TUI, Aktie

TUI Aktie: 81 Millionen Euro Iran-Belastung

Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 04:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de

TUI verzeichnete im dritten Quartal weniger Umsatz und Ergebnis, bestätigte aber die Jahresprognose. Analysten reduzierten ihre Kursziele.

TUI unter Druck: Schwaches Quartal und gesenkte Kursziele
Silhouette eines Flugzeugs vor einem dramatischen, stimmungsvollen Abendhimmel als Symbol für die Reisebranche. Illustration mit AI erstellt.

TUI kämpft mit den Nachwirkungen enttäuschender Quartalszahlen. Am 12. August meldete der Konzern für das dritte Quartal 2026 einen Umsatzrückgang von 6,1 Prozent auf 5,821 Milliarden Euro, das bereinigte EBIT brach um 27 Prozent auf 233,8 Millionen Euro ein. Die Aktie schloss am Mittwoch bei 6,80 Euro und büßte damit im Wochenvergleich kaum Boden ein, notiert aber rund ein Viertel unter ihrem Stand vom Jahresanfang.

Iran-Belastung drückt auf die Bilanz

Hauptgrund für den Ergebnisrückgang waren Einmalbelastungen von 81 Millionen Euro, die aus dem Iran-Konflikt resultierten – konkret aus dem Einsatz von Kreuzfahrtschiffen im Persischen Golf. Ohne diese Sonderposten hätte das operative Ergebnis über dem Vorjahreswert gelegen, wie aus den Quartalsunterlagen hervorgeht.

Zugleich stieg die Nettoverschuldung auf 2,3 Milliarden Euro, deutlich über den Erwartungen der Analysten von rund 2,16 Milliarden Euro. Der bereinigte freie Cashflow blieb mit 676 Millionen Euro ebenfalls hinter dem Konsens von 806 Millionen Euro zurück.

Innerhalb des Konzerns zeigt sich ein gespaltenes Bild: Während das Segment Markets und Airline von einem Gewinn von 50 Millionen Euro im Vorjahr auf ein Minus von 17 Millionen Euro rutschte, hielt sich der Bereich Holiday Experiences mit einem stabilen EBIT von 278 Millionen Euro als Stütze.

Die Kundenzahl sank um 3 Prozent auf 9,9 Millionen. Bemerkenswert: Die Sommerbuchungen insgesamt lagen 6 Prozent unter Vorjahr, in den vier Wochen vor der Zahlenveröffentlichung drehte der Trend jedoch auf plus 7 Prozent – ein Hinweis darauf, dass Kunden zwar weiter reisen, ihre Buchungen aber später vornehmen.

Trotz der schwachen Quartalsbilanz bestätigte der Vorstand die Jahresprognose eines bereinigten EBIT zwischen 1,1 und 1,4 Milliarden Euro. Diese Zuversicht dürfte sich am 22. September zeigen, wenn TUI ein Pre-Close Trading Update veröffentlicht, das als entscheidender Test für die Buchungsdynamik der laufenden Wintersaison gilt.

Kursziele nach den Zahlen gesenkt

Als Reaktion auf die Quartalszahlen justierten mehrere Analysehäuser ihre Einschätzungen. Barclays senkte am 20. August das Kursziel von 10,00 auf 9,75 Euro, beließ die Einstufung aber bei „Overweight“ und verwies auf ein insgesamt robustes Quartal mit TUI Musement als Ergebnistreiber.

Das Analysehaus mwb research reduzierte sein Kursziel deutlicher, von 15,00 auf 13,50 Euro, hielt jedoch an der Kaufempfehlung fest und begründete den Schritt mit geopolitischen Risiken, hohen Treibstoffkosten und der gestiegenen Verschuldung.

Personelle Weichenstellungen im Konzern

Neben der Zahlenlage sorgt TUI auch organisatorisch für Bewegung. Zum 1. Oktober übernimmt Louise Bates, bislang Director Brand & Products bei TUI Hotels & Resorts, die Geschäftsführung der TUI Blue Hotel Betriebsgesellschaft von Artur Gerber, der dem Unternehmen als Berater erhalten bleibt.

Bereits im März hatte der Konzern seine Vorstandsstruktur neu geordnet: Marco Ciomperlik, zuvor Airline-Chef, wurde zum Chief Operating Officer ernannt, während CEO Sebastian Ebel zusätzlich die Konzernstrategie sowie die Hotel- und Kreuzfahrt-Joint-Ventures verantwortet.

Aufschlussreich bleibt zudem die Aktionärsstruktur: Unifirm Limited hält über Ondero Limited weiterhin 29,9 Prozent der TUI-Anteile, kontrolliert von Marina Mordashowa – die Stimmrechte sind jedoch wegen der EU-Sanktionen gegen Alexej Mordaschow bis zum Abschluss eines Prüfverfahrens des Bundeswirtschaftsministeriums suspendiert.

BlackRock überschritt im März die Meldeschwelle von 3 Prozent. Für Anleger dürfte nun vor allem das Update Ende September zeigen, ob sich der zuletzt beobachtete Nachfrageschub fortsetzt und die Jahresprognose realistisch bleibt.

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