Stellantis Aktie: Tarifverhandlungen für Brampton-Werk eskalieren
Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 05:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Am heutigen Freitag erreicht die Auseinandersetzung zwischen dem Automobilkonzern Stellantis und der kanadischen Gewerkschaft Unifor einen kritischen Punkt. Der heutige 11. September markiert die offizielle Frist für die laufenden Tarifverhandlungen, in denen die Arbeitnehmervertreter massiv auf Beschäftigungssicherung und Produktionszusagen drängen. Im Zentrum der Gespräche steht die Zukunft des Werks in Brampton (Ontario).
Verhandlungen in Kanada erreichen kritischen Punkt
Wie Medienberichte unter Berufung auf Gewerkschaftsangaben zeigen, hatte Stellantis die Arbeitnehmervertreter bereits am 12. August über die Absicht informiert, Gespräche mit einem anderen Unternehmen über einen potenziellen Verkauf des Standorts Brampton aufzunehmen. Öffentlich bekannt wurde dieser Schritt Mitte August. Das Werk ist bereits seit Dezember 2023 im Leerlauf, wodurch etwa 2.200 Unifor-Mitglieder von Entlassungen betroffen sind.
Die Verhandlungen, die seit Anfang September laufen, finden vor dem Hintergrund wachsender Unsicherheit statt. Laut Berichten von CBC News prüft der Konzern Schließungs- und Verkaufsoptionen für Brampton auch im Zusammenhang mit möglichem Zoll-Druck aus den USA.
Während die Gewerkschaft auf verbindliche Zusagen für kanadische Standorte pocht, sieht der bestehende Kollektivvertrag vor, dass vor einer Schließung oder einem Verkauf eine einjährige Ankündigungsfrist eingehalten werden muss. Eine formelle schriftliche Mitteilung über eine Schließung liegt laut Unifor bislang nicht vor.
Umfassender Umbau der Führungsebene
Parallel zu den Arbeitskämpfen in Nordamerika treibt Stellantis die personelle Neuausrichtung voran. Mit Wirkung zum 1. September gab es weitreichende Veränderungen in der Führungsetage. Arnaud Belloni übernahm die Position des CEO für die Marken FIAT, Abarth und Lancia sowie die Rolle des Chief Marketing Officer für Europa. Er folgt auf Olivier François, der dem Unternehmen künftig als strategischer Berater zur Seite steht.
Zudem wurde Xavier Chardon zum neuen CEO von DS Automobiles ernannt, wobei er seine bisherige Funktion als CEO von Citroën beibehält. In der Konzernkommunikation übernahm Stephanie Hartgrove zum Monatswechsel den Posten des Chief Communications Officer und berichtet direkt an CEO Antonio Filosa.
Filosa selbst trat erst gestern bei der Jefferies Global Industrials Conference auf, um die strategische Ausrichtung des Konzerns vor Investoren zu erläutern.
Operative Engpässe und Marktdruck
Trotz einer starken Nachfrage nach Hybridfahrzeugen sah sich der Konzern zuletzt gezwungen, die Produktion im Turiner Werk Mirafiori zeitweise einzustellen. In der vergangenen Woche ruhten die Bänder vom 2. bis zum 4. September, da es laut Reuters-Berichten zu Engpässen bei Motorenkomponenten kam. Das Teksid-Werk in Carmagnola konnte die benötigten Produktionsmengen für die steigende Hybrid-Nachfrage offenbar nicht decken.
An der Börse spiegeln die Kurse die aktuelle Belastungsprobe wider. Die Stellantis-Aktie verlor seit Jahresanfang bereits 52 % an Wert. Mit einem gestrigen Schlusskurs von 4,54 € notiert das Papier nur noch mit einem knappen Abstand von 3,6 % über seinem 52-Wochen-Tief.
Auch die Analystenhäuser zeigen sich skeptisch hinsichtlich einer schnellen Erholung. Die Analysten von UBS stuften das Papier Ende August von „Buy“ auf „Neutral“ herab und senkten das Kursziel drastisch von 9,50 € auf 5,80 €. Als Gründe wurden eine misslungene Trendwende in den USA sowie hohe Lagerbestände bei den Händlern angeführt.
Bernstein hatte die Einstufung zuvor bereits auf „Underperform“ mit einem Ziel von 4 € gesenkt, nachdem die Ergebnisse für das zweite Quartal schwach ausgefallen waren. Die Veröffentlichung der Finanzergebnisse für das dritte Quartal 2026 ist für den 28. Oktober geplant.
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