'Zoltan' fegt ĂŒber das Land - Behinderungen im Weihnachtsbahnverkehr
22.12.2023 - 09:56:43 | dpa.de(Aktualisierte Zusammenfassung)
HAMBURG/BERLIN (dpa-AFX) - Sturmtief "Zoltan" wirbelt die WeihnachtsreiseplĂ€ne vieler Bahnkunden krĂ€ftig durcheinander. Wegen SturmschĂ€den kommt es am Freitag zu VerspĂ€tungen und ZugausfĂ€llen im bundesweiten Fernverkehr der Deutschen Bahn, wie die Bahn auf ihrer Internetseite mitteilte. Bahnstrecken im Norden seien besonders stark betroffen. Zu AusfĂ€llen oder VerspĂ€tungen könne es auch auf den Verbindungen zwischen Hamburg und Frankfurt sowie Hamburg und MĂŒnchen kommen, zudem könnten einige Halte entfallen. In Hamburg soll das Wasser der Elbe am Vormittag wegen der Sturmflut noch höher steigen als zunĂ€chst angenommen.
"SĂ€mtliche RĂ€umtrupps unterwegs"
Vor allem in Norddeutschland, aber auch in Teilen Hessens, beschĂ€digten umgestĂŒrzte BĂ€ume Oberleitungen oder blockierten Strecken. "Die DB ist mit schwerem GerĂ€t im Einsatz, um die Strecken schnellstmöglich wieder freizubekommen. SĂ€mtliche RĂ€umtrupps sind mit Reparaturfahrzeugen unterwegs, um etwa BĂ€ume aus Gleisbereichen zu beseitigen und Oberleitungen zu reparieren", sagte eine Bahn-Sprecherin.
Das Unternehmen empfiehlt seinen FahrgĂ€sten, sich vor Antritt ihrer Reise in der Fahrplanauskunft in der App "DB Navigator" oder auf bahn.de zu informieren. Alle FahrgĂ€ste, die am Freitag ihre geplante Reise wegen des Sturmtiefs verschieben mĂŒssen, können ihr Ticket laut Bahn zu einem spĂ€teren Zeitpunkt nutzen. Die Zugverbindung ist aufgehoben. Das Ticket gelte fĂŒr die Fahrt zum ursprĂŒnglichen Zielort, auch mit einer geĂ€nderten StreckenfĂŒhrung. Sitzplatzreservierungen können kostenlos storniert werden.
Eine S-Bahn fuhr in Hamburg kurz vor Mitternacht ĂŒber einen umgestĂŒrzten Baum. Der Zug sei mit etwa 40 Stundenkilometern unterwegs gewesen und der TriebfahrzeugfĂŒhrer habe eine Schnellbremsung einleiten mĂŒssen, teilte die Bundespolizei mit. Dabei sei keiner der 26 FahrgĂ€ste verletzt worden. Sie wurden von der Feuerwehr aus den Wagen geholt, nachdem die EinsatzkrĂ€fte den Baum freigeschnitten und aus dem Gleisbereich gebracht hatten.
Hamburger Fischmarkt komplett ĂŒberspĂŒlt
Das Wasser der Elbe drĂŒckte die schwere Sturmflut an Land und ĂŒberspĂŒlte dabei den Hamburger Fischmarkt und die umliegenden StraĂen komplett. Das Wasser stand teils hĂŒfthoch. Da nicht alle Autos rechtzeitig weggefahren wurden, wurden auch sie ĂŒberspĂŒlt. In der Nacht waren die EinsatzkrĂ€fte von Feuerwehr und Polizei in der Region unterwegs, um in den noch abgestellten Fahrzeugen im Ăberschwemmungsgebiet nach Menschen zu suchen.
Wegen der erwarteten Auswirkungen der schweren Sturmflut ist seit Freitagmorgen der zentrale Katastrophenstab der Hamburger Innenbehörde im Dienst. "Es wird ein Wasserstand von 5,20 Meter erwartet, das entspricht Wasserstandsstufe 1 und damit nimmt der Katastrophenstab seinen Dienst auf", sagte ein Sprecher der Innenbehörde der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg. Diese Meter-Angaben beziehen sich auf Normalnull. 5,20 Meter entsprechen dabei einer Wasserhöhe von 3,05 Meter ĂŒber dem mittleren Hochwasser.
Warnung vor schwerer Sturmflut am Freitagvormittag
FĂŒr die deutsche NordseekĂŒste sowie Hamburg besteht am Freitag die Gefahr einer schweren Sturmflut. Dabei steigen die WasserstĂ€nde der Elbe am Freitagmittag doch höher als zunĂ€chst angenommen. Hamburgs Innenbehörde und die Polizei haben am Freitagmorgen am Pegel St. Pauli deshalb vor einem Wasserstand von 3,25 Meter ĂŒber dem mittleren Hochwasser gewarnt. ZunĂ€chst war von 3,05 Metern ausgegangen worden.
