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Xiaomi Aktie: William Lu erklärt Smartphone-Krise für überwunden

Veröffentlicht am: 22.08.2026 um 04:07 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Trotz eines deutlichen Gewinnrückgangs steigt die Xiaomi-Aktie. Der Konzern setzt auf höherpreisige Smartphones und ein aggressives EV-Wachstum, was Analysten positiv bewerten.

Xiaomi-Aktie trotz Gewinneinbruch im Aufwind: Strategiewechsel zeigt Wirkung
Modernes Smartphone auf einem minimalistischen Schreibtisch bei Morgenlicht, symbolisiert Erholung im Tech-Markt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Wer in diesen Tagen auf Xiaomi blickt, sieht zunächst Widersprüche. Ein Gewinn, der um 42,6 Prozent einbricht. Auslieferungszahlen bei Smartphones, die um mehr als ein Viertel schrumpfen.

Und doch: eine Aktie, die seit den Quartalszahlen am vergangenen Dienstag um 12,8 Prozent zugelegt hat. Das ist keine Anomalie, sondern die eigentliche Geschichte hinter der Geschichte – und sie sagt mehr über den Strukturwandel in der Elektronikbranche als jede einzelne Kennzahl.

Der eigentliche Aufhänger der Woche kam nicht aus der Bilanz, sondern von Präsident William Lu persönlich. Er teilte mit, die schwierigste Phase im Smartphone-Geschäft sei überstanden.

Der Speicherpreisanstieg, der Xiaomi wie die gesamte Branche seit Monaten belastet, verlangsamt sich – und soll in der zweiten Jahreshälfte weiter nachlassen. Das ist eine bemerkenswerte Aussage, denn sie verschiebt die Erzählung von einem reinen Nachfrageproblem hin zu einem Kostenproblem, das sich von selbst löst.

Teurer verkaufen, weniger verkaufen – ein bewusster Kompromiss

Genau hier liegt der Kern dessen, was gerade bei Xiaomi passiert. Das Unternehmen hat im zweiten Quartal 31,2 Millionen Smartphones ausgeliefert, ein Rückgang von 26,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Gleichzeitig kletterte der durchschnittliche Verkaufspreis um 25,9 Prozent auf 1.351 Yuan. Das ist kein Zufall, sondern Strategie: Statt in einem gesättigten, von hohen Speicherkosten geplagten Markt um jeden Prozentpunkt Marktanteil zu kämpfen, verschiebt sich der Fokus auf höherwertige Geräte mit besseren Margen.

Nomura bestätigte am Mittwoch nach den Zahlen sein Rating „Neutral" und führte den Umsatzüberschuss explizit auf diesen ASP-Anstieg sowie höhere IoT-Umsätze zurück.

Diese Verschiebung erklärt auch, warum die Bruttomarge von 19,8 Prozent unter dem Konsens von 20,4 Prozent lag, ohne dass die Anleger in Panik verfielen. Der Markt scheint zu akzeptieren, dass eine Übergangsphase ihren Preis hat – solange die Richtung stimmt.

Das Elektroauto als zweite Wette

Während das Smartphone-Geschäft konsolidiert, expandiert Xiaomi im Elektroautosegment mit einer Aggressivität, die an die frühen Jahre des Smartphone-Aufstiegs erinnert. Der Umsatz im EV-Segment stieg um 15,9 Prozent, die Auslieferungen um 28,2 Prozent auf 104.199 Einheiten.

Das Unternehmen erhöhte sein Auslieferungsziel für 2026 gleich auf 550.000 Fahrzeuge – deutlich mehr als die ursprünglich für 2025 angepeilten 410.000. Der operative Verlust von 385 Millionen US-Dollar in diesem Segment zeigt, dass diese Wette noch nicht profitabel ist.

Aber wer in der Autoindustrie schon einmal einen Marktstart begleitet hat, weiß: Verluste in der Aufbauphase sind kein Warnsignal, sondern die Eintrittskarte.

Parallel dazu kauft Xiaomi eigene Aktien zurück – bis zum 13. August bereits 377,5 Millionen Aktien im Wert von 11,7 Milliarden Hongkong-Dollar, im Rahmen eines auf 20 Milliarden Hongkong-Dollar angelegten Programms. Ein Unternehmen, das gleichzeitig Milliarden in ein margenschwaches Zukunftsgeschäft steckt und eigene Aktien zurückkauft, sendet ein klares Signal über sein Vertrauen in die eigene Bilanzstärke.

Was die Kursbewegung wirklich erzählt

Der Schlusskurs von 3,15 Euro am Freitag, ein Plus von 3,2 Prozent an diesem Tag, fügt sich in das Bild eines Marktes, der die Boden-Ansage aus dem Unternehmen goutiert. Auf Sicht von sieben Tagen steht ein Zuwachs von 10 Prozent zu Buche. Das ändert nichts daran, dass die Aktie seit Jahresanfang um 27 Prozent nachgegeben hat und noch immer gut die Hälfte unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 6,54 Euro notiert, das Ende September erreicht wurde.

Genau darin liegt die eigentliche Frage, die sich Beobachter der Elektronikbranche derzeit stellen müssen: Ist die aktuelle Erholung der Beginn einer echten Trendwende, oder nur die Erleichterung darüber, dass ein Quartal nicht noch schlechter ausfiel als befürchtet?

Xiaomis Antwort darauf ist eindeutig zweigleisig angelegt – ein Smartphone-Geschäft, das sich auf Wert statt Volumen umstellt, und ein Elektroauto-Geschäft, das auf Wachstum um jeden Preis setzt. Beide Wetten laufen parallel, und beide brauchen noch Zeit, um ihr wahres Gesicht zu zeigen.

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