UniCredit, Weidmann

UniCredit: Weidmann lÀdt Orcel zum GesprÀch

Veröffentlicht am: 26.08.2026 um 02:20 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Commerzbank-Aufsichtsratschef Weidmann sucht das GesprĂ€ch mit UniCredit-Chef Orcel. Die EZB-Entscheidung ĂŒber eine Mehrheitsbeteiligung wird fĂŒr Ende Oktober erwartet.

UniCredit-Commerzbank: Weidmann lĂ€dt Orcel zu GesprĂ€chen ĂŒber Zukunft ein
Abstrakte Darstellung eines modernen Konferenzraums mit Fokus auf professionelle Verhandlungen im Finanzsektor. Illustration mit AI erstellt.

Gestern zeichnete sich eine wichtige Wende im Übernahmepoker zwischen UniCredit und der Commerzbank ab. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Commerzbank, Jens Weidmann, hat UniCredit-Chef Andrea Orcel zu einem persönlichen GesprĂ€ch eingeladen, um ĂŒber die kĂŒnftige Governance und die strategische Ausrichtung zu beraten.

Diese AnnĂ€herung erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die italienische Großbank ihren Einfluss in Frankfurt durch finanzielle Manöver und regulatorische Fortschritte massiv ausbaut.

Strategische Weichenstellung und regulatorischer Zeitplan

Das Treffen zwischen Weidmann und Orcel signalisiert eine neue Phase der Kommunikation, nachdem die Fronten zwischen Mailand und Frankfurt sowie Berlin zuletzt verhÀrtet schienen.

WĂ€hrend die Bundesregierung weiterhin einen Anteil von 12,7 % an der Commerzbank hĂ€lt und das aktuelle Management unterstĂŒtzt, schafft UniCredit Fakten. Die BaFin hat die KontrollĂŒbernahme bereits vor gut drei Wochen genehmigt, womit eine wesentliche HĂŒrde fĂŒr eine Beteiligung von mehr als 30 % genommen wurde.

Die endgĂŒltige Entscheidung der EuropĂ€ischen Zentralbank (EZB) ĂŒber die Erhöhung der Beteiligung wird in rund 60 Arbeitstagen erwartet, was einen Termin gegen Ende Oktober nahelegt. UniCredit verfolgt dabei ein klares langfristiges Ziel: Eine vollstĂ€ndige Fusion der Commerzbank mit der eigenen Tochtergesellschaft HVB soll bis Ende 2028 oder Anfang 2029 realisiert werden.

Medienberichten zufolge könnte ein geplantes RĂŒckkaufprogramm im Volumen von 1,2 Milliarden Euro die Stimmrechte der UniCredit an der Commerzbank rechnerisch sogar ĂŒber die 50-Prozent-Marke heben. Aktuell hĂ€lt das Institut 47,59 % der Anteile, was einem Stimmrechtsanteil von 49,65 % entspricht.

Analysten erwarten deutliche Gewinnsteigerungen

Die Analysten von Intesa Sanpaolo bestĂ€tigten gestern ihre Einstufung fĂŒr die UniCredit-Aktie mit „Outperform“ und rufen ein Kursziel von 103 Euro aus. Diese EinschĂ€tzung deckt sich mit den aktualisierten KonsensschĂ€tzungen fĂŒr die kommenden drei Jahre.

FĂŒr das GeschĂ€ftsjahr 2026 erwarten Experten im Schnitt einen Nettogewinn von 11,33 Milliarden Euro. Dies wĂŒrde einem Ergebnis je Aktie von 7,66 Euro entsprechen, woraus sich eine geschĂ€tzte Dividende von 3,82 Euro ableiten lĂ€sst.

Bis zum Jahr 2028 prognostiziert der Markt sogar einen Anstieg des Nettogewinns auf 13,45 Milliarden Euro. Trotz dieser positiven Fundamentaldaten regt sich politischer Widerstand.

Vor allem in der Region Toskana werden Forderungen laut, staatliche Eingriffe ĂŒber das Instrument der „Golden Power“ zu prĂŒfen, um den Einfluss auf den Bankensektor zu wahren. Dies betrifft zwar primĂ€r den Verkauf von Anteilen an der Krisenbank Monte dei Paschi di Siena (MPS), verdeutlicht aber das angespannte politische Klima fĂŒr grenzĂŒberschreitende Bankenfusionen in Europa.

Charttechnik und aktuelle Marktlage

Die Aktie spiegelt den Optimismus der Investoren wider und weist seit Jahresanfang ein Plus von 19 % auf. Mit dem gestrigen Schlusskurs von 84,37 € notiert das Papier nur knapp unter seinem 52-Wochen-Hoch von 85,96 €.

Die technische Analyse identifiziert derzeit eine wichtige UnterstĂŒtzungszone bei 83 Euro. Sollte diese Marke halten, rĂŒckt kurzfristig der Widerstand bei 86 Euro in den Fokus, wobei Experten langfristige Kursziele im Bereich von 90 Euro fĂŒr möglich halten.

Nach unten hin sichern die gleitenden Durchschnitte den Trend ab. UniCredit notiert aktuell 16 % ĂŒber seinem 200-Tage-Durchschnitt, was die BestĂ€ndigkeit des AufwĂ€rtstrends unterstreicht. Falls der Verkaufsdruck am Markt jedoch zunehmen sollte, bietet der Bereich zwischen 79 und 80 Euro den nĂ€chsten signifikanten Support.

Anleger achten nun verstĂ€rkt auf die Ergebnisse des Treffens zwischen Orcel und Weidmann, da hier die Grundlage fĂŒr eine einvernehmliche oder eine feindliche Übernahme der Commerzbank gelegt werden könnte.

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