WisdomTree, Cocoa

WisdomTree Cocoa 2x EUR: 74,48 Prozent unter 52-Wochen-Hoch

Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 03:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Kakaopreis erreicht 12-Jahres-Hoch wegen El Niño und Ernteausfällen in Westafrika. Industrie reagiert mit Preiserhöhungen, Anleger erleben hohe Volatilität.

Kakaomarkt: Rekordhoch bei 12 Jahren, El Niño und Ernteausfälle treiben Preise
Einzelne Kakaofrucht auf einem dunklen Schreibtisch, symbolisch für den Kursverlauf des WisdomTree Cocoa 2x ETP. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der Kakaomarkt steht unter dem Eindruck massiver Preisschwankungen und klimatischer Risiken. Während die kurzfristigen Lieferungen aus der Elfenbeinküste zuletzt deutlich zulegten, trieben Sorgen vor einer massiv verknappten kommenden Haupternte die Notierungen am vergangenen Mittwoch auf ein 12-Jahres-Hoch. Für Anleger im WisdomTree Cocoa 2x Daily Leveraged EUR spiegelt sich diese extreme Dynamik in einer hohen Volatilität wider, wobei das Papier am Freitag bei 19,27 Euro aus dem Handel ging.

Ernteprognosen und Versorgungsengpässe in Westafrika

Die aktuelle Nachrichtenlage am Kakaomarkt ist von gegensätzlichen Entwicklungen geprägt. Einerseits meldete die Elfenbeinküste für das laufende Vermarktungsjahr einen Anstieg der Lieferungen um 21 Prozent. Diese kurzzeitige Entspannung wird jedoch durch düstere Prognosen für die kommende Saison 2026/27 überschattet. Experten erwarten für die Elfenbeinküste eine Ernte von lediglich 1,8 Millionen Tonnen, was unter dem Niveau des Vorjahres läge. Grund hierfür ist eine unterdurchschnittliche Bildung der Fruchtknoten an den Kakaobäumen.

Noch deutlicher fällt die Schätzung für Ghana aus, wo die Produktion im kommenden Zyklus voraussichtlich um 16 Prozent einbrechen wird. Neben strukturellen Problemen wie einer Knappheit an Düngemitteln belasten auch lokale Überschwemmungen die Plantagen, was das Risiko für Pilzerkrankungen wie die Braunfäule erhöht. Da rund 88 Prozent der weltweiten Kakaoproduktion auf Westafrika, Ecuador und Südostasien konzentriert sind, führen Ernteprobleme in diesen Regionen unmittelbar zu globalen Preissprüngen.

El Niño als Preistreiber am Rohstoffmarkt

Ein wesentlicher Faktor für die jüngste Preisrallye ist das Wetterphänomen El Niño. Nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) besteht eine Wahrscheinlichkeit von 81 Prozent für ein sehr starkes Auftreten des Phänomens zwischen Oktober und Dezember dieses Jahres. Dies dürfte ab November zu extremer Trockenheit in den westafrikanischen Anbaugebieten führen. In Erwartung dieser Entwicklung kletterten die Kakao-Futures bereits seit Mitte Juni um 63 Prozent nach oben.

Diese Entwicklung setzt das gehebelte Zertifikat WisdomTree Cocoa 2x Daily Leveraged EUR unter Druck, das seit Jahresbeginn einen Wertverlust von 36,85 Prozent verzeichnete. Trotz der jüngsten Erholungstendenzen an den Rohstoffbörsen notiert das Papier damit weiterhin 74,48 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch vom August des vergangenen Jahres. Die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen warnt zudem vor den breiteren Folgen: Bis Ende 2027 könnten infolge der wetterbedingten Ernteausfälle bei Kakao, Kaffee und Zucker weltweit 49 Millionen zusätzliche Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen sein.

Reaktionen der Industrie auf die Rohstoffrallye

Die verarbeitende Industrie reagiert bereits mit deutlichen Preiserhöhungen auf die teuren Rohstoffe. Der Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli hob seine Preise im ersten Halbjahr 2026 um 11,8 Prozent an, was jedoch zu einem Mengenrückgang und einem Umsatzminus von zwei Prozent in Europa führte. Während die Analysten der ZKB die weitere Entwicklung skeptisch beurteilen, betrachten die Experten von Morningstar die Aktie des Herstellers auf dem aktuellen Niveau als attraktiv.

Parallel dazu konnte der weltweit größte Kakao-Verarbeiter Barry Callebaut im dritten Quartal sein Absatzvolumen um 5,7 Prozent steigern – das erste Plus seit zwei Jahren. Dennoch warnen Branchenexperten vor weiteren Preissteigerungen für Endverbraucher im Herbst, da die Unternehmen versuchen, die gestiegenen Beschaffungskosten weiterzugeben. In manchen Märkten werden bereits Teuerungsraten von bis zu 100 Prozent für Schokoladenprodukte prognostiziert. Eine Entlastung auf der Angebotsseite ist erst ab 2027 absehbar, sofern die Ernten in Westafrika wieder ein normales Volumen erreichen.

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