S&P, Fed

S&P 500: Wer profitiert, wenn die Fed wieder strafft

Veröffentlicht am: 24.08.2026 um 12:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Barclays-Analyse von fünf Zinszyklen zeigt: Vor Straffungen glänzen Energie und Industrie, nachher leiden Finanzwerte und Defensivtitel.

S&P 500: Barclays-Studie zeigt Gewinner und Verlierer bei Fed-Zinserhöhung
Ein moderner, professioneller Handelsraum in New York mit unscharfen Bildschirmen, die Markttrends zeigen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Eine Zinserhöhung der Fed klingt für Aktienanleger erstmal nach schlechten Nachrichten. Eine aktuelle Studie von Barclays zeigt jedoch: Nicht jeder Sektor leidet gleich stark — und manche Phasen vor einer Straffung bringen sogar überdurchschnittliche Gewinne.

Der Hintergrund: Die Marktpreise deuten zunehmend auf eine mögliche Zinserhöhung zum ersten FOMC-Termin 2027 hin, obwohl sich die Inflationserwartungen zuletzt eher beruhigt haben. Barclays selbst rechnet bis zur Jahresmitte 2027 nicht mit einer Straffung und geht davon aus, dass die jüngsten Inflationsdaten die meisten Notenbanker vorerst zum Abwarten bewegen.

Was fünf Zinszyklen seit 1994 zeigen

Die Bank hat fünf historische Straffungszyklen seit Februar 1994 untersucht und dabei die Wertentwicklung in den drei Monaten vor und nach der jeweils ersten Erhöhung verglichen. Das Ergebnis: Der Beginn eines Zinszyklus markiert historisch einen klaren Wendepunkt für die Sektorführerschaft.

In den drei Monaten vor der ersten Erhöhung legte der S&P 500 im Median um 2,2 Prozent zu, während Nebenwerte kaum vom Fleck kamen. Energie und Industrie liefen mit Gewinnen von jeweils mehr als 7,5 Prozent besonders gut, Kommunikationsdienste verloren dagegen rund 2 Prozent.

Sobald die Straffung tatsächlich einsetzte, drehte sich das Bild. Der Russell 2000 verlor im Median 7,2 Prozent im Quartal nach der ersten Erhöhung, der S&P 500 kam mit einem Minus von 3,9 Prozent deutlich glimpflicher davon. Am schlechtesten schnitten Finanzwerte ab, gefolgt von den eigentlich defensiven Sektoren Gesundheit, Versorger und Basiskonsum. Einzig der Energiesektor blieb mit einem leichten Plus von 0,3 Prozent im grünen Bereich.

Barclays erklärt die Schwäche der Finanzwerte mit engeren Finanzierungsbedingungen und flacheren Zinskurven, die auf die Kreditmargen der Banken drücken. Defensive Sektoren litten dagegen unter Bewertungsabschlägen, weil eine Zinserhöhung signalisiert, dass die Notenbank die Wirtschaft für stark genug hält.

Value schlägt Growth — vor allem bei Nebenwerten

Über die Stilfaktoren hinweg hat sich Value historisch besser geschlagen als Growth, besonders bei kleineren Unternehmen. Wachstumswerte hinkten in den zwei Quartalen nach der ersten Erhöhung bei den Large Caps hinterher, bei Nebenwerten fiel die Rotation noch deutlicher aus. Momentum-Strategien tendieren dazu, vor der ersten Erhöhung zu outperformen, laufen danach aber seitwärts.

Aktuell notiert der S&P 500 bei 7.674 Punkten, nach einem Wochenverlust von 1,4 Prozent — ausgelöst durch einen kräftigen Rücksetzer am Donnerstag im Zuge steigender Ölpreise und anziehender Anleiherenditen.

Der Freitagshandel brachte mit einem Plus von 0,43 Prozent eine erste Gegenbewegung. Sollte sich die Diskussion um eine Zinserhöhung Anfang 2027 weiter verfestigen, dürfte die von Barclays skizzierte Sektorrotation für Anleger an Bedeutung gewinnen, lange bevor die Fed tatsächlich handelt.

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