Telecom, Italia

Telecom Italia Aktie: 13,4-Milliarden-Offerte von Poste

Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 11:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Telecom Italia meldet Nettogewinn von 88 Millionen Euro im zweiten Quartal und bestätigt Jahresprognose. Das Übernahmeangebot von Poste Italiane läuft bis September.

Telecom Italia: Übernahmeangebot von Poste Italiane und starke Quartalszahlen
Moderne Glasfaserkabel und technologische Infrastruktur in einem Rechenzentrum bei blauem Licht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Übernahmeschlacht um Telecom Italia nimmt Fahrt auf. Seit dem 20. Juli können Aktionäre ihre Anteile im Rahmen des Übernahmeangebots von Poste Italiane andienen, das Angebot läuft bis zum 11. September. Parallel liefert der Konzern frische Quartalszahlen, die die Wachstumsstory hinter dem Deal untermauern.

Poste erhöht den Einsatz

Der Aufsichtsrat von Telecom Italia hatte das Angebot der Poste Italiane bereits am 18. Juli als finanziell fair eingestuft und die Geschäftsaussichten positiv bewertet. Die Offerte sieht 1,67 Euro in bar plus 0,218 Poste-Aktien pro TIM-Aktie vor. Ursprünglich war der Deal mit 10,8 Milliarden Euro bewertet worden, durch die gestiegenen Aktienkurse kletterte die Bewertung inzwischen auf 13,4 Milliarden Euro. Für Telecom Italia bedeutet das Angebot nicht nur einen neuen Großaktionär, sondern auch eine strategische Weichenstellung, die der Aufsichtsrat als konsistent mit dem eingeschlagenen Konzernkurs bezeichnet hat.

Rückkehr in die Gewinnzone

Die am 29. Juli veröffentlichten Zahlen zum zweiten Quartal zeigen, dass der Konzern operativ Tritt gefasst hat. Das EBITDA nach Leasingkosten lag bei 998 Millionen Euro und traf damit den Analystenkonsens von 995 Millionen Euro nahezu exakt. Getragen wurde das Ergebnis vom Wachstum im brasilianischen Geschäft und im Unternehmenskundensegment. Unter dem Strich stand ein Nettogewinn von 88 Millionen Euro, nach einem Verlust von 8 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum – die Trendwende ist damit vollzogen.

Auf Halbjahressicht summierten sich die Erlöse auf 6,8 Milliarden Euro, ein Plus von 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr und von 3,3 Prozent bereinigt um das MVNO-Geschäft. Das EBITDA nach Leasingkosten wuchs im ersten Halbjahr um 1,2 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro, bereinigt sogar um 6,3 Prozent. Der Konzern bestätigte zugleich seine Jahresprognose: Das EBITDA nach Leasingkosten soll 2026 um 5 bis 6 Prozent zulegen, die Investitionsquote soll unter 14 Prozent bleiben.

Auf der Bilanzseite zeigt sich weiterhin Konsolidierungsbedarf. Die Nettoverschuldung lag zum Ende des Berichtszeitraums bei 7,3 Milliarden Euro, der Verschuldungsgrad bei 1,94. Für ein Unternehmen, das sich mitten in einem milliardenschweren Übernahmeprozess befindet, ist eine stabile Verschuldungskennziffer ein wichtiges Signal an Investoren und an den künftigen Mehrheitseigner.

Klimaplan als zusätzlicher Baustein

Am Montag stellte Telecom Italia zudem einen Klimatransitionsplan vor, mit dem der Konzern die Umweltauswirkungen seiner digitalen Technologien reduzieren will. Der Plan reiht sich in eine Serie von strategischen Ankündigungen ein, die den Konzern parallel zum laufenden Übernahmeprozess positionieren – ein Signal, dass das Unternehmen sein operatives Geschäft trotz der Eigentümerfrage weiterentwickelt.

Kursverlauf spiegelt Übernahmefantasie

An der Börse hat sich die Gemengelage aus Übernahmeangebot und operativer Erholung zuletzt in spürbarer Kursbewegung niedergeschlagen. Die Aktie schloss am Donnerstag bei 7,61 Euro. Auf Sieben-Tage-Sicht steht ein Plus von 3,47 Prozent, während sich auf Monatssicht ein Rückgang von 5,68 Prozent zeigt – ein Hinweis darauf, dass die jüngste Erholung frühere Verluste erst teilweise wettmacht. Die Marktkapitalisierung liegt bei 16,11 Milliarden Euro.

Für Anleger bleibt die zentrale Frage, wie viele Aktionäre ihre Papiere bis zum Ablauf der Annahmefrist am 11. September tatsächlich andienen. Poste Italiane benötigt eine Mehrheitsbeteiligung, um die Übernahme wie geplant abzuschließen. Die soliden Quartalszahlen dürften dabei helfen, Zweifel an der operativen Substanz von Telecom Italia zu zerstreuen – und liefern zugleich ein Argument dafür, dass der gebotene Preis das tatsächliche Wachstumspotenzial des Konzerns nicht überzeichnet.

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