Thyssenkrupp, Nucera

Thyssenkrupp Nucera: EBIT-Prognose auf minus 105 Millionen gesenkt

Veröffentlicht am: 12.08.2026 um 04:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Thyssenkrupp Nucera senkt Jahresprognose wegen SOEC-Ausstieg, während die Aktionäre der Abspaltung von tk accelis zustimmen. Die Aktie verliert.

Thyssenkrupp: Nucera-Prognose gesenkt, tk accelis-Spaltung beschlossen
Moderne Industrieanlage für Wasserstoffproduktion bei Dämmerung, symbolisch für den Industriesektor. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Während sich der Konzern noch über die beschlossene Abspaltung von tk accelis freut, liefert die Tochter Thyssenkrupp Nucera einen kalten Weckruf. Für mich ist das der eigentliche Test, ob die Thyssenkrupp-Wende mehr ist als Strukturkosmetik.

Eine Prognosesenkung, die aufhorchen lässt

Am Dienstag musste Thyssenkrupp Nucera seine Prognose für das Geschäftsjahr 2026 deutlich nach unten korrigieren. Statt eines EBIT zwischen minus 80 Mio. Euro und minus 30 Mio. Euro rechnet das Unternehmen nun mit minus 105 Mio. Euro bis minus 75 Mio. Euro.

Auslöser ist die Aufgabe der Pläne zur SOEC-Stack-Produktion – ein Rückzug aus einer Zukunftstechnologie, den man nicht leichtfertig verkündet. Hinzu kommt eine Einmalbelastung von rund 30 Mio. Euro durch Wertminderungen auf die SOEC-Pilotanlage und aktivierte Entwicklungskosten im vierten Quartal.

Für mich zeigt das: Der Konzern kämpft nicht nur mit dem Stahlgeschäft, sondern auch dort, wo eigentlich Wachstumsfantasie herkommen sollte. Wasserstofftechnologie galt lange als Hoffnungsträger im Portfolio – wenn ausgerechnet hier Pläne kassiert werden, relativiert das den Optimismus rund um die Konzernumbauten.

Der Spin-off-Reigen geht weiter

Parallel dazu treibt Thyssenkrupp sein Zerlegungsprogramm voran. Am vergangenen Samstag stimmte die außerordentliche Hauptversammlung mit einer Mehrheit von 99,99 Prozent der Abspaltung der Werkstoffsparte tk accelis zu, die künftig als eigenständiges, an der Börse notiertes Unternehmen firmieren soll – die Konzernmutter hält dabei weiterhin 51 Prozent.

Aktionäre erhalten für je 20 Thyssenkrupp-Aktien einen Anteilsschein an der neuen Gesellschaft; die Erstnotiz ist für Ende Oktober 2026 geplant. Mit rund 15.500 Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz von 11,4 Mrd. Euro ist tk accelis kein Nebenschauplatz, sondern ein Schwergewicht.

Das Muster ist bekannt: Bereits im Oktober 2025 ging Thyssenkrupp Marine Systems als eigenständiges Unternehmen an die Börse und wird derzeit von Analysten mit drei Kauf- und zwei Halte-Empfehlungen versehen – ein Beleg dafür, dass die Zerschlagungsstrategie am Kapitalmarkt durchaus honoriert werden kann. Ob tk accelis diesen Erfolg wiederholt, bleibt für mich die spannendste offene Frage des Konzernumbaus.

Licht und Schatten im operativen Geschäft

Nicht alles läuft schlecht: Die Stahlsparte Thyssenkrupp Steel Europe meldete für das abgelaufene Quartal eine Ergebnissteigerung trotz geringerer Versandmengen, begünstigt durch gesunkene Rohstoffkosten. Auch Nucera selbst hatte Ende Juli noch vorläufige Zahlen präsentiert, die dank Vorzieheffekten leicht über den Markterwartungen lagen – ein Kontrast, der die jetzige Kehrtwende umso schärfer erscheinen lässt.

Was der Kurs ĂĽber die Stimmung sagt

Der Aktienkurs hat die jĂĽngste Gemengelage bereits eingepreist. Am Dienstag verlor das Papier 3,14 Prozent und schloss bei 12,03 Euro, nach einem RĂĽckgang von 4,49 Prozent innerhalb einer Woche.

Zum 52-Wochen-Hoch von 13,34 Euro, erreicht im Oktober 2025, fehlen der Aktie damit fast zehn Prozent. Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von 29,72 Prozent – ein Hinweis darauf, dass der grundsätzliche Aufwärtstrend intakt bleibt, auch wenn die jüngsten Wochen Nerven kosten.

Mein Fazit

FĂĽr mich ĂĽberlagern sich bei Thyssenkrupp derzeit zwei Geschichten, die nicht recht zusammenpassen: die einer mutigen Konzernentflechtung mit tk accelis und TKMS als Blaupausen, und die einer Tochter, die bei Zukunftstechnologie zurĂĽckrudern muss. Die Abspaltungsstrategie mag langfristig Wert heben, wie TKMS zeigt.

Doch Nucera erinnert daran, dass operative Risiken nicht verschwinden, nur weil man Konzernstrukturen neu ordnet. Wer auf Thyssenkrupp setzt, sollte diese Ambivalenz nicht ausblenden – die Aktie bleibt für mich ein Wert mit Story, aber auch mit ungelösten operativen Baustellen.

Anzeige

Thyssenkrupp-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Thyssenkrupp-Analyse vom 12. August liefert die Antwort:

Die neusten Thyssenkrupp-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Thyssenkrupp-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 12. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Thyssenkrupp: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Disclaimer...

de | DE0007500001 | THYSSENKRUPP | boerse | 69938478 |