Qiagen, Aktie

Qiagen Aktie: Letzter Akt an der Börse

Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 07:29 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Finanzinvestor will Qiagen für rund 10,8 Milliarden Euro übernehmen; der Abschluss ist für Mitte 2027 vorgesehen.
Abstrakte Darstellung eines modernen Biotechnologie-Labors mit tiefblauer, atmosphärischer Beleuchtung. Illustration mit AI erstellt.

Es ist ein Deal mit Ansage, und trotzdem bleibt er ein Einschnitt: Der Finanzinvestor EQT will den Diagnostikkonzern Qiagen übernehmen und von der Börse nehmen. Beide Seiten haben sich auf ein Barangebot geeinigt. Die Aktie legte am Donnerstag zeitweise um mehr als sechs Prozent zu.

Das Angebot im Detail

EQT bietet 46,50 Euro je Aktie in bar. Damit bewertet die Offerte Qiagen mit rund 10,8 Milliarden Euro. Ein Konsortium trägt die Transaktion, zu ihm gehören der Staatsfonds von Abu Dhabi und der kanadische Pensionsfonds CPP Investments.

Der Abschluss ist für Mitte 2027 geplant. Neben den üblichen regulatorischen Freigaben braucht EQT eine Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent plus einer Aktie. Aufsichtsrat und Vorstand unterstützen das Angebot und wollen den Aktionären die Annahme empfehlen.

Der Preis liegt nur knapp neun Prozent über dem Schlusskurs vom Dienstag. Das relativiert die Prämie, denn die Aktie hatte seit den ersten Gerüchten über ein EQT-Interesse Anfang Juli kräftig zugelegt. Damals notierte sie bei rund 33 Euro. Am Nachmittag lag sie bei gut 45 Euro und damit knapp unter dem Gebot.

Squeeze-Out und Delisting

Schafft EQT die Schwelle, will der Investor die verbliebenen Aktionäre per Barabfindung herausdrängen. Darüber soll eine außerordentliche Hauptversammlung im kommenden Jahr entscheiden. Qiagen warnt, wer nicht annehme, könnte später schlechter dastehen. Die Notierungen in Frankfurt und New York würden im Erfolgsfall enden.

EQT hat nach Unternehmensangaben Zusagen zu Strategie, wichtigsten Marken, Forschung und Entwicklung sowie zu den Regelungen für die Beschäftigten gemacht. Berenberg-Analyst Harry Gillis rechnet damit, dass die Aktionäre zustimmen. Die Struktur des Deals sei darauf ausgelegt, das Zustandekommen abzusichern.

Vorgeschichte und Motive

Übernahmespekulationen begleiten Qiagen seit Jahren. Anfang des Jahrzehnts scheiterte Thermo Fisher mit einem Gebot von etwas mehr als elf Milliarden Euro am Widerstand einiger Investoren. Im Frühjahr bestätigte Qiagen dann, mit Banken strategische Optionen zu prüfen. Gesprochen wurde mit strategischen Interessenten und mit Finanzinvestoren, das Interesse sei rege gewesen.

Das Wachstum hatte zuletzt nachgelassen. Nach dem Corona-Boom kämpfte Qiagen im ersten Halbjahr 2026 mit schwacher Entwicklung. Im dritten Quartal überraschte der Konzern nach vorläufigen Zahlen mit einem Umsatz von 548 Millionen Dollar positiv. Seit Anfang September führt Jonathan Pratt das Unternehmen.

Konkret wird es nun mit der außerordentlichen Hauptversammlung im kommenden Jahr, die über den Squeeze-Out befinden soll. Der Vollzug der Übernahme ist für Mitte 2027 vorgesehen.

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