ThyssenKrupp Nucera Aktie: Aus für SOEC-Serienfertigung
Veröffentlicht am: 11.08.2026 um 23:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
ThyssenKrupp Nucera zieht die Reißleine bei einer ganzen Technologielinie. Der Wasserstoff-Spezialist stellt den Aufbau einer eigenen Serienfertigung für die Hochtemperatur-Elektrolyse SOEC ein — und muss deshalb seine Jahresprognose kräftig nach unten korrigieren. Die Aktie reagierte mit einem Kursrückgang von 2,56 Prozent auf 7,71 Euro.
Die Entscheidung fiel nach einer strategischen Bewertung von Marktreife, Investitionsbedarf und wirtschaftlichen Perspektiven der Technologie. Offenbar überzeugte das Geschäftsmodell nicht mehr genug, um weiter eigenes Kapital in die Serienproduktion zu stecken.
Einmaleffekt drückt auf das vierte Quartal
Der Ausstieg ist nicht kostenlos. Im vierten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2025/26 fallen einmalige negative EBIT-Effekte von rund 30 Millionen Euro an — vor allem durch Wertberichtigungen auf die Pilotanlage und aktivierte Entwicklungsleistungen. Ab dem Geschäftsjahr 2026/27 soll sich das Bild umkehren: Geringere SOEC-Ausgaben sollen das EBIT dann um bis zu 10 Millionen Euro und den Cashflow um rund 20 Millionen Euro jährlich entlasten.
Kurzfristig überwiegt aber die Belastung. Für das Segment Grüner Wasserstoff erwartet das Unternehmen im laufenden Geschäftsjahr nun ein EBIT zwischen minus 155 und minus 135 Millionen Euro, deutlich tiefer als die zuvor genannte Spanne von minus 125 bis minus 90 Millionen Euro. Die Umsatzerwartung für dieses Segment sinkt auf 100 bis 130 Millionen Euro, nach vorher 120 bis 170 Millionen Euro.
Konzernprognose fällt spürbar
Die Anpassung schlägt auch auf Konzernebene durch. Das EBIT-Ziel für 2025/26 rutscht auf minus 105 bis minus 75 Millionen Euro, nach zuvor minus 80 bis minus 30 Millionen Euro. Beim Umsatz konkretisiert das Unternehmen die Spanne auf 450 bis 500 Millionen Euro, während der erwartete Auftragseingang auf 550 bis 670 Millionen Euro eingeengt wird — vorher hatte die obere Grenze noch bei 850 Millionen Euro gelegen.
Das Segment Chlor-Alkali bleibt von den Anpassungen unberührt. Dort hält das Unternehmen an der Umsatzspanne von 320 bis 400 Millionen Euro und einem EBIT zwischen 45 und 65 Millionen Euro fest — ein stabiler Gegenpol zum kriselnden Wasserstoffgeschäft.
Am Mittwoch, den 12. August 2026, legt ThyssenKrupp Nucera die Zahlen zum dritten Quartal und den ersten neun Monaten vor. Dort dürfte sich zeigen, wie stark die operative Basis das laufende Geschäftsjahr bereits vorgeprägt hat, auf dem die neue Prognose aufbaut.
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