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Unicredit Aktie: 48 Prozent Commerzbank-Anteil nach BaFin-Freigabe

Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 19:37 Uhr | Redaktion boerse-global.de

UniCredit hält nun rund 48 Prozent an der Commerzbank und erhält BaFin-Zustimmung für weitere Schritte. Die EZB entscheidet bis Oktober über die Kontrollübernahme.

UniCredit erhöht Commerzbank-Anteil auf 48 Prozent: Übernahme rückt näher
Moderne Glasfassade eines Bankgebäudes bei Dämmerung als Symbol für den europäischen Finanzsektor Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die italienische Großbank UniCredit hat ihre Position im Ringen um die Commerzbank heute massiv gestärkt. Mit einem Anteil von mittlerweile rund 48 Prozent am Frankfurter Institut rückt eine faktische Übernahme in greifbare Nähe. Während die operativen Vorbereitungen für eine Konsolidierung anlaufen, formiert sich auf politischer und strategischer Ebene weiterhin Widerstand gegen ein aggressives Vorgehen der Mailänder.

BaFin bereitet Weg für Kontrollübernahme

Ein entscheidender formaler Schritt wurde nun vollzogen: Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat grünes Licht für das Überschreiten der 30-Prozent-Schwelle gegeben. Wie Bloomberg berichtet, wurde das entsprechende Dossier bereits an die Europäische Zentralbank (EZB) weitergeleitet. Die EZB verfügt nun über einen Zeitraum von 60 Arbeitstagen, der um weitere 20 Tage verlängert werden kann, um eine endgültige Entscheidung über die Kontrollübernahme zu treffen. Mit einem Ergebnis wird bis Mitte Oktober gerechnet.

Aktuell hält UniCredit direkt und über Optionen einen Anteil von 47,59 Prozent an der Commerzbank. Rechnet man das wirtschaftliche Exposure über Total Return Swaps hinzu, liegt das Gesamtinteresse laut Medienberichten bereits bei über 60 Prozent. Das am Markt platzierte Übernahmeangebot, welches die Commerzbank mit rund 31 Euro pro Aktie bewertete, stieß bei unabhängigen Aktionären hingegen auf geringes Interesse. Weniger als zwei Prozent der freien Anteilseigner nahmen das Angebot an, da die Führung der Commerzbank die Offerte als finanziell unzureichend ablehnte.

An der Börse wird die Entwicklung bei der italienischen Muttergesellschaft positiv begleitet. Die UniCredit-Aktie notiert heute bei 84,66 € und verzeichnet seit Jahresbeginn ein deutliches Plus von 19,21 %. Damit bewegt sich das Papier mit einem Abstand von lediglich 1,47 % nahe an seinem 52-Wochen-Hoch.

Strategischer Konflikt über die künftige Ausrichtung

Trotz der deutlichen Mehrheitsverhältnisse betont die Commerzbank-Spitze ihre Eigenständigkeit. Vorstandschefin Bettina Orlopp erklärte heute, dass erste Gespräche mit UniCredit begonnen hätten, warnte jedoch vor einem feindlichen Vorgehen. Ein solcher Ansatz würde nach ihrer Einschätzung massiven Wert vernichten. Die Commerzbank verwies zudem auf ihre starken Halbjahreszahlen mit einem Rekord-Nettogewinn von 1,8 Milliarden Euro, um ihre Verhandlungsposition zu untermauern. Zudem wurde ein Aktienrückkaufprogramm über 1,2 Milliarden Euro von der EZB genehmigt.

UniCredit-Chef Andrea Orcel verfolgt hingegen eine klare Linie. Er strebt direkte Verhandlungen mit der Bundesregierung, den Arbeitnehmervertretern und der polnischen Tochter mBank an. Aus Kreisen der italienischen Bank verlautete zudem Kritik an der aktuellen Aufstellung der Commerzbank. Man werfe dem Frankfurter Institut eine zu starke Abhängigkeit vom internationalen Geschäft und einen mangelnden Fokus auf den deutschen Heimatmarkt vor.

Politische Garantien und operative Einschnitte

Die politische Flanke bleibt für UniCredit ein schwieriges Terrain. Die Bundesregierung, die noch 12 Prozent der Anteile hält, fordert weitreichende Garantien für den Erhalt des Standorts Deutschland sowie für die Absicherung von Arbeitsplätzen und die Kreditversorgung des Mittelstands. Laut Berichten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hat Kanzler Merz signalisiert, eine Fusion nicht grundsätzlich verhindern zu wollen, sofern diese Bedingungen erfüllt werden.

Gleichzeitig stehen potenzielle Restrukturierungen im Raum. In Finanzkreisen wird spekuliert, dass UniCredit im Falle einer vollständigen Integration bis zu 7.000 Stellen in Deutschland streichen könnte. Diese operativen Effizienzsteigerungen gelten als Kernbestandteil der Strategie von Orcel, um die Rentabilität der kombinierten Bankengruppe zu sichern. Eine Vollkonsolidierung der Commerzbank in die Bilanz der UniCredit wird für die erste Jahreshälfte 2027 angestrebt, sofern alle regulatorischen Hürden in den USA, Polen und auf EU-Ebene zeitgerecht genommen werden.

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