Starbucks, Aktie

Starbucks Aktie: Zwei Fronten, ein Image

Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 19:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Politische Kritik an neuen Standorten in Xinjiang trifft auf eine Verbraucherklage zu Zuckerangaben bei acht Proteingetränken.

Isometrische 3D-Grafik der Kaffee-Wertschöpfungskette von Farm über Röstung bis Café
Starbucks Corp. US8552441094 veranschaulicht isometrische Wertschöpfungskette von Kaffeefarm über Röstung bis zum Café Illustration mit AI erstellt.

Starbucks gerät an zwei Stellen gleichzeitig unter Druck: Politiker in Washington kritisieren neue Cafés in Xinjiang, und in Seattle liegt eine Verbraucherklage wegen Werbeversprechen vor. Beide Themen berühren das Markenbild, beide kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Kette ohnehin ihr Filialnetz umbaut.

Streit um Urumqi

Am Dienstag eröffnete Starbucks zwei Cafés in der Regionalhauptstadt Urumqi, eines am Großen Basar, eines am internationalen Flughafen. John Moolenaar, Vorsitzender des China-Sonderausschusses im US-Repräsentantenhaus, reagierte scharf.

Der Republikaner nannte den Schritt "schockierend und moralisch bankrott" und forderte, die Filialen unverzüglich zu schließen. Mit jedem verkauften Becher werde eine amerikanische Marke mit dem Vorgehen der Kommunistischen Partei gegen die Uiguren verknüpft.

Menschenrechtsorganisationen werfen Peking seit Jahren die Unterdrückung der überwiegend muslimischen Minderheit vor. Die chinesische Regierung weist das zurück. Starbucks hatte im Frühjahr 60 Prozent seines China-Filialgeschäfts an den Finanzinvestor Boyu Capital verkauft, 40 Prozent verbleiben beim Konzern.

Der Fall zeigt, wie schwierig der Spagat in dieser Region ist: Volkswagen stand wegen seines Werks in Xinjiang jahrelang in der Kritik, H&M und adidas gerieten 2021 dagegen ins Visier chinesischer Boykottaufrufe.

An der Börse blieb die Reaktion zunächst gering. Im vorbörslichen Handel gab die Aktie zeitweise 0,23 Prozent auf 94,49 Dollar nach.

Klage wegen "sugar-free"

Parallel dazu sieht sich der Konzern mit einer mutmaßlichen Sammelklage konfrontiert. Verbraucher werfen Starbucks vor, acht Proteingetränke zu Unrecht als "sugar-free" zu bewerben. Die Getränke enthalten Laktose, einen natürlich vorkommenden Milchzucker. Je nach Größe stecken laut Klageschrift 13 bis 21 Gramm Zucker in einer Venti-Portion.

Nach US-Recht darf die Bezeichnung nur bei höchstens 0,5 Gramm Zucker je 12-Unzen-Portion verwendet werden, argumentieren die Kläger. Zudem fehlten vorgeschriebene Hinweise, dass es sich nicht um kalorienarme Produkte handelt. Die Klage vor dem Bundesgericht in Seattle fordert nicht näher bezifferten Schadenersatz. Starbucks wollte sich zunächst nicht äußern.

Die Getränke gehören zum Menü "Back to Starbucks", das im September 2025 startete. Auf der Unternehmenswebsite werden sie als "protein-packed" mit "no added sugar" beschrieben. Ähnliche Klagen gegen "sugar-free"-Aussagen sind in der Lebensmittelbranche keine Seltenheit.

Umbau mit Nebengeräuschen

Im Hintergrund läuft die Straffung: Allein in Nordamerika kündigte Starbucks kürzlich die Schließung von 250 Filialen an, der Fokus liegt stärker auf Rentabilität. In China expandiert das Unternehmen trotz des Teilverkaufs punktuell wieder.

Genau diese Expansion liefert nun den Angriffspunkt aus Washington. Ob Starbucks die Xinjiang-Cafés trotz des politischen Drucks offen hält, ist bislang nicht entschieden; eine Stellungnahme des Konzerns lag nicht vor.

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