Visa Aktie: JPMorgan hebt Ziel auf 450 Dollar
Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 06:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Zahlungsdienstleister Visa richtet seine Organisation grundlegend neu aus. Trotz eines starken Geschäftsverlaufs im dritten Fiskalquartal plant das Unternehmen den Abbau von rund 2.600 Stellen, was etwa sieben Prozent der weltweiten Belegschaft entspricht. Diese Maßnahme ist Teil einer umfassenden Restrukturierung, mit der CEO Ryan McInerney die Effizienz steigern und Ressourcen in zukunftsträchtige Bereiche wie künstliche Intelligenz (KI) und Stablecoins umleiten will.
Rekordzahlen im dritten Quartal übertreffen Erwartungen
Die jüngsten Geschäftsergebnisse für das am 28. Juni beendete Quartal unterstreichen die robuste Verfassung des Unternehmens. Visa konnte den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 14,4 Prozent auf 11,63 Milliarden US-Dollar steigern und damit die Konsensschätzungen von 11,40 Milliarden US-Dollar übertreffen. Besonders hervorzuheben ist das weltweite Zahlungsvolumen, das mit über 4 Billionen US-Dollar erstmals einen historischen Meilenstein erreichte.
Der bereinigte Gewinn pro Aktie (EPS) kletterte auf 3,32 US-Dollar, während Analysten im Vorfeld lediglich mit 3,23 US-Dollar gerechnet hatten. Das Wachstum wurde maßgeblich durch ein starkes grenzüberschreitendes Volumen getrieben, das um 12 Prozent zulegte, sowie durch ein florierendes E-Commerce-Geschäft mit einem Plus von 16 Prozent. Auch die ersten Daten für den Monat Juli deuten auf eine anhaltende Dynamik hin: Das US-Zahlungsvolumen stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 9 Prozent, während die grenzüberschreitenden Transaktionen sogar um 14 Prozent zunahmen.
Fokus auf KI: Personalabbau trotz Milliardengewinnen
Hinter dem angekündigten Stellenabbau steht ein tiefgreifender technologischer Wandel. Vor allem die Technik- und Produktteams sind von den Kürzungen betroffen, da Visa vermehrt auf KI-Automatisierung setzt. Laut internen Mitteilungen konnten durch den Einsatz neuer Technologien die Produktteams in einzelnen Bereichen von zehn auf zwei bis vier Personen verkleinert werden, wobei die Auslieferung neuer Funktionen um bis zu 65 Prozent beschleunigt wurde.
Die durch die Entlassungen freiwerdenden Mittel sollen gezielt in strategische Wachstumsfelder investiert werden. Dazu gehören neben der KI-Entwicklung auch B2B-Dienste und die Integration von Stablecoins. Visa hat bereits am 16. Juli eine eigene Stablecoin-Plattform gestartet und unterstützt das Konsortium "Open USD" (OUSD), dem über 140 Unternehmen angehören. CEO Ryan McInerney betonte am vergangenen Dienstag in einem Analystengespräch, dass Visa eine "Multi-Coin- und Multi-Chain"-Strategie verfolge, um im Bereich der digitalen Währungen unabhängig von einzelnen Anbietern zu bleiben. Das jährliche Abwicklungsvolumen mit Stablecoins lag zuletzt bereits bei rund 7 Milliarden US-Dollar.
Analysten sehen deutliches Aufwärtspotenzial
Die Reaktion am Kapitalmarkt auf die Kombination aus starken Quartalszahlen und striktem Sparkurs fällt überwiegend positiv aus. Mehrere Analysehäuser passten ihre Prognosen nach oben an. Die Analysten von JPMorgan hoben ihr Kursziel für die Aktie auf 450 US-Dollar an, während Citi das Papier ebenfalls mit Kurszielen im Bereich von 400 bis 450 US-Dollar bewertet. Experten verweisen dabei insbesondere auf die Widerstandsfähigkeit des Netzwerks und die hohen Nettomargen, die zuletzt bei über 54 Prozent lagen.
Auch institutionelle Investoren zeigten zuletzt verstärktes Interesse. Rovida Investment Management stockte seine Beteiligung an Visa im ersten Quartal 2026 um über 233 Prozent auf. Anleger können sich zudem auf eine Dividende in Höhe von 0,67 US-Dollar pro Aktie freuen, die am 1. September ausgezahlt wird. Der Ex-Tag für diese Ausschüttung ist der 11. August.
An der Börse wird die Aktie derzeit mit einer Marktkapitalisierung von umgerechnet rund 590,32 Milliarden Euro bewertet. Mit einem Schlusskurs von 317,55 Euro notiert das Papier am heutigen Samstag etwa 11,93 Prozent über seinem 200-Tage-Durchschnitt von 283,70 Euro. Trotz der jüngsten Kursgewinne liegt der Wert weiterhin rund 3,32 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 328,45 Euro, das am 29. Juli erreicht wurde.
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