AMS, Rekord

AMS meldet Rekord bei Sanktionen trotz Konjunkturflaute

10.02.2026 - 14:43:12

Die Zahl der Sanktionen beim Arbeitslosengeld verharrt 2025 auf historisch hohem Niveau. Besonders die komplette Verweigerung von Jobsuchenden nahm stark zu und löst politische Debatten aus.

Die Zahl der Sperren beim Arbeitslosengeld bleibt auf historischem Höchststand. Neue AMS-Daten für 2025 zeigen: 162.391 Sanktionen verharrten trotz schwächelnder Wirtschaft fast auf dem Rekordniveau von 2024. Besonders die Gruppe der Totalverweigerer wächst drastisch – und heizt die politische Debatte an.

Arbeitsmarktbeobachter deuten die stabilen Gesamtzahlen als Beleg für konsequente Kontrollen. Doch im Detail tut sich eine bedenkliche Verschiebung auf: Während leichte Verstöße zurückgehen, steigt die komplette Verweigerung spürbar an. Was bedeutet das für das System?

Totalverweigerer: Deutlicher Anstieg um 17 Prozent

Ein Blick in die Statistik offenbart die Schwerpunkte. Den größten Block bilden weiterhin versäumte Kontrolltermine mit über 52.000 Fällen. Sie führen meist zu kurzen Bezugssperren.

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  • Die Zahl der Personen, denen der Bezug wegen gänzlicher Arbeitsunwilligkeit komplett gestrichen wurde, stieg um 17 Prozent auf 1.733 Fälle.
  • Rund 80.000 Sanktionen wurden wegen „mangelnder Arbeitswilligkeit“ verhängt – etwa die Ablehnung eines Jobs oder das Fernbleiben von Kursen.
  • Allein das unentschuldigte Fehlen in Schulungen schlug mit über 43.000 Fällen zu Buche.

Experten betonen den Kontext: Die offenen Stellen sanken 2025 um elf Prozent auf etwa 83.000. Es gab also weniger Gelegenheiten, ein Angebot abzulehnen. Dass die Sanktionen dennoch hoch bleiben, spricht für eine harte Linie der Vermittler.

Kritik an „Ein-Monats-Lücke“: Zu leicht zurück ins Netz?

Die Daten lösten sofort eine Debatte über Schlupflöcher im Gesetz aus. Im Fokus steht die Frage, wie schnell Gesperrte wieder Anspruch auf Leistungen erlangen.

AMS-Wien-Chef Winfried Göschl übt scharfe Kritik. Sein Vorwurf: Es sei derzeit zu einfach, zurück ins soziale Netz zu gelangen. Nach aktueller Regelung reicht bereits eine Beschäftigung von nur einem Monat, um den Arbeitslosengeld-Anspruch wiederaufleben zu lassen. Früher war dafür ein komplett neuer Anspruch nötig.

Diese Lücke dürfte jene politischen Kräfte stärken, die seit langem schärfere Zumutbarkeitsregeln fordern. Ihr Argument: Das Sozialsystem sei als Brücke gedacht, nicht als Dauerzustand.

Wirtschaftliche Flaute als Hintergrundrauschen

Die Sanktionsdebatte trifft auf ein kühles ökonomisches Umfeld. Die österreichische Wirtschaft wuchs 2025 nur minimal. Zu Jahresbeginn 2026 waren fast 380.000 Menschen arbeitslos gemeldet, 76.000 weitere in Schulungen.

Ökonomen warnen davor, die Zahlen isoliert zu betrachten. Weniger offene Stellen bedeuten mehr Konkurrenzdruck unter Jobsuchenden. Interessant: Sanktionen wegen „Selbstkündigung“ gingen leicht um 2,5 Prozent zurück. Ein Zeichen für mehr Vorsicht in unsicheren Zeiten?

Gleichzeitig betont AMS-Vorstand Johannes Kopf den strukturellen Fachkräftemangel. Das Ziel bleibe, vorhandenes Potenzial zu nutzen. Sanktionen seien ein Werkzeug, aber keine Lösung für das Grundproblem.

Politische Zündstoff für die kommenden Monate

Die neuen Zahlen werden die Agenda prägen. Während Wirtschaftsvertreter die hohen Sanktionen als Beleg für fehlende Anreize sehen und Reformen wie degressive Modelle fordern, warnen Arbeiterkammer und Sozialorganisationen vor Pauschalverurteilungen.

Sie argumentieren, viele Sperren entstünden durch Bürokratie oder Missverständnisse. Eine weitere Verschärfung der Regeln könne die Armutsgefahr erhöhen, ohne die Vermittlung zu verbessern.

Für 2026 zeichnet sich ein Dauerbrenner ab. Bei prognostiziert hohen Arbeitslosenzahlen muss das AMS die Balance zwischen „Fördern und Fordern“ neu justieren. Ob das Parlament die von Göschl kritisierte „Ein‑Monats‑Lücke“ schließt, bleibt offen – verspricht aber politischen Zündstoff.

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