Vonovia Aktie: Merz will Enteignung per Bundesgesetz stoppen
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 18:29 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Debatte über eine Vergesellschaftung von Immobilienbeständen in Berlin stößt auf erhebliche finanzielle Barrieren. Eine Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung beziffert die Entschädigungssumme für gut 200.000 Wohnungen auf 13,5 Milliarden Euro.
Diese enorme Spanne verdeutlicht, vor welchen haushaltspolitischen Problemen das Vorhaben steht.
Für Vonovia bildet der Berliner Wohnungsmarkt traditionell einen wichtigen Schwerpunkt. Das Enteignungsvorhaben gilt jedoch aus mehreren Gründen als schwer realisierbar. Neben der extremen Belastung für die öffentlichen Kassen sieht auch der Berliner Rechnungshof deutliche rechtliche Risiken.
Ökonomen warnen zudem davor, dass Eingriffe in bestehende Eigentumsstrukturen private Investitionen abwürgen könnten, während in der Metropole dringend zusätzlicher Wohnraum benötigt wird.
Widerstand aus dem Kanzleramt
Auf Bundesebene formiert sich geschlossene Gegenwehr gegen die Berliner Pläne. Kanzler Merz kündigte an, Vorhaben zur Enteignung großer Wohnungsunternehmen durch ein Bundesgesetz bundesweit zu blockieren. Auch die SPD im Bund spricht sich gegen Vergesellschaftungen aus. Zugleich drohen CDU-geführte Bundesländer mit Konsequenzen beim Länderfinanzausgleich, sollte Berlin entsprechende Schritte weiter verfolgen.
Bereits bei einem früheren Volksentscheid stimmte eine Mehrheit der Berliner für die Vergesellschaftung großer Bestände, ohne dass dies in der Praxis zu einer gesetzlichen Übernahme führte. Auch damals überstiegen die behördlichen Kostenschätzungen die Vorstellungen der Initiatoren um ein Vielfaches.
Angesichts der klaren bundesweiten Ablehnung und drohender juristischer Auseinandersetzungen über mehrere Instanzen hinweg gilt eine Umsetzung des Vorhabens am Kapitalmarkt als wenig plausibel.
Wohnungsbestand und Kursentwicklung
In der Hauptstadtregion halten Vonovia und die Konzerntochter Deutsche Wohnen rund 138.000 Wohnungen. An den Finanzmärkten sorgten die politischen Diskussionen zwar für Zurückhaltung, die praktischen Hürden dämpfen jedoch die Wahrscheinlichkeit eines tatsächlichen Eingriffs. Am Freitag schloss die Aktie bei 17,34 Euro und lag damit nur 1,7 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief.
Für die Bewertung des Immobilienkonzerns dürften daher vor allem fundamentale Finanzierungsfragen den Ausschlag geben. Neben den politischen Schlagzeilen aus der Hauptstadt bleiben die Zinsentwicklung an den Anleihemärkten und die anstehende Refinanzierung der bestehenden Schulden die zentralen Treiber für das Unternehmen. Solange die rechtlichen Schutzwälle auf Bundesebene stehen, bleibt das Enteignungsszenario für Investoren in erster Linie ein politisches Störfeuer.
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