Rohöl, WTI

Rohöl WTI: Trump sagt Iran-Schlag ab

Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 10:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

US-Rohöl verbilligt sich deutlich, da Washington auf Dialog statt MilitÀrschlag setzt. ZusÀtzlich erhöht OPEC-Plus die Fördermenge, was die Preise weiter belastet.

WTI-Ölpreis fĂ€llt unter 80 Dollar: Trump setzt auf Verhandlungen mit Iran
Ölpumpe bei Sonnenuntergang als Symbol fĂŒr den Rohölmarkt Illustration mit AI erstellt.

Die Preise fĂŒr die US-Rohölsorte West Texas Intermediate (WTI) sind zu Beginn der Handelswoche deutlich eingebrochen. Auslöser fĂŒr den Kurssturz war eine ĂŒberraschende diplomatische Wende im Konflikt zwischen den USA und dem Iran. US-PrĂ€sident Trump sagte einen bereits geplanten MilitĂ€rschlag gegen den Iran kurzfristig ab und signalisierte stattdessen die Bereitschaft zu direkten Verhandlungen. Diese geopolitische Entspannung nahm dem Ölmarkt am gestrigen Montag einen erheblichen Teil der RisikoprĂ€mie, was die Notierungen unter die Marke von 80 US-Dollar pro Barrel drĂŒckte.

Trump setzt auf Diplomatie statt Eskalation

Der Ölmarkt reagierte am gestrigen Montag mit deutlichen AbschlĂ€gen auf die Nachricht, dass Washington von einem großangelegten Angriff auf iranische Ziele absieht. Trump kĂŒndigte an, dass bereits GesprĂ€che vorbereitet wĂŒrden, wobei Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate als Vermittler fungieren sollen. Diese Entwicklung dĂ€mpfte die Sorge vor einer weiteren Eskalation am Persischen Golf, die die globalen Lieferketten massiv hĂ€tte beeintrĂ€chtigen können.

WĂ€hrend der US-PrĂ€sident von laufenden Verhandlungen sprach, dementierte die iranische FĂŒhrung direkte Kontakte zu Washington. Ein Sprecher des iranischen Außenministeriums erklĂ€rte am heutigen Dienstag, dass man sich zwar in GesprĂ€chen befinde, diese jedoch ausschließlich mit dem Oman gefĂŒhrt wĂŒrden. Dabei geht es um die seit Februar 2026 blockierte Straße von Hormus, durch die fast 20 Prozent der weltweiten Öl- und FlĂŒssigerdgas-Transporte fließen. Eine Wiedereröffnung dieser lebenswichtigen Wasserstraße wĂŒrde das globale Angebot kurzfristig stabilisieren.

OPEC-Plus erhöht Fördermenge fĂŒr September

ZusĂ€tzlicher Druck auf den WTI-Preis kam von der Angebotsseite. Das Förderkartell OPEC-Plus hat am Sonntag beschlossen, die Ölförderung fĂŒr den Monat September um 188.000 Barrel pro Tag anzuheben. Dies ist die sechste Erhöhung in Folge. Damit schließt der Verbund die RĂŒcknahme der im Jahr 2023 vereinbarten freiwilligen KĂŒrzungen in Höhe von 1,65 Millionen Barrel pro Tag offiziell ab.

Einige MitgliedslĂ€nder haben ihre Produktion bereits im Vorfeld deutlich ausgeweitet. So steigerte Kuwait seine Förderung im Juli auf knapp 1,971 Millionen Barrel pro Tag, nachdem das Land im Mai noch lediglich 580.000 Barrel produziert hatte. Analysten weisen darauf hin, dass die tatsĂ€chliche Marktwirkung dieser zusĂ€tzlichen Mengen erst dann voll zur Geltung kommen wird, wenn sich die Exporte aus der Golfregion nach einer möglichen Normalisierung der Lage in der Straße von Hormus wieder stabilisieren. Ein weiteres Treffen der OPEC-Plus-Staaten ist fĂŒr den 6. September angesetzt.

Verhandlungen ĂŒber neuen Korridor am Golf

Im Fokus der Marktteilnehmer stehen am heutigen Dienstag Berichte ĂŒber ein geplantes Abkommen zwischen dem Iran und dem Oman. Demnach arbeiten beide Staaten an einer Übergangslösung fĂŒr den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus. Der Plan sieht einen Rundkurs vor, bei dem Schiffe durch iranische GewĂ€sser in den Golf einfahren und ĂŒber omanisches Territorium wieder ausfahren. Der Iran beabsichtigt, fĂŒr diesen Dienst eine GebĂŒhr zu erheben, deren Einnahmen zwischen den beiden Anrainerstaaten geteilt werden sollen.

Die Aussicht auf eine geregelte Passage sorgt fĂŒr eine spĂŒrbare Entlastung bei den Energierohstoffen, da Tanker derzeit teilweise den langen Umweg um SĂŒdafrika nehmen mĂŒssen. Zudem belasten schwĂ€chere US-Konjunkturdaten und ein festerer US-Dollar die in der US-WĂ€hrung fakturierten Rohölpreise. Experten der DZ Bank sehen in der aktuellen Entspannung im Nahen Osten einen wesentlichen Faktor fĂŒr die Beruhigung an den RohstoffmĂ€rkten, warnen jedoch, dass die strukturellen Angebotsrisiken so lange bestehen bleiben, bis eine dauerhafte politische Lösung gefunden ist. Das nĂ€chste Ultimatum Washingtons an Teheran lĂ€uft bereits am heutigen Dienstag ab, wobei Trump mit einer "letzten Chance" fĂŒr eine Öffnung der Seewege drohte.

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