Rigetti Aktie: Anderon-Gespräche über größere Wafer
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 11:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Steigende US-Anleiherenditen setzten Quantum-Werte am gestrigen Mittwoch branchenweit unter Verkaufsdruck. Die Rigetti-Aktie notiert im europäischen Handel bei 13,01 Euro. Seit Jahresanfang verzeichnet das Papier damit einen Rückgang von 32 Prozent. Die Marktreaktion rückt fundamentale Fragen in den Mittelpunkt: Wie tragfähig ist die aktuelle Bewertung angesichts anhaltend hoher Betriebsverluste?
Optimismus an der Wall Street trifft auf hohe Multiplikatoren
Trotz der jüngsten Kursschwäche bleibt die Grundstimmung vieler institutioneller Beobachter positiv. Von 13 erfassten Brokerhäusern sprechen acht eine Empfehlung zum starken Kauf aus, während die durchschnittliche Einstufung bei 1,85 auf einer fünfstufigen Skala rangiert. Für das Gesamtjahr rechnen Analysten im Konsens mit einem Nettoergebnis von minus 0,19 US-Dollar je Aktie.
Auf der Bewertungsseite wirft die Aktie jedoch Fragen auf. Sie wird mit einem deutlichen Aufschlag gegenüber dem breiteren Halbleitersektor gehandelt. Dieser bewegt sich im Schnitt bei unter 5. Da der freie Cashflow weiterhin negativ ausfällt, beobachten Marktteilnehmer die Relation zwischen Substanzwert und Zukunftshoffnung zunehmend kritisch.
Konzentriertes Geschäft und hohe Entwicklungsaufwendungen
Die jüngsten operativen Kennzahlen unterstreichen den Übergangscharakter des Geschäftsmodells. Allerdings entfielen 64 Prozent des Umsatzes auf einen einzigen Kunden und weitere 16 Prozent auf einen zweiten Abnehmer. Ein wesentlicher Teil der künftigen Erlöse hängt am indischen Rechenzentrumsbetreiber C-DAC: Dessen Auftragsvolumen von 8,4 Millionen US-Dollar soll nach Abnahmetests im vierten Quartal verbucht werden.
Gleichzeitig treibt Rigetti die Technologieentwicklung voran, was die Kostenbasis belastet. Die Forschungs- und Entwicklungsausgaben stiegen im zweiten Quartal um 53 Prozent auf 20,7 Millionen US-Dollar, während der Betriebsverlust 28,1 Millionen US-Dollar erreichte. Das finanzielle Fundament ist vorerst abgesichert: Zum Quartalsende verfügte das Unternehmen über liquide Mittel von 541,3 Millionen US-Dollar.
Wafer-Skalierung und Fortschritte bei Fehlerraten
Technologisch steht Rigetti vor einem Skalierungsschritt. Das Unternehmen fertigt seine supraleitenden Quantenchips bislang im kalifornischen Fremont auf 150-Millimeter-Wafern, wobei die Ausbeute bei etwa 50 Prozent liegt. Um Anschluss an moderne Halbleiterstandards zu halten, führt das Management Gespräche mit der neuen Quanten-Foundry Anderon über eine mögliche Fertigung auf 300-Millimeter-Wafern.
Auf Chipebene bereitet das Unternehmen den nächsten Leistungsnachweis vor. Das supraleitende System Cepheus-1-108Q mit 108 Qubits soll im weiteren Verlauf des Jahres eine mediane Zwei-Qubit-Gate-Fidelity von rund 99,5 Prozent erreichen, nachdem die Gattertreue Anfang August bei 99,1 Prozent lag. Für Anleger bleibt die Kombination aus sinkenden Fehlerraten und breiterer Kundenbasis der entscheidende Maßstab für eine nachhaltige Neubewertung.
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