Tomra, Frankreich

Tomra: Frankreich verzichtet auf Pfandpflicht

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 10:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Frankreich verwirft eine verbindliche Pfandlösung, während Großbritannien am Start im Oktober 2027 festhält und Tomra seine KI-Sortierung ausbaut.

Industrielle Recycling-Sortieranlage mit bunten Kunststoffabfällen auf Förderbändern
Fotorealistische Sortieranlage zeigt Tomra Systems ASA NO0005668905 als führenden Anbieter sensorbasierter Recyclingtechnologie Illustration mit AI erstellt.

Die Wachstumsperspektiven für automatisierte Recyclingsysteme in Europa präsentieren sich derzeit zweigeteilt. Während Frankreich eine Kehrtwende bei der Pfandpflicht vollzieht, verfestigen sich die Anzeichen für einen planmäßigen Start des britischen Rücknahmesystems im kommenden Jahr.

Für den norwegischen Weltmarktführer Tomra ASA bedeutet dies einerseits den Wegfall eines potenziellen Großmarktes, andererseits jedoch Planungssicherheit in einer wichtigen Kernregion.

Frankreich setzt auf Freiwilligkeit statt Pfandpflicht

In Frankreich ist die Entscheidung gegen eine verpflichtende Pfandpflicht für Plastikflaschen gefallen. Das Ministerium für ökologischen Wandel setzt stattdessen auf freiwillige Systeme und eine erweiterte Herstellerverantwortung.

Unterstützt wird dieser Kurs von führenden Kommunalverbänden wie France Urbaine und der AMF. Einem Bericht der Behörden IGF und IGEDD zufolge würde ein klassisches Pfandsystem die aktuelle Recyclingleistung nicht signifikant verbessern.

Das erklärte Ziel der französischen Regierung bleibt eine Sammelquote von 90 Prozent, um jährlich rund 315.000 Tonnen Material zurückzugewinnen. Die Abkehr von einer gesetzlichen Pfandpflicht schließt zwar den flächendeckenden Einsatz von Rücknahmeautomaten nicht völlig aus, reduziert jedoch den regulatorischen Druck, der Tomra in diesem Markt eine schnelle Expansion ermöglicht hätte. Die Aktie notiert am heutigen Dienstag bei 17,00 € und konnte damit um 1,2 Prozent zulegen.

Britischer Markt: Pareto sieht stabiles Zeitfenster

Gegensätzliche Signale kommen aus Großbritannien. Trotz Forderungen einiger lokaler Recyclingbetreiber nach einer Überprüfung des geplanten Deposit Return Scheme (DRS) stufen die Analysten von Pareto Securities das Risiko einer Verzögerung als gering ein.

Der Startschuss für das britische System ist weiterhin für Oktober 2027 vorgesehen. Laut Pareto sind bisher keine Anzeichen vonseiten der Regierung oder der Kunden erkennbar, die auf eine Abweichung vom Zeitplan hindeuten.

Ein wesentlicher Faktor für diese Stabilität ist die rechtliche Verankerung: Da der Zeitplan im britischen Recht festgeschrieben ist, wäre für eine Verschiebung eine neue Gesetzgebung erforderlich. Für die ersten 15 Monate nach dem Start ist eine Gebühr von 0p vorgesehen.

In Schweden wurde unterdessen das dortige Pfandsystem bereits mit einer RecyClass-Zertifizierung für die PET-Sortierung ausgezeichnet, was den Standard für europäische Rücknahmekreisläufe unterstreicht. Mit dem aktuellen Kursniveau liegt Tomra etwa 4,8 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 16,22 €.

Technologische Fortschritte in der KI-Sortierung

Abseits der regulatorischen Debatten treibt das Unternehmen seine technologische Entwicklung voran. Tomra hat seine Beteiligung an der KI-Plattform PolyPerception auf 51 Prozent erhöht und stellt neue Anwendungen innerhalb des GAINnext-Ökosystems vor. Diese ermöglichen unter anderem eine Sortierung von PET-Schalen mit einer Reinheit von über 95 Prozent.

Im Bereich des Aluminium-Recyclings wird durch die neue Technologie ein Durchsatz erreicht, der den der manuellen Sortierung um das bis zu 33-Fache übertrifft.

Auch im Segment der Lebensmittelverarbeitung zeigen aktuelle Daten die Effizienz der optischen Sortiersysteme. Die Plattform TOMRA 4C, die unter anderem bei US-amerikanischen Rosinenproduzenten im Einsatz ist, erzielt laut Unternehmensangaben eine Fremdmaterialentfernung von über 97 Prozent. Diese fundamentalen Fortschritte stehen einem moderaten Rückgang des Aktienkurses seit Jahresbeginn von 4,5 Prozent gegenüber.

Der Rückzug eines prominenten Leerverkäufers, der seine Position bereits vor gut drei Wochen unter die Meldeschwelle von 0,5 Prozent gesenkt hatte, sorgte zuletzt für eine leichte Entlastung der technischen Situation.

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