Sivers Semiconductors Aktie: 48,65% Minus in 30 Tagen nach Lock-up
Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 15:37 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Fast die Hälfte des Börsenwerts weg in nur 30 Tagen. Sivers Semiconductors erlebt einen der brutalsten Kurseinbrüche des Jahres, ausgelöst durch eine Welle von Insider-Verkäufen nach dem Ende einer Haltefrist. Am Freitag schloss die Aktie bei 2,75 Euro, ein Minus von 1,93 Prozent an einem einzigen Tag.
Der eigentliche Schaden liegt aber im größeren Bild: Auf Monatssicht steht ein Verlust von 48,65 Prozent. Der Kurs liegt damit gut 51 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 5,70 Euro. Ein Signal dafür, wie stark sich die Stimmung binnen weniger Wochen gedreht hat.
Vorstandsmitglieder verkaufen, der CEO kauft
Der Auslöser der Verkaufswelle lässt sich klar benennen: Am 16. Juli 2026 lief eine Lock-up-Vereinbarung aus, die im Frühjahr im Rahmen einer gerichteten Kapitalerhöhung vereinbart worden war. Kurz danach meldeten mehrere Führungskräfte der schwedischen Finanzaufsicht ihre Transaktionen.
Board-Mitglied Todd Thomson verkaufte 950.000 Aktien über seine Investmentgesellschaft Headwaters Capital LLC. Zusätzlich verschenkte er 50.000 Aktien an eine gemeinnützige Organisation. Trotz dieser Verkäufe bleibt er der größte Einzelaktionär im Board.
Auch Verwaltungsratsvorsitzender Bami Bastani reduzierte seine Position deutlich. Er verkaufte 275.000 Aktien und übertrug weitere 130.000 Aktien als Schenkung an Wohltätigkeitsorganisationen und Familienmitglieder.
Ein Gegenpol zu diesen Verkäufen: CEO Vickram Vathulya kaufte 70.000 zusätzliche Aktien. Seine Beteiligung wächst damit auf 4.540.076 Aktien, ergänzt durch 3,7 Millionen Mitarbeiteroptionen. Der Kauf des CEOs fällt in einer Phase auf, in der zwei der wichtigsten Führungspersonen im Board Kasse machen.
Kapitalerhöhung und Schuldenumwandlung treiben die Verwässerung
Die Kursschwäche folgt auf eine Phase aggressiver Kapitalmaßnahmen. Ende Juni 2026 beschloss Sivers eine gerichtete Aktienemission über umgerechnet rund 700 Millionen schwedische Kronen. Das Geld soll die Produktion von Indiumphosphid-Lasern ausbauen und die Bilanz für Wachstum in den Bereichen KI-Rechenzentren und LiDAR stärken.
Zu dieser Verwässerung kam eine weitere hinzu. Der Kreditgeber Bootstrap Europe wandelte ein Darlehen über 12 Millionen Dollar in Aktien um. Dadurch entstanden 22.847.044 neue Aktien. Die Schuldenlast sinkt zwar, die Zahl der ausstehenden Aktien wächst aber gleichzeitig kräftig.
Am Freitag, dem 31. Juli, bestätigte das Unternehmen offiziell die neue Gesamtzahl der Aktien: 355.081.317 Stück nach Abschluss aller Kapitalmaßnahmen.
Nasdaq-Listing als nächster strategischer Schritt
Aus technischer Sicht bleibt die Lage angespannt. Der 14-Tage-RSI liegt bei 37,3 und nähert sich damit überverkauftem Terrain. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei extremen 168,16 Prozent — ein Wert, der die Nervosität rund um die Aktie unterstreicht.
Trotz der Kursschwäche treibt das Management seine Internationalisierungsstrategie voran. Sivers hat seinen Plan für ein Listing an der US-Börse Nasdaq von der Prüfphase in die Umsetzungsphase überführt. Die Prüfstandards wurden bereits auf die Anforderungen der PCAOB umgestellt, ein Schritt, der als Voraussetzung für ein US-Listing gilt.
Der nächste Termin, auf den der Markt blickt: der Quartalsbericht im August 2026. Er dürfte zeigen, ob operatives Wachstum die massive Verwässerung der letzten Wochen ausgleichen kann.
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