Siemens Aktie: Zwei Bahn-Großaufträge gesichert
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 08:07 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Neue Großaufträge festigen das Fundament der Bahnsparte
Siemens Mobility hat sich am Dienstag gleich zwei milliardenschwere Großprojekte gesichert. In Vietnam unterzeichnete die Bahnsparte mit dem Unternehmen VinSpeed einen Turnkey-Vertrag im Volumen von bis zu 1 Milliarde Euro. Die Vereinbarung umfasst die Ausrüstung zweier Hochgeschwindigkeitsstrecken. Siemens liefert dafür zehn Velaro-Novo-Züge sowie modernste Elektrifizierungs- und Kommunikationssysteme.
Parallel dazu erhielt der Konzern einen Großauftrag der österreichischen ÖBB-Infrastruktur AG. Aus einer Rahmenvereinbarung mit einem Gesamtvolumen von rund 2,6 Milliarden Euro entfallen etwa 1,3 Milliarden Euro auf Siemens. Der verbleibende Teil geht an Hitachi Rail.
Für Anleger kommen diese operativen Erfolge zu einem günstigen Zeitpunkt. An den Finanzmärkten notierte die Aktie gestern zum Handelsschluss bei 275,55 Euro. Damit liegt der Kurs 5,5 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 291,55 Euro. Die Abschlüsse unterstreichen die starke Marktposition des Konzerns in der globalen Schieneninfrastruktur.
Entscheidend wird die Margenqualität der Großprojekte
Für Investoren steht nun eine zentrale Frage im Raum: Können diese langfristigen Aufträge die Profitabilität nachhaltig steigern? Großprojekte im Infrastrukturbereich bergen regelmäßig Risiken durch lange Umsetzungsfristen und unvorhersehbare Schnittstellenprobleme.
In Österreich soll die schrittweise Einführung digitaler Stellwerke auf der konzerneigenen Technologie Signaling X basieren. Hierbei wandert die Stellwerkslogik in zentrale Rechenzentren. Ein erstes Pilotprojekt soll im vierten Quartal 2030 starten. Zudem investiert Siemens 25 Millionen Euro in ein digitales Testcenter in Österreich.
In Vietnam setzt der Konzern auf das Hochgeschwindigkeitsmodell Velaro Novo. Das Fahrzeug verspricht einen um 30 Prozent reduzierten Energieverbrauch gegenüber älteren Generationen. Gleichzeitig bietet es mindestens 10 Prozent mehr Passagierkapazität. Entscheidend für den künftigen Ertrag wird sein, ob Siemens die vereinbarten Budgets und Lieferfristen diszipliniert einhält.
Technologiesprung und Automatisierung stützen das Servicegeschäft
Verläuft die Projektabwicklung nach Plan, verschafft sich Siemens erhebliche strategische Vorteile. In Vietnam ist die Einführung von automatisiertem Fahrbetrieb über das europäische Zugsicherungssystem ETCS Level 2 vorgesehen. Gelingt der Rollout, dient das Projekt weltweit als Referenz für modernste Bahnkorridore.
In Österreich wiederum vereinfacht die Technik den Netzbetrieb drastisch. Künftig sollen nur noch drei per Glasfaser vernetzte Rechenzentren das gesamte Netz steuern. Derzeit betreiben die ÖBB rund 650 Stellwerke. Ein solch hoher Digitalisierungsgrad bindet den Betreiber eng an die Siemens-Plattform und eröffnet lukrative Software- und Wartungsverträge.
Das Schienengeschäft untermauert damit seine Funktion als stabiler Ergebnisanker. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte Siemens Mobility einen Umsatz von 12,4 Milliarden Euro mit rund 43.400 Mitarbeitern. Angesichts konjunktureller Unsicherheiten in anderen Industriesektoren bieten die langfristigen Infrastrukturbudgets verlässliche Einnahmenströme für das kommende Jahrzehnt.
Ausführungsrisiken und Standortkosten belasten den Ausblick
Gleichzeitig dürfen die Risiken der Vorhaben nicht unterschätzt werden. In Vietnam liegt der Gleis- und Tiefbau bei der Partnerfirma VinSpeed. Beide Strecken sollen planmäßig ab 2028 kommerziell betrieben werden. Sollte es bei den Bauarbeiten zu Verzögerungen kommen, verschieben sich auch Auslieferung und Abrechnung der Züge.
Auch der österreichische Vertrag entfaltet seine finanzielle Wirkung nur sehr allmählich. Die eigentliche Umstellung der Strecken beginnt erst nach dem Pilotversuch im Jahr 2030. Die Erträge fließen somit erst über einen langen Zeitraum in die Bücher.
Parallel dazu wachsen die Sorgen am Heimatstandort. Steigende Standortkosten könnten künftig auf die Margen der industriellen Kernbereiche drücken.
Fahrplan zur Umsetzung bestimmt die Bewertung
Solange Siemens die Ausführung der Schienenprojekte im Kostenrahmen hält und seine Lieferketten absichert, bleibt die Bewertung der Aktie durch den wachsenden Auftragsbestand gut gestützt. Kippt jedoch das makroökonomische Umfeld in Deutschland weiter oder treten bei den Fernost-Projekten operative Verzögerungen auf, droht Druck auf die Renditeerwartungen.
In den kommenden Monaten richtet sich der Blick der Anleger auf den tatsächlichen Baubeginn der Trassen in Vietnam.
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