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Rocket Lab Aktie: 2,36 Milliarden Auftragsbestand trotz Kurssturz

Veröffentlicht am: 25.08.2026 um 23:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Rocket Lab verzeichnet trotz Kursverlusten von 16 Prozent einen Auftragsschub des US-MilitĂ€rs. Analysten streiten ĂŒber die Bewertung der Aktie.

Rocket Lab: MilitÀrauftrÀge im Rekordtempo, Aktie trotzdem im Sinkflug
Abstraktes, atmosphÀrisches Bild einer Raumsonde vor dem Weltraum, das die Luft- und Raumfahrtbranche symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Es gibt Wochen, in denen die Nachrichtenlage und der Kursverlauf eines Unternehmens so weit auseinanderlaufen, dass man sich fragt, welchem Signal man eigentlich noch glauben soll. Rocket Lab liefert derzeit ein Lehrbuchbeispiel dafĂŒr. WĂ€hrend die Aktie mit 57,60 Euro nahe ihrer jĂŒngsten Tiefs notiert und binnen sieben Tagen 16 Prozent verloren hat, meldet das Unternehmen praktisch im Tagesrhythmus neue AuftrĂ€ge des US-MilitĂ€rs.

Der Widerspruch lĂ€sst sich nicht wegdiskutieren, aber er lĂ€sst sich einordnen. Ein Teil der KursschwĂ€che ist branchenweiter Natur und geht auf den Börsengang von SpaceX zurĂŒck, dessen AktionĂ€re vor gut einem Monat grĂ¶ĂŸere Aktienpakete freigesetzt sahen – seither hat sich die Sympathie-Belastung fĂŒr die gesamte Raumfahrtbranche mit einem KursrĂŒckgang von 45,2 Prozent bei Rocket Lab niedergeschlagen.

Auch die verschobene Erstflug-Ambition der Neutron-Rakete vor rund zwei Wochen drĂŒckt weiterhin auf die Stimmung, seither steht die Aktie 17,2 Prozent tiefer.

Ein Auftragsregen, der die Kurve nicht dreht

Was in den vergangenen zwei Wochen an operativer Substanz zusammenkam, ist beachtlich. Rocket Lab wurde in das Space Data Network Consortium der US Space Force aufgenommen und erhielt dabei zwei AuftrĂ€ge ĂŒber insgesamt 12 Millionen Dollar fĂŒr optische Kommunikationstechnologie im Orbit.

Parallel gehörte das Unternehmen zu den Gewinnern des NITE-STAR-Programms der Space Force, eines Vertragsrahmens fĂŒr Testinfrastruktur mit einem Gesamtvolumen von 981 Millionen Dollar.

Viasat wĂ€hlte Rocket Lab zudem aus, um einen geostationĂ€ren Satellitenbus fĂŒr das PTS-G-Programm der Space Force zu entwickeln. Anfang des Monats kam ein Auftrag ĂŒber 397 Millionen Dollar fĂŒr die sogenannten „Flatellites“ im Rahmen des SB-AMTI-Programms hinzu.

Diese AufzĂ€hlung liest sich wie das Auftragsbuch eines RĂŒstungskonzerns, nicht wie das eines Start-ups, das noch vor wenigen Jahren primĂ€r kleine TrĂ€gerraketen baute.

Genau darin liegt der eigentliche strukturelle Punkt: Rocket Lab wandelt sich zusehends von einem reinen Launch-Anbieter zu einem diversifizierten Zulieferer fĂŒr Satellitensysteme und Weltraum-Infrastruktur des US-MilitĂ€rs. Das operative GeschĂ€ft bestĂ€tigte diesen Trend zuletzt auch zahlenmĂ€ĂŸig – der Rekordumsatz von 234 Millionen Dollar im zweiten Quartal, ein Plus von 62 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr, und ein Auftragsbestand von 2,36 Milliarden Dollar, der sich binnen eines Jahres mehr als verdoppelt hat, sprechen eine klare Sprache.

Warum der Markt trotzdem zögert

Und doch bleibt der Verlust je Aktie von 8 Cent im zweiten Quartal ein Stachel, der ĂŒber den Konsenswert von 6 Cent Verlust hinausging. Wall Street Zen stufte die Aktie deshalb Mitte August auf „Sell“ zurĂŒck und verwies neben dem grĂ¶ĂŸer als erwarteten Quartalsverlust auch auf umfangreiche InsiderverkĂ€ufe der vorangegangenen 90 Tage.

Solche VerkĂ€ufe, etwa die planmĂ€ĂŸigen Aktienabgaben von Finanzchef Adam C. Spice und weiteren FĂŒhrungskrĂ€ften nach dem Vesting von Restricted Stock Units, sind rechtlich unauffĂ€llig, verstĂ€rken aber ein StörgefĂŒhl in einem ohnehin nervösen Marktumfeld.

GegenlĂ€ufig positionierten sich andere HĂ€user deutlich optimistischer. Cantor Fitzgerald erhöhte am 11. August das Kursziel von 96 auf 122 Dollar und bestĂ€tigte die Einstufung „Overweight“, kurz nachdem Rocket Lab seine Quartalszahlen vorgelegt hatte.

Am 22. August hob ein Analyst von Seeking Alpha die Bewertung auf „Buy“ von „Hold“ an, mit Verweis auf eine verbesserte Sicherheitsmarge nach dem zweistelligen prozentualen KursrĂŒckgang auf die UnterstĂŒtzungszone bei 57 Dollar sowie den erwĂ€hnten Rekordauftragsbestand.

Diese GegensĂ€tze – ein wachsendes MilitĂ€rgeschĂ€ft auf der einen, Gewinnwarnung und InsiderverkĂ€ufe auf der anderen Seite – fassen zusammen, worum es bei Rocket Lab derzeit wirklich geht: um die Frage, wie lange ein Markt fundamentale Dynamik ignorieren kann, bevor er sie einpreist.

Die Aktie notiert derzeit rund 18 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt und 17 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt – ein technisches Bild, das eher von Kapitulation als von Euphorie erzĂ€hlt. Zum 52-Wochen-Hoch bei 133,80 Euro fehlen 57 Prozent, wĂ€hrend der Abstand zum Jahrestief bei 32,60 Euro immerhin noch 77 Prozent betrĂ€gt.

FĂŒr die anstehende milliardenschwere Iridium-Übernahme, die ĂŒber das im August aufgesetzte Aktienprogramm ĂŒber bis zu 1,944 Milliarden Dollar mitfinanziert werden soll, dĂŒrfte die Kursentwicklung nicht ganz unerheblich sein. Ob der Markt die operative Dynamik oder die charttechnische SchwĂ€che stĂ€rker gewichtet, wird sich frĂŒhestens mit den fĂŒr den 9. November angesetzten Zahlen zum dritten Quartal 2026 zeigen.

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