TIM) verläuft kurz vor dem Ende der Annahmefrist jedoch noch verhalten.
Wie am gestrigen Montag bekannt wurde, wurden bis zum 31. August lediglich 57.058.884 Aktien eingereicht, was einer Quote von etwa 3,34 Prozent entspricht. Das Unternehmen strebt bis zum 11. September eine Schwelle von 66,67 Prozent an, um die Kontrolle über den Telekom-Riesen zu erlangen.
Details zum Milliardenangebot und mögliche Szenarien
Das Übernahmeangebot hat ein Gesamtvolumen, das je nach Bewertung der Komponenten zwischen 10,8 und 13 Milliarden Euro liegt. Poste Italiane, bereits mit 20 Prozent der größte Anteilseigner von TIM, bietet den Aktionären eine Kombination aus 1,67 Euro in bar sowie 0,218 eigenen Aktien pro Telecom-Italia-Papier.
Das Vorhaben wird vom italienischen Staat, der zwei Drittel der Anteile an Poste hält, unterstützt und zielt auf eine massive Expansion in den Bereichen Digitalisierung und Cloud-Dienste ab.
Sollte die angestrebte Zweidrittelmehrheit bis zum 11. September nicht erreicht werden, stehen verschiedene Szenarien im Raum. Marktteilnehmer halten einen Preisnachschlag für möglich, um den Druck der institutionellen Investoren abzufedern, die rund 49 Prozent der TIM-Aktien halten.
Alternativ könnte Poste Italiane auf die ursprüngliche Bedingung verzichten und sich mit einer einfachen Mehrheit von 50 Prozent plus einer Aktie begnügen. Analysten verweisen darauf, dass bei einem Scheitern des Angebots ein deutlicher Kursrückgang der Telecom-Italia-Aktie drohen könnte, während ein Erfolg laut Medienberichten jährliche Synergien von rund 700 Millionen Euro freisetzen dürfte.
Analysteneinschätzungen und operatives Wachstum
Trotz der Unsicherheit rund um die Übernahme bewerten Experten die Aussichten für Poste Italiane überwiegend positiv. Die Analysten von Barclays haben ein Kursziel von 35,20 Euro ausgegeben, während die Experten von UBS das Ziel bei 31,90 Euro sehen.
Im gestrigen Handel schloss das Papier bei 27,74 Euro. Seit Jahresbeginn konnte der Wert bereits um 29 Prozent zulegen und bewegt sich damit weiterhin in der Nähe seines 52-Wochen-Hochs von 29,45 Euro.
Parallel zum Übernahmekampf treibt der Konzern seine nationale Transformation voran. Im Rahmen des „Polis“-Projekts wurden bereits über 5.200 Postämter umgebaut, um zusätzliche Verwaltungsdienstleistungen wie die Beantragung von Reisepässen anzubieten. Das Postamat-Netz wurde im ersten Halbjahr 2026 auf 9.668 Geräte erweitert, womit Poste zunehmend die Lücken schließt, die durch den Rückzug klassischer Bankfilialen in Italien entstehen.
Heute, am Dienstag, startete zudem planmäßig die Auszahlung der Renten für den Monat September in den landesweiten Postämtern. Die Organisation erfolgt nach einem alphabetischen System, um den Andrang in den Filialen zu steuern.
Für Poste Italiane, die im März 2026 insgesamt 56.091 Mitarbeiter beschäftigte, bleibt dieses Kerngeschäft eine stabile Basis, während die strategische Neuausrichtung durch die TIM-Offerte die künftige Wachstumsdynamik bestimmen wird. Die Ratingagentur Fitch stellte bereits in Aussicht, die Bewertung von TIM bei einer erfolgreichen Übernahme anzuheben.
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