Die Polizei warnte davor, ĂŒberflutete Elbegebiete zu betreten und durch ĂŒberflutete StraĂen zu fahren. "Schon eine geringe Wasserhöhe kann die Steuerung behindern." Am Morgen waren bereits die Sturmwarnsirenen im Stadtgebiet zu hören. Zudem sind Warnungen an die Bevölkerungen ĂŒber die sozialen Medien und die Warn-Apps verbreitet worden.
Auch fĂŒr die ostfriesische KĂŒste sowie das Wesergebiet sagten die Experten vom BSH am Freitag schwere Sturmfluten vorher. Dort sollen die Hochwasser am Vormittag und Mittag 2,5 Meter bis 3 Meter ĂŒber dem mittleren Wert liegen. An der nordfriesischen KĂŒste werden WasserstĂ€nde von 2 Meter bis 2,5 Meter ĂŒber dem mittleren Hochwasser erwartet. Als schwer gilt eine Sturmflut ab einem Wasserstand von 2,5 Meter ĂŒber dem mittleren Hochwasser.
"Zoltan" soll am Freitagabend wieder krÀftiger werden
"Zoltan" sorgt auch am Freitag weiter fĂŒr krĂ€ftigen Wind an der KĂŒste. Im Tagesverlauf soll der Wind etwas nachlassen, in den Abendstunden dann aber wieder zunehmen, wie Anne Wiese, Meteorologin beim Deutschen Wetterdienst (DWD), am Freitagmorgen sagte. Am Abend sind laut DWD orkanartige Böen mit mehr als 100 Stundenkilometern möglich. In der zweiten NachthĂ€lfte soll der Wind etwas abnehmen, am Samstagabend dann wieder krĂ€ftiger werden, allerdings nicht mehr so stark wie am Freitag.
Sturm beeintrÀchtigt Betrieb auf Frankfurter Flughafen
"Zoltan" beeintrĂ€chtigte auch den Betrieb auf dem Frankfurter Flughafen, am Freitag hatte sich nach Angaben des Flughafenbetreibers Fraport die Lage aber wieder normalisiert. Ein Sprecher berichtete von VerspĂ€tungen am Donnerstagabend und mehreren Starts nach 23.00 Uhr. Genaue Zahlen lagen zunĂ€chst nicht vor. Am gröĂten Flughafen Deutschlands gilt eigentlich ab 23.00 Uhr ein Nachtflugverbot. FlugausfĂ€lle wegen des Sturms habe es aber nicht gegeben, sagte der Sprecher weiter. Am Freitagmorgen herrschte nach seinen Worten wieder Normalbetrieb: "Alle Ampeln sind auf grĂŒn."
Viele VerkehrsunfĂ€lle wegen Wind und umgestĂŒrzter BĂ€ume
Vielerorts sorgte "Zoltan" fĂŒr VerkehrsunfĂ€lle, so in Schleswig-Holstein: Drei Menschen wurden dabei verletzt, wie die Polizei mitteilte. Die Lagedienste in Schleswig-Holstein meldeten insgesamt 364 EinsĂ€tze.
Im Kreis Schleswig-Flensburg prallte in Fahrdorf ein Mensch mit seinem Auto gegen einen auf der Fahrbahn liegenden Baum und wurde schwer verletzt. Auf der B200 in Janneby kippte ein Lkw auf die Seite und schleuderte in einen Graben. Der Fahrer wurde bei dem Unfall am Donnerstagabend leicht verletzt. Durch den starken Wind konnte das Fahrzeug am Abend zunÀchst nicht geborgen werden.
In Husum stĂŒrzte am Donnerstagabend ein Baum auf ein fahrendes Auto, wie die Polizei mitteilte. Die Fahrerin wurde dabei leicht verletzt und in ein Krankenhaus gebracht.
UmstĂŒrzender Tannenbaum tötet Frau auf Weihnachtsmarkt
Schwere Sturmfolge auch in Belgien: Auf einem Weihnachtsmarkt wurde eine Frau von einem etwa 20 Meter hohen Tannenbaum erschlagen. Das Nadelholz habe am Donnerstagabend einer starken Windböe nicht standgehalten, berichtete die Nachrichtenagentur Belga. Der Baum stĂŒrzte auf drei Personen, von denen eine wenig spĂ€ter im Krankenhaus an ihren schweren Verletzungen starb. Die UnglĂŒcksstelle auf dem Weihnachtsmarkt in der Stadt Oudenaarde wurde nach dem Unfall abgesperrt und untersucht.
Sturmwind reiĂt Kupferblechdach von FeuerwehrgebĂ€ude
Ein etwa fĂŒnf mal sechs Meter groĂes DachstĂŒck aus Kupferblech ist durch starken Wind von einem GebĂ€ude der Feuerwehr PlĂŒderhausen in Baden-WĂŒrttemberg gerissen worden. Die Feuerwehr habe das DachstĂŒck mit einem Kran geborgen, sagte ein Sprecher der Polizei am Freitag. Die betroffene Stelle an dem Haus sei wieder abgedeckt worden. Verletzt habe sich bei dem Vorfall niemand. Die EinsatzmaĂnahmen liefen laut Polizei von Donnerstagabend bis in die Nacht.
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