SoftBank, Junk-Bond-Roadshow

SoftBank: Junk-Bond-Roadshow in New York startet

Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 20:50 Uhr | Redaktion boerse-global.de

SoftBank verliert 2,4 Prozent, während hohe Finanzierungslasten, steigende Zinsen und Verluste der Tochter SB Energy die AI-Wette belasten.

SoftBank unter Druck: Schulden, Zinsängste und hohe AI-Abhängigkeit
Abstrakte Darstellung einer hochkarätigen Finanzumgebung in einem New Yorker Konferenzraum mit Blick auf die Skyline. Illustration mit AI erstellt.

Es gibt Tage, an denen zeigt sich, wie viel Vertrauen tatsächlich in einer Rally steckt. Heute war so ein Tag für SoftBank. Der Nikkei 225 gab um 0,19 Prozent nach, weil die Eskalation im Nahen Osten die künstliche-Intelligenz-Euphorie an den japanischen Börsen überschattete.

SoftBank aber verlor mit 2,4 Prozent deutlich mehr als der Gesamtmarkt – ein Muster, das sich in den vergangenen Wochen wiederholt hat. Steigt die Nervosität, trifft es den japanischen Investmentkonzern überproportional.

Der Grund liegt nicht in einer neuen Unternehmensmeldung, sondern in der Statur des Konzerns selbst. SoftBank ist längst keine gewöhnliche Techholding mehr, sondern ein hochgehebeltes Konstrukt, das seine Zukunft auf künstliche Intelligenz verwettet hat. Steigende Ölpreise schürten heute Inflationssorgen und nährten Erwartungen an weitere Zinsschritte der Bank of Japan.

Parallel belasteten Schwäche an der Wall Street und steigende US-Anleiherenditen die Stimmung. Für ein Unternehmen, das sich über Anleihen und Kreditlinien in Milliardenhöhe finanziert, ist genau diese Kombination aus höheren Zinsen und nervösen Kreditmärkten der wunde Punkt.

Eine Bilanz auf Pump

Wer verstehen will, warum SoftBank so empfindlich auf Makro-Nachrichten reagiert, muss auf die Finanzierungsseite schauen. Das Unternehmen zahlt am 15. September den ausstehenden Saldo von 25,9 Milliarden Dollar aus seiner 40-Milliarden-Dollar-Brückenfinanzierung zurück, die zur Investition in OpenAI aufgenommen wurde.

Diese Rückzahlung soll durch langfristigere Schulden ersetzt werden – ein klassischer Schritt, um kurzfristige Risiken in langfristige umzuwandeln, der aber zeigt, wie tief SoftBank inzwischen im Schuldendienst steckt.

Erst vor wenigen Tagen platzierte der Konzern eine Retail-Anleihe über umgerechnet 6,3 Milliarden Dollar mit einem Kupon von 4,75 Prozent – am oberen Ende der zuvor angekündigten Spanne.

Und schon in der kommenden Woche, vom 14. bis 17. September, reist Finanzchef Yoshimitsu Goto mit seinem Team nach New York, um bei Investoren in den Räumen von Citigroup das Interesse an einer möglichen Dollar-Junk-Bond-Emission auszuloten.

Im Gespräch sind 10 bis 20 Milliarden Dollar, möglicherweise inklusive einer Euro-Tranche. Dass SoftBank überhaupt im Hochzins-Segment unterwegs ist, spricht Bände: Das Rating von S&P Global liegt bei BB+, der höchsten Stufe im spekulativen Bereich, aber eben noch immer unterhalb dessen, was große Tech-Konzerne vorweisen können.

Die Kehrseite der AI-Wette

Diese Fremdfinanzierung wäre unproblematisch, wenn die zugrunde liegenden Wetten sauber aufgehen. Doch genau hier mehren sich Fragezeichen. SB Energy, eine SoftBank-Tochter, legte im Rahmen eines Börsengangs Zahlen vor, die aufhorchen ließen: ein Nettoverlust von 3,2 Milliarden Dollar bei nur 139 Millionen Dollar Umsatz im ersten Halbjahr – eine dramatische Verschlechterung gegenüber einem Verlust von 216 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum.

Brisant ist zudem die Offenlegung, dass SB Energy "substanziell abhängig" von OpenAI ist, sowohl als Mieter wie auch als Kapitalgeber. Kurzfristige Einnahmen, Projektfinanzierungen und Entwicklungspläne hängen damit an einem einzigen Faden: dem anhaltenden Erfolg von OpenAI.

Genau das ist die Frage, die sich Anleger stellen sollten, wenn sie auf die heutigen Verluste schauen: Ist SoftBank noch ein diversifizierter Investmentkonzern, oder längst eine gehebelte Wette auf ein einziges Unternehmen?

Die Kursbewegung der vergangenen Wochen – ein Plus von 28 Prozent auf Sieben-Tage-Sicht und 26 Prozent auf Monatssicht – zeigt, wie stark der Markt bislang auf die AI-Story vertraut hat. Eine annualisierte Volatilität von 64 Prozent verrät aber auch, wie fragil dieses Vertrauen ist.

Der heutige Rückgang auf 36,66 Euro, nach einem Schlusskurs von 37,58 Euro am Mittwoch, ist für sich genommen keine Zäsur. Er erinnert aber daran, dass eine Aktie, die binnen weniger Wochen um ein Drittel gestiegen ist und gleichzeitig Milliarden an neuen Schulden aufnimmt, empfindlich auf jede Verschlechterung des makroökonomischen Umfelds reagiert.

Zwischen Ölpreisschock, Zinssorgen und einer Tochtergesellschaft mit wachsenden Verlusten zeigt sich: Die Rally steht auf einem schmaleren Fundament, als es die jüngsten Kursgewinne vermuten lassen.

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