Unicredit Aktie: Gewinnziel auf 11,5 Milliarden Euro 2026
Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 20:27 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Mailänder Großbank UniCredit hat den Weg für eine mögliche Übernahme der Commerzbank weiter geebnet und treibt nach einem historisch starken ersten Halbjahr ihre Expansionspläne voran.
Mit dem offiziellen Start von Fusionsverhandlungen und der regulatorischen Prüfung durch die europäischen Behörden tritt das Vorhaben in eine entscheidende Phase. Parallel dazu hob das Institut seine Gewinnprognosen für das Gesamtjahr an, nachdem es zum 22. Mal in Folge ein Rekordquartal verzeichnete.
Verhandlungen und regulatorische Hürden
Am vergangenen Donnerstag hat die Commerzbank offiziell Fusionsgespräche mit der UniCredit aufgenommen. Dies geschah am selben Morgen, an dem das Frankfurter Institut einen Anstieg des Nettogewinns um 94 Prozent für das zweite Quartal meldete.
Bettina Orlopp, CEO der Commerzbank, erklärte gegenüber Analysten, dass man die Gespräche im Sinne beider Häuser führe, um Mehrwerte für Aktionäre, Kunden und Mitarbeiter zu schaffen. Sie zeigte sich optimistisch, schrittweise eine gemeinsame Basis bei der Governance und dem Geschäftsmodell zu finden.
Bereits am vergangenen Dienstag wurde eine wesentliche regulatorische Hürde genommen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) bestätigte die Vollständigkeit des Antrags der UniCredit, ihren Anteil an der Commerzbank auf über 30 Prozent zu erhöhen.
Bloomberg zufolge wurde die Angelegenheit anschließend an die Europäische Zentralbank (EZB) zur förmlichen Bewertung und endgültigen Entscheidung weitergeleitet. Medienberichten zufolge hält die UniCredit mittlerweile einen Anteil von 48 Prozent an der Commerzbank.
Eine formale Genehmigung der EZB für den Erwerb einer kontrollierenden Beteiligung wird für das vierte Quartal 2026 erwartet. UniCredit-CEO Andrea Orcel peilt diesen Zeitraum ebenfalls für den Abschluss an, räumte jedoch ein, dass es auch später werden könnte.
Rekordzahlen und angehobene Prognose
Die strategischen Ambitionen werden durch eine äußerst robuste Ertragslage gestützt. Bereits am 22. Juli meldete die UniCredit das beste zweite Quartal sowie das beste erste Halbjahr ihrer Unternehmensgeschichte. Die bereinigten Erträge stiegen im zweiten Quartal um 13 Prozent und im gesamten ersten Halbjahr um 10 Prozent.
In der Folge hob die Bank ihr Ziel für den Nettogewinn im Jahr 2026 auf rund 11,5 Milliarden Euro vor Integrationskosten an. Selbst unter Berücksichtigung dieser Kosten soll der Gewinn deutlich über der Marke von 11 Milliarden Euro liegen.
Die Kapitalausstattung der Bank zeigt sich ebenfalls gefestigt. Im zweiten Quartal generierte das Institut rund 85 Basispunkte an organischem Kapital, wodurch die harte Kernkapitalquote (CET1) auf 14,3 Prozent stieg. Ohne die Auswirkungen der Commerzbank-Beteiligung läge dieser Wert bei 14,5 Prozent.
Das Management rechnet bis zum Jahresende mit einer CET1-Quote von etwa 15 Prozent. Belastend könnten sich jedoch potenzielle außerordentliche Effekte in Höhe von rund 140 Millionen Euro auswirken, die im Zusammenhang mit der Banca Progetto und Änderungen am ROBOR-Zinssatz in Rumänien stehen.
IT-Struktur und Aktionärstreffen
Auch auf operativer Ebene gibt es Veränderungen in der Infrastruktur. Medienberichten zufolge plant das Beratungsunternehmen Accenture die Übernahme des kontrollierenden Anteils von IBM an dem Gemeinschaftsunternehmen, das wesentliche Teile des technologischen Rückgrats der UniCredit verwaltet. Damit weitet Accenture seine Verantwortung für die Plattformen aus, die den Bankbetrieb in ganz Europa stützen.
Für den 21. September hat der Verwaltungsrat zudem eine außerordentliche Hauptversammlung in Mailand einberufen. Dabei soll über Satzungsänderungen abgestimmt werden, die neue Regeln für die Einreichung von Kandidatenlisten durch das Board of Directors betreffen.
An der Börse wird die Entwicklung derzeit gelassen aufgenommen. Die Aktie notiert aktuell bei 84,44 Euro und damit lediglich 1,72 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresbeginn konnte das Papier bereits um 18,90 Prozent zulegen.
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