Telecom Italia Aktie: Poste verfehlt 90-Prozent-Schwelle
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 02:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nach dem Ende der verlängerten Annahmefrist für das Übernahmeangebot kontrolliert Poste Italiane vorläufigen Berechnungen zufolge 85,82 Prozent an Telecom Italia. Damit verfehlt der italienische Konzern die entscheidende Marke von 90 Prozent des Aktienkapitals. Dieser Schwellenwert wäre nötig gewesen, um die verbliebenen Minderheitsaktionäre über einen automatischen Squeeze-out zügig aus dem Unternehmen zu drängen.
Squeeze-out vorerst vom Tisch
Die am Freitag abgeschlossene Wiedereröffnung des Angebots brachte dem Bieter zwar weiteren Zuspruch. Zusammen mit der bestehenden Beteiligung von gut 20,1 Prozent reichte es am Ende jedoch nicht für den Durchmarsch. Für einen direkten Zwangsausschluss der freien Aktionäre fehlen Poste Italiane etwas mehr als vier Prozentpunkte.
Der Plan für einen unmittelbaren Abschied von der Börse erleidet damit einen Dämpfer. Zwar behält der Bieter die strategische Kontrolle über den Telekomkonzern, ein automatischer Vollzug des Delistings greift unter diesen Voraussetzungen aber nicht.
Optionen für den Börsenabschied
Auf die verbleibenden Aktionäre entfällt nun ein Streubesitz von etwas mehr als 14 Prozent. Für die angedienten Papiere erhalten die Anteilseigner 1,97 Euro in bar sowie 0,218 neue Poste-Aktien je Anteilschein. Laut Reuters-Berechnungen auf Basis veröffentlichter Börsendaten verbleiben dem Management nun andere Optionen zur vollständigen Konsolidierung.
Möglich sind gezielte Zukäufe über den freien Markt. Als wahrscheinlichere Alternative gilt am Markt eine spätere Verschmelzung von Telecom Italia mit einer Konzerntochter. Bei einer solchen Fusion müssten die verbliebenen Minderheitsaktionäre bar abgefunden werden.
Die endgültigen Ergebnisse der Transaktion sollen bis zum 1. Oktober vorliegen. Die Auszahlung für die in der Nachfrist eingereichten Papiere ist für den 2. Oktober vorgesehen.
Staatlicher Einfluss wächst
Mit dem Abschluss des Angebots verschieben sich die Machtverhältnisse beim italienischen Telekomanbieter grundlegend. Über das Finanzministerium und die Förderbank CDP liegt die Kontrolle des kombinierten Konzerns mit mehr als 50,1 Prozent künftig in staatlicher Hand. Für das Gesamtunternehmen werden jährliche Synergien vor Steuern von 700 Millionen Euro angestrebt. Ein gemeinsamer Industrieplan soll im ersten Quartal 2027 vorgelegt werden.
Am Freitag gab das Papier an der Börse nach. Die Aktie von Telecom Italia schloss mit einem Minus von 2,7 Prozent bei 7,24 Euro.
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