SpaceX Aktie: Kleinanleger drehen erstmals um
Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 23:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wochenlang haben Privatanleger die SpaceX-Aktie gegen jeden Rückschlag verteidigt. Am Freitag kippte diese Dynamik erstmals: Kleinanleger wurden zu Nettoverkäufern — ein Novum seit dem Börsengang im Juni.
Laut Daten von Vanda Research verkauften Privatanleger am 7. August netto 4,5 Millionen Dollar SpaceX-Aktien. Zum Vergleich: An ihrem stärksten Kauftag seit dem Debüt hatten Kleinanleger an einem einzigen Tag über 144 Millionen Dollar investiert. Der Ausschlag bleibt damit im Rahmen der bisherigen Handelsmuster.
Rebound nach Kursrutsch
Die Verkäufe kamen ausgerechnet, als sich der Kurs wieder in Richtung IPO-Preis von 135 Dollar erholte. Nur Tage zuvor war die Aktie um mehr als 13 Prozent eingebrochen — Reaktion auf den ersten Quartalsbericht als börsennotiertes Unternehmen. Investoren sorgten sich, wie lange das profitable Starlink-Geschäft die teuren KI-Investitionen noch querfinanzieren kann.
Die Erholung fiel kräftig aus: Innerhalb von fünf Handelstagen legte die Aktie um rund 23 Prozent zu. Seit dem 16. Juli schloss der Kurs allerdings an jedem Handelstag unter dem Ausgabepreis — die jüngste Rally änderte daran bislang nichts Grundsätzliches. Zusätzlichen Verkaufsdruck erzeugte der Ablauf der ersten Lock-up-Frist, wodurch sich die frei handelbare Aktienzahl mehr als verdoppelte.
Analysten bleiben mehrheitlich optimistisch
Trotz der Nervosität am Kassamarkt sehen mehrere Analystenhäuser weiteres Potenzial. Bernstein hob das Kursziel auf 248 Dollar an, JPMorgan auf 240 Dollar, RBC bestätigte 225 Dollar. Argus Research stufte die Aktie von Hold auf Buy hoch und nannte ein Zwölf-Monats-Ziel von 160 Dollar.
Auch Deutsche Bank und Citi äußerten sich zuversichtlich zum Wachstumspfad. Citi bekräftigte sein Buy-Rating mit einem vorerst unveränderten Kursziel von 200 Dollar, verwies aber auf ein langfristiges Bewertungspotenzial von über 900 Dollar, sofern zentrale Starship-Meilensteine erreicht werden. Wolfe Research mahnte dagegen zur Vorsicht: Die Ambitionen des Managements dürften nicht mit den wahrscheinlichsten Ergebnissen verwechselt werden.
Terafab als nächster Kapitalhunger
Parallel zur Kursdiskussion nimmt ein weiteres Großprojekt Formen an. SpaceX und Tesla bauen gemeinsam die sogenannte Terafab in Texas — eine Chipfabrik, die Fertigung und Packaging an einem Standort bündeln soll. Für die erste Ausbaustufe sind 16,8 Milliarden Dollar vorgesehen, das mögliche Gesamtvolumen bei vollem Ausbau liegt bei bis zu 119 Milliarden Dollar.
Mit an Bord ist bereits Intel als Fertigungspartner. Ein Produktionsstart vor 2028 oder 2029 gilt als unwahrscheinlich. Am Ende des zweiten Quartals verfügte SpaceX über 100 Milliarden Dollar an liquiden Mitteln, bei Investitionsausgaben von 18,4 Milliarden Dollar allein in diesem Zeitraum — Spielraum ist also vorhanden, doch der freie Cashflow bleibt negativ.
Die Aktie notiert weiterhin rund 50 Prozent unter ihrem Rekordhoch von 225,64 Dollar aus der Woche nach dem Börsengang. Ob die erste Verkaufswelle der Kleinanleger der Beginn einer Trendwende ist oder nur Gewinnmitnahmen nach der jüngsten Rally waren, lässt sich am aktuellen Kursverlauf noch nicht ablesen — die Spanne der Analysten-Kursziele zwischen 160 und 248 Dollar zeigt jedenfalls, wie unterschiedlich die Wachstumsstory bewertet wird.
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