Volkswagen, Aktie

Volkswagen Aktie: 50.000 Stellen auf der Kippe

Veröffentlicht am: 12.08.2026 um 19:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Volkswagen verzeichnet deutlichen Gewinnrückgang im zweiten Quartal und senkt die Jahresprognose. Der Großaktionär Porsche SE pocht auf ein rasches Umsetzen des Sparprogramms.

Porsche SE drängt VW: Schnelle Einigung bei Sparpaket gefordert
Düstere, atmosphärische Darstellung einer modernen Industriefabrik, die wirtschaftliche Unsicherheit symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Porsche SE erhöht den Druck auf den Volkswagen-Vorstand. Der Großaktionär fordert eine schnelle Einigung über Stellenabbau und Werksschließungen im Konzern. Hans Dieter Pötsch wurde mit den Worten zitiert, der Volkswagen-Konzern stehe an einem historischen Wendepunkt. Die Forderung trifft auf einen Konzern, der zugleich schwache Halbjahreszahlen und eine gesenkte Umsatzprognose verarbeiten muss.

Schwaches zweites Quartal belastet die Bilanz

Volkswagen meldete für das zweite Quartal 2026 einen Rückgang des Konzernergebnisses um 32,9 Prozent auf 1,54 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahreswert von 2,29 Milliarden Euro. Die Fahrzeugauslieferungen sanken um 8,6 Prozent auf 2,08 Millionen Einheiten, wobei China mit einem Einbruch von 26 Prozent auf 424.300 Fahrzeuge besonders stark belastete.

Für das Gesamtjahr 2026 rechnet der Konzern nun mit einer Umsatzentwicklung zwischen minus 3 und 0 Prozent, nachdem zuvor ein Korridor von 0 bis plus 3 Prozent in Aussicht gestellt worden war. Die operative Umsatzrendite soll zwischen 4,0 und 5,5 Prozent liegen, der Netto-Cashflow zwischen 3 und 6 Milliarden Euro.

Bereits Ende April hatte der Konzern für das erste Quartal ein um 28,4 Prozent gesunkenes Konzernergebnis von 1,56 Milliarden Euro sowie einen um 2,5 Prozent geschrumpften Umsatz von 75,7 Milliarden Euro ausgewiesen.

Die Kernmarke Audi verschärfte die Lage zusätzlich: Sie kürzte ihre Umsatzprognose für 2026 auf einen Korridor von 58 bis 63 Milliarden Euro und erwartet eine operative Marge von nur noch 5 bis 7 Prozent, belastet durch das eingeschränkte Geschäft in China und den USA.

Sparpaket „Zielbild 2030" als Prüfstein

Im Zentrum der Debatte steht das vom Aufsichtsrat erstmals im Juli behandelte Sparprogramm „Zielbild 2030". Es sieht eine Straffung der Modellpalette um bis zu 50 Prozent sowie eine Reduzierung der Ausstattungsvarianten um bis zu 75 Prozent vor.

Bis zu 50.000 zusätzliche Stellen und vier Werke stehen dabei auf der Kippe. Konzernchef Oliver Blume strebt eine Verabschiedung des Pakets noch bis Jahresende an, mit entsprechenden Beschlüssen im Aufsichtsrat. Porsche SE als Großaktionär mahnt nun ausdrücklich zur Eile.

Parallel dazu hat der Konzern bereits an anderer Stelle Kapital freigesetzt: Der geplante Verkauf einer Mehrheitsbeteiligung von 51 Prozent an Everllence an Bain Capital soll Volkswagen rund 7,4 Milliarden Euro einbringen, während der Konzern die restlichen 49 Prozent behält.

Die fünf deutschen Standorte von Everllence sollen dabei mindestens bis 2030 erhalten bleiben, betriebsbedingte Kündigungen sind in diesem Zeitraum ausgeschlossen. Auch die Sportwagentochter Porsche AG hat inzwischen reagiert und Ende Juli ein eigenes Sparpaket beschlossen, das bis 2035 weitere 5.000 Stellen in der Region Stuttgart streicht.

Aktie unter Druck, Analysten senken Ziele

Die Marktreaktion auf die Zahlen fällt entsprechend nüchtern aus: Die Aktie notiert aktuell bei 74,20 Euro und büßte allein am Handelstag 1,51 Prozent ein. Seit Jahresbeginn steht ein Verlust von 28,76 Prozent zu Buche.

Berenberg reagierte nach den Quartalszahlen mit einer Kürzung des Kursziels von 113 auf 100 Euro, beließ die Einstufung jedoch bei „Buy". Damit bleibt das Haus trotz der schwächeren Prognose grundsätzlich positiv gestimmt für den Konzern.

Für Anleger bleibt die entscheidende Frage, ob Blume das Sparpaket rechtzeitig durch den Aufsichtsrat bringt, bevor der operative Druck aus China, den USA und der schwächelnden Kernmarke Audi weiter zunimmt. Der Zeitplan bis Jahresende setzt dem Management eine klare Frist – und Porsche SE lässt keinen Zweifel daran, dass diese Frist eingehalten werden soll.

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