Europa Schluss: Erholung - MĂ€rkte als Spielball der Zollpolitik
10.04.2025 - 18:33:54UrsĂ€chlich dafĂŒr war die von US-PrĂ€sident Donald Trump am Mittwoch verkĂŒndete Zollpause. "Die nun verkĂŒndete Pause der reziproken Zölle verringert zwar das Rezessionsrisiko und die Börsen können nicht anders, als wieder deutlich zu steigen", stellte Analyst Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets fest. Wirtschaft bestehe jedoch aus Vertrauen und hier habe der US-PrĂ€sident in den vergangenen Wochen viel Porzellan zerschlagen.
Der EuroStoxx 50 EU0009658145 schloss mit einem Plus von 4,26 Prozent bei 4.818,92 Punkten. Auch auĂerhalb des Euroraums ging es krĂ€ftig nach oben. Der Schweizer SMI CH0009980894 stieg um 3,28 Prozent auf 11.244,59 Punkte. FĂŒr den britischen FTSE 100 GB0001383545 ging es um 3,04 Prozent auf 7.913,25 Punkte aufwĂ€rts.
Die krĂ€ftige Erholung sollte allerdings nicht ĂŒber die bestehenden Risiken hinweg tĂ€uschen. "Es ist weiterhin unklar, wie sich die USA in den kommenden Handelstagen positionieren werden und welche neue Strafzollstrategie als NĂ€chstes aus dem Hut gezogen werden wird", warnte Marktexperte Andreas Lipkow. "Der zeitliche Aufschub ist kein Aufheben der geplanten Strafzölle und dadurch schwebt die Thematik wie ein Damoklesschwert ĂŒber den FinanzmĂ€rkten."
Trump hatte eine 90-tĂ€gige Zollpause angeordnet. WĂ€hrend dieses Zeitraumes greift ein gesenkter Zollsatz von 10 Prozent. FĂŒr China gilt das jedoch explizit nicht: FĂŒr chinesische Einfuhren hob Trump den Zollsatz vielmehr noch mal an - auf insgesamt 125 Prozent.
Gefragt waren am Donnerstag naturgemÀà die Sektoren, die vorher am stĂ€rksten gefallen waren. Sowohl Bankaktien als auch Technologie- und Industriewerte standen an der Spitze der Gewinner, wobei die extremen Kursgewinne aus dem frĂŒhen Handel im spĂ€ten Verlauf erheblich zusammenschmolzen.
Am Ende des Feldes, wenn auch mit Gewinnen, bewegten sich unterdessen die defensiven Branchen. Sowohl Telekom- als auch Nahrungsmittelwerte hatten sich wĂ€hrend der Marktkorrektur vergleichsweise gut gehalten. Ausnahme war hier ein Wert aus der zweiten Reihe. Barry Callebaut CH0009002962 brachen um mehr als 21 Prozent ein. Der Schweizer Schokoladenhersteller hatte am Morgen ernĂŒchternde Halbjahreszahlen vorgelegt, die vor allem beim Gewinn deutlich unter den Erwartungen gelegen hatten.
Auch die Aktien des britischen EinzelhÀndlers Tesco GB00BLGZ9862 entzogen sich dem Gesamtmarkt. Die Aktie gab nach neuen Zahlen um 4,0 Prozent nach. Die Analysten von RBC sprachen von einem starken Zahlenwerk, aber auch von einem vorsichtigen Ausblick.
In dem stark erholten europÀischen Marktumfeld lösten sich auch die Aktien von Novo Nordisk DK0060534915 vom tiefsten Niveau seit Herbst 2022. Die Papiere der DÀnen kletterten in der Spitze um 15 Prozent, bröckelten am Nachmittag jedoch massiv ab und endeten auf ihrem Tagestief noch