Almbetriebe, Arbeitskräfte

Almbetriebe kämpfen um erfahrene Arbeitskräfte

19.04.2026 - 12:39:16 | boerse-global.de

Die Almwirtschaft steht vor einer Erfahrungskrise bei Saisonkräften. Neue Mindestlohnregeln und die Rückkehr des Wolfs erhöhen den Druck auf Betriebe, während Verbände nach Lösungen suchen.

Almbetriebe kämpfen um erfahrene Arbeitskräfte - Foto: über boerse-global.de
Almbetriebe kämpfen um erfahrene Arbeitskräfte - Foto: über boerse-global.de

Während das Interesse an Saisonarbeit in den Bergen grundsätzlich hoch ist, fehlt es zunehmend an qualifiziertem Personal für Tierhaltung und Käseproduktion. Gleichzeitig setzen der neue Mindestlohn und die Rückkehr großer Beutegreifer die Betriebe unter Druck.

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Die Erfahrungslücke wird zum Problem

Die Vorbereitungen für die Alpsaison sind in diesem Frühjahr auf ein ernstes Hindernis gestoßen. Fachleute sprechen von einer regelrechten Erfahrungskrise. Zwar meldeten Jobportale wie Zalp im März 2026 rund 100 offene Stellen, doch das Verhältnis von Bewerbern zu wirklich qualifizierten Kräften ist prekär. Für eine stabile Saison, so die Einschätzung erfahrener Senner, müsste die Zahl geeigneter Bewerber die der offenen Stellen um mindestens ein Drittel übersteigen. Nur so ließen sich die hohe Fluktuation und unpassende Profile ausgleichen.

Das Kernproblem ist der ständige Wechsel. Viele Saisonkräfte, die eine Auszeit in den Bergen suchen, bleiben weniger als drei Jahre. Tiefgehendes Praxiswissen – die sogenannte Erfahrungswissenschaft – kann so nicht entstehen. Dazu zählen das frühzeitige Erkennen von Tierkrankheiten, die Pflege komplexer Bergweiden und die Herstellung hochwertigen Käses. Kurzzeitkräfte oder reine Theoriekurse sind hier kein Ersatz.

Mindestlohn-Debatte verschärft den Kostendruck

Die Personalsuche wird durch regulatorische Änderungen zusätzlich erschwert. Seit dem 1. Januar 2026 gilt in Deutschland ein flächendeckender Mindestlohn von 13,90 Euro brutto pro Stunde. Für viele Almbetriebe mit schmalen Margen und hohem Arbeitsaufwand bedeutet dies eine erhebliche finanzielle Belastung.

Als Reaktion darauf legte ein Bündnis aus acht großen Agrarbverbänden, darunter der Deutsche Bauernverband (DBV), am 17. März 2026 ein umfangreiches Rechtsgutachten vor. Die 140-seitige Analyse argumentiert, dass ein branchenspezifischer Abschlag von 20 Prozent vom gesetzlichen Mindestlohn für Saisonkräfte verfassungs- und europarechtlich möglich sei. Befürworter betonen, diese Sonderregelung sei nötig, um die heimische Produktion in arbeitsintensiven Sparten wie Obst-, Gemüse-, Wein- und Almbau zu erhalten. Die gestiegenen Kosten könnten oft nicht an die Verbraucher weitergegeben werden.

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Bayern setzt auf Ausbildung – doch der Markt bleibt leer

In Bayern, wo rund 1.400 Almen das kulturelle und ökologische Bild prägen, intensivieren Verbände ihre Ausbildungsbemühungen. Der Almwirtschaftliche Verein Oberbayern (AVO) plant für Ende Mai 2026 spezielle Schulungsmodule in Oberaudorf. Diese behandeln moderne Herausforderungen wie Biodiversitätsmanagement, Klimaanpassung und Konfliktlösung auf touristischen Wegen.

Dennoch bleibt der bayerische Arbeitsmarkt angespannt. Laut dem DIHK-Fachkräftereport 2025/2026 hat mehr als jedes dritte Unternehmen Probleme, Stellen zu besetzen. In Bayern lag der durchschnittliche Fachkräftemangel 2025 bei über 92.000 Personen. Diese Lücke wird zunehmend durch internationale Kräfte geschlossen, vor allem aus Italien und Nachbarregionen. Ihr Anteil an der Almarbeitskraft liegt mittlerweile bei etwa einem Drittel.

Wolf und Arbeitsbelastung vertreiben das Personal

Der Personalmangel ist kein rein bürokratisches Problem. Er gefährdet die Zukunft der gesamten Almwirtschaft, wie der Bayerische Bauernpräsident bei der Hauptalmbegehung 2025 betonte. Ohne aktive Bewirtschaftung und qualifizierte Senner droht der Verfall der Kulturlandschaft.

Ein entscheidender Faktor für die Abwanderung erfahrener Kräfte ist die Rückkehr großer Beutegreifer. Die zunehmende Präsenz des Wolfs im Alpenraum hat den Arbeitsaufwand für Hirten massiv erhöht. Der Schutz der Herden erfordert intensivere Bewachung und ständige Wachsamkeit. Für viele erfahrene Älpler sind der zusätzliche Stress und die emotionale Belastung durch mögliche Tierverluste Gründe, den Beruf an den Nagel zu hängen. Das schrumpft den Pool an Veteranen weiter.

Suche nach langfristigen Lösungen

Während in den kommenden Wochen der Alpauftrieb beginnt, sucht die Branche nach Strategien für stabile Belegschaften. Aus aktuellen Workshops kommen Forderungen nach ganzjährigen Beschäftigungsmodellen. Sie sollen Saisonkräften ermöglichen, in den Wintermonaten verwandte Arbeiten in der Landwirtschaft zu finden.

Die politische Debatte um die Sonderregelung für den Saison-Mindestlohn wird voraussichtlich noch in diesem Jahr Berlin erreichen. Die Agrarbverbände drängen die Bundesregierung, die Ergebnisse des Rechtsgutachtens umzusetzen. Für die unmittelbar bevorstehende Saison 2026 hängt der Erfolg des Alpsommers jedoch vor allem von den einzelnen Betriebsleitern ab. Sie müssen zuverlässiges Personal mit einer Mischung aus attraktiven Konditionen und der unvergleichlichen Faszination des Berglebens locken.

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