Riot Blockchain Aktie: Analyse sieht Überbewertung
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 15:57 Uhr | Redaktion boerse-global.deRiots Ausbau von KI-Rechenzentren ist noch kein Beleg für eine günstige Aktie. Eine heute veröffentlichte Bewertungsanalyse stuft das Papier gemessen am Umsatz als überbewertet ein. Für Anleger rücken damit die wiederkehrenden Mieteinnahmen und die Finanzierung des Ausbaus in den Mittelpunkt. Die heutige Kurserholung um 7,9% ändert an diesen offenen Fragen nichts.
Umsatzbewertung liefert kein eindeutiges Kaufsignal
Riot wird mit etwa dem 7,0-Fachen des Umsatzes der vergangenen zwölf Monate bewertet. Für die Softwarebranche nennt die Analyse rund das 4,0-Fache. Direkte Vergleichsunternehmen erreichen dagegen etwa das 12,9-Fache.
Damit hängt das Bewertungsurteil stark vom Vergleichsmaßstab ab. Gegenüber der Softwarebranche erscheint Riot teurer, gegenüber den direkten Vergleichsunternehmen günstiger. Das verwendete Bewertungsmodell leitet dennoch eine Überbewertung ab. Der Ausbau des Rechenzentrumsgeschäfts allein reicht nach dieser Betrachtung nicht aus, um einen Bewertungsabschlag zu begründen.
Für die Investmentthese zählt deshalb nicht nur die angekündigte Kapazität. Entscheidend ist auch, welcher Teil des Geschäfts bereits laufende Mieterlöse erwirtschaftet und welche Projekte noch unverbindlich sind.
Laufende Mieten statt einmaliger Ausbauerlöse
Die bisherige Umsatzstruktur zeigt diesen Unterschied deutlich. Für das Rechenzentrumsgeschäft wurden 23,2 Millionen Dollar Umsatz ausgewiesen. Davon entfielen 4,9 Millionen Dollar auf Leasing und 18,3 Millionen Dollar auf Ausbauleistungen.
Der größere Umsatzanteil stammte damit nicht aus wiederkehrenden Mieten. Für die Bewertung ist diese Trennung wesentlich: Ausbauleistungen und laufende Vermietung tragen auf unterschiedliche Weise zum Geschäft bei. Ein steigender Rechenzentrumsumsatz allein belegt daher noch keine entsprechend breite Basis regelmäßiger Mieterlöse.
Die ausgewiesene Leasing-Bruttomarge betrug 84%. In Rockdale wurden für AMD zunächst 25 Megawatt bereitgestellt. Nach Ausübung einer weiteren Option umfasst die vertraglich vereinbarte Kapazität 50 Megawatt.
Bei Corsicana ist der Verbindlichkeitsgrad geringer. Dort bestand gestern lediglich eine nicht bindende Absichtserklärung für bis zu 756 Megawatt IT-Kapazität. Ein Mieter und konkrete Konditionen waren nicht genannt. Diese Ausbauperspektive ist deshalb nicht mit einem abgeschlossenen Mietvertrag gleichzusetzen.
Finanzierung und Ergebnisbericht als Prüfsteine
Auch die Finanzierung bleibt ein wichtiger Vorbehalt. Ein erwarteter Kredit über rund 180 Millionen Dollar für die ersten 25 Megawatt in Rockdale war bis gestern nicht angekündigt. Daraus folgt keine gescheiterte Finanzierung; eine bestätigte Vereinbarung lag zu diesem Zeitpunkt aber ebenfalls nicht vor.
Das Umfeld macht solche Nachweise wichtiger. JPMorgan zufolge genügt Kreditgebern ein KI-Etikett nicht mehr. Sie verlangen Belege dafür, dass Unternehmen Investitionen finanzieren, Schulden bedienen und später Mittelzuflüsse erzielen können. Für Riot unterstreicht dies die Bedeutung belastbarer Mietverträge und nachvollziehbarer Finanzierungskonditionen.
Der nächste konkrete Prüfstein ist der für den 4. November erwartete Ergebnisbericht. Die Schätzungen liegen bei rund 159 Millionen Dollar Umsatz und etwa 10 Millionen Dollar EBITDA.
Für eine tragfähigere Bewertung braucht Riot damit mehr als zusätzliche Kapazitätspläne: wachsende wiederkehrende Mieteinnahmen, verbindliche Projektfortschritte und Klarheit über die Finanzierung. Genau daran lässt sich messen, wie weit der angekündigte Rechenzentrumsausbau bereits wirtschaftlich trägt.
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