ServiceNow Aktie: KI-Geschäft soll bis 2026 1,5 Milliarden Dollar erreichen
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 16:37 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Debatte um ServiceNow spitzt sich spürbar zu. Während Befürworter in dem Softwarekonzern das zentrale Nervensystem für künftige Unternehmens-KI sehen, warnen Skeptiker vor stagnierenden Margen und teuren Zukäufen.
Anleger stellen sich daher zu Recht eine fundamentale Frage: Rechtfertigt das operative Wachstum die anhaltend sportliche Bewertung in einem Umfeld hoher Renditen? Für mich lautet die Antwort: Ja, allerdings müssen Investoren ihre Erwartungen kurzfristig an die veränderten Marktbedingungen anpassen.
An der Börse notiert das Papier heute bei 123,00 Euro mit einem leichten Plus von 0,3 Prozent. Der Softwarekonzern bringt damit eine Marktkapitalisierung von 119,26 Milliarden Euro auf die Waage.
Streit um Margen und Akquisitionen
Die Bedenken der Bären lassen sich nicht einfach beiseitewischen. Analyst Gary Alexander stufte die Aktie auf Verkaufen herab. Seine Kritik zielt auf einen wunden Punkt der Unternehmensstrategie. Gleichzeitig bleibe eine echte Margenausweitung vorerst aus.
Diese Skepsis besitzt durchaus Berechtigung. In Zeiten, in denen sichere Staatsanleihen wieder attraktive Renditen abwerfen, hinterfragen Investoren hohe Bewertungsaufschläge wesentlich strenger als in den Nullzinsjahren. Wenn Konzerne Milliarden für Übernahmen in die Hand nehmen, müssen rasch sichtbare Synergien folgen. Ein bloßes Verharren auf hohem Niveau genügt kritischen Beobachtern nicht mehr.
Starke Basis für autonome Agenten
Demgegenüber stehen jedoch handfeste Argumente der Optimisten. Jetstream Research stuft den Wert weiterhin mit einem klaren Kaufurteil ein. Die Analysten verweisen auf das rasant anziehende Geschäft mit künstlicher Intelligenz. Das entsprechende jährliche Vertragsvolumen soll bis Ende 2026 bereits 1,5 Milliarden US-Dollar erreichen. Für das Ende des Jahrzehnts erwartet die Führung, dass KI rund 30 Prozent des gesamten Vertragsvolumens ausmacht.
Diese Zuversicht ruht auf einer soliden Basis im IT-Betrieb vieler Großkonzerne. Mit Entwicklungen wie dem Trainingssystem AutoSynthData zeigt die Technologiesparte, wie autonome Agenten für reale Unternehmensabläufe fit gemacht werden. Partnerschaften mit Schwergewichten stärken diese Position zusätzlich. Nvidia-Chef Jensen Huang bezeichnete ServiceNow bereits als künftige beste Plattform für künstliche Intelligenz.
Gesunde Abkühlung der Bewertungsprämie
Dazu kommt ein Aspekt, den viele Marktteilnehmer übersehen: Ein beträchtlicher Teil der früheren Bewertungsprämie ist längst aus der Aktie gewichen. Eine Analyse von Reuters Breakingviews verdeutlicht dies eindrucksvoll. Der aktuelle Unternehmenswert preist ab dem Jahr 2030 lediglich noch ein langfristiges Wachstum von 0,9 Prozent ein. Im Vorjahr unterstellte das Bewertungsmodell an dieser Stelle noch 5,7 Prozent.
Unterm Strich überwiegen für mich die strukturellen Chancen. Zwar bleiben unsaubere Kundendatenbanken oder Integrationshürden spürbare Risiken für den schnellen Rollout neuer Werkzeuge.
Doch der Kundenstamm von fast 9.000 Unternehmen bietet ein stabiles Fundament, das vor bösen Überraschungen schützt. Wer ServiceNow auf reine Margenkritik reduziert, unterschätzt die strategische Tiefe der Plattform im beginnenden Zeitalter autonomer Softwareagenten.
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