Thyssenkrupp Aktie: HV stimmt 49-Prozent-Abspaltung von tk accelis ab
Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 14:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Auf der Hauptversammlung an diesem Freitag entscheiden die Eigentümer von Thyssenkrupp über einen der bislang größten Schritte im Konzernumbau: die Abspaltung von 49 Prozent der Werkstoffsparte tk accelis. Es ist der jüngste Baustein einer Restrukturierung, mit der der Essener Industriekonzern seine Einzelsparten stärker eigenständig aufstellen will.
Abstimmung über die Zukunft der Materialsparte
tk accelis beschäftigt nach den vorliegenden Angaben rund 15.500 Mitarbeiter in 30 Ländern und erzielte im Geschäftsjahr 2024/25 einen Umsatz von 11,4 Milliarden Euro. Das Analysehaus Jefferies veranschlagt den Unternehmenswert der Sparte auf etwa 3,6 Milliarden Euro. Zu den Kunden zählen nach Unternehmensangaben Airbus, BP, Tesla und Volkswagen – ein Kundenmix, der die Bandbreite des Werkstoffgeschäfts zwischen Luftfahrt, Energie und Automobilindustrie zeigt.
Mit der heutigen Abstimmung soll der Weg für einen Börsengang von tk accelis Ende Oktober frei gemacht werden. Parallel zur Kapitalmarktreife arbeitet die Sparte an ihrer Profitabilität: Die bereinigte EBITDA-Marge soll von aktuell 2,0 Prozent auf 4 bis 5 Prozent steigen. Zusätzlich sucht tk accelis nach Zukäufen in Nordamerika, mit Fokus auf das Edelmetallgeschäft – ein Zeichen dafür, dass die Sparte nicht nur intern restrukturiert, sondern auch anorganisch wachsen will.
Ein weiterer Schritt im Konzernumbau
Für Thyssenkrupp reiht sich die tk-accelis-Abspaltung in eine Reihe struktureller Eingriffe der vergangenen Jahre ein, mit denen der Konzern seine historisch breite Aufstellung aus Stahl, Werkstoffhandel, Anlagenbau und Marine straffen will. Gelingt der geplante Börsengang im Herbst, entstünde mit tk accelis ein eigenständig gelisteter Player mit einer klaren Margen-Agenda – ein Modell, das Thyssenkrupp bereits mit anderen Sparten verfolgt hat. Die heutige Zustimmung der Hauptversammlung ist dafür die formale Voraussetzung.
Anleger werten die fortschreitende Aufspaltung offenbar als Wertschöpfungschance: Die einzelnen Segmente sollen an der Börse eigenständig bewertet werden, statt im Konzerngefüge unterzugehen. Ob sich diese Logik beim geplanten IPO von tk accelis bestätigt, dürfte sich erst nach dem Listing im Herbst zeigen.
Kursentwicklung im Kontext
Die Thyssenkrupp-Aktie notiert am heutigen Freitag bei 12,66 Euro und damit 0,88 Prozent über dem gestrigen Schlusskurs. Seit Jahresbeginn hat das Papier um 36,51 Prozent zugelegt – eine deutliche Erholung, die den fortschreitenden Konzernumbau offenbar honoriert. Zum 52-Wochen-Hoch von 13,34 Euro, erreicht im Oktober vergangenen Jahres, fehlen der Aktie aktuell noch 5,06 Prozent.
Die Bewertung am Markt bleibt mit einer Marktkapitalisierung von 7,84 Milliarden Euro deutlich unter dem für tk accelis alleine veranschlagten Unternehmenswert von rund 3,6 Milliarden Euro – ein Hinweis darauf, dass Investoren die Summe der Konzernteile bislang nicht vollständig im Aktienkurs abbilden. Genau diese Bewertungslücke ist einer der Treiber hinter der fortgesetzten Zerschlagungsstrategie: Werden einzelne Sparten eigenständig an die Börse gebracht, könnten sie dort höhere Bewertungen erzielen als im Konzernverbund. Der heutige Aktionärsentscheid über tk accelis ist damit auch ein Test dafür, wie überzeugend Thyssenkrupp diese These den eigenen Eigentümern vermitteln kann.
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