Tether, Millionen-Griff

Tether: Millionen-Griff der US-Justiz

Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 13:38 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Tether beziffert seine Betroffenheit auf unter 0,034 Prozent der Vermögenswerte; der Ausgang des Verfahrens bleibt offen.

Tether im US-Justizfall: 84,2 Millionen Dollar sollen eingezogen werden
Ein professioneller Arbeitsplatz in einem dezent beleuchteten Büro, der eine neutrale und fokussierte Atmosphäre vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Ein Zahlungsdienstleister, der sich als IT-Firma tarnt, ein Bankkonto in Montana, und mittendrin Tether: Das US-Justizministerium will 84,2 Millionen Dollar einbehalten, die über Konten geflossen sind, die für den Zahlungsverkehr des Stablecoin-Emittenten genutzt wurden. Der Fall wirft erneut ein Licht auf die verschlungenen Bankwege, über die Krypto-Firmen ihr Geld bewegen müssen.

Strohfirma unter Verdacht

Im Zentrum steht Capstone Ltd., ein Zahlungsdienstleister mit Sitz in Montana. Laut der Klageschrift, die im Juli bei einem Bundesgericht im Osten Kaliforniens eingereicht wurde, soll Capstone in mindestens sechs US-Bundesstaaten als unlizenzierter Geldtransmittent agiert und sich gegenüber Banken als gewöhnlicher IT-Dienstleister ausgegeben haben.

Die Eigentümer des Unternehmens wurden namentlich genannt, das FBI durchsuchte eine Wohnadresse in Sacramento. Ihr Anwalt bestreitet jegliches Fehlverhalten und hofft auf eine rasche Klärung.

Der Großteil der beschlagnahmten Summe stammt aus einem Wells-Fargo-Securities-Konto auf den Namen von Capstone. Weitere Beträge lagen bei JPMorgan Chase und in einem separaten Wells-Fargo-Konto, ein kleinerer Teil steckte in zwei Wallets mit USDT, Tethers Stablecoin.

Hinter Capstone steht EQIBank, eine auf Dominica lizenzierte Digitalbank, die laut den Ermittlern die Geldbewegungen des Zahlungsdienstleisters gesteuert haben soll. EQIBank selbst warnte, der Verlust der Gelder entspreche rund 80 Prozent der eigenen Bilanzsumme und könnte die Bank in eine Liquidation treiben.

Tether reagiert mit Zahlen

Tether bestätigte, dass EQIBank Kauf- und Rücktausch-Transfers für USDT abgewickelt habe, betonte aber, keine Kenntnis vom mutmaßlichen Verhalten von Capstone gehabt zu haben. Das Unternehmen bezifferte die eigene Betroffenheit auf unter 0,034 Prozent der Konzernvermögenswerte — verschwindend gering gegenüber den zuletzt gemeldeten 187,75 Milliarden Dollar an Vermögenswerten zum Ende des zweiten Quartals.

Ein Präzedenzfall ist der Fall nicht. 2021 einigten sich Tether und die Schwesterfirma Bitfinex mit der New Yorker Generalstaatsanwaltschaft, nachdem eingeräumt worden war, dass USDT nicht durchgehend eins zu eins mit Dollar gedeckt war. Damals zahlte Tether eine Strafe von 18,5 Millionen Dollar und verpflichtete sich, den Handel im Bundesstaat New York einzustellen.

Capstone und EQIBank haben inzwischen eine Unschuldsvermutung als Eigentümer der Gelder geltend gemacht. Nach den geltenden Verfahrensregeln bleiben ihnen 21 Tage Zeit, um auf die Klage der Regierung zu reagieren, sobald ein formeller Anspruch beim Gericht eingereicht ist. Wie das Verfahren ausgeht, dürfte auch zeigen, wie genau Aufsichtsbehörden künftig die Bankpartner von Stablecoin-Emittenten unter die Lupe nehmen.

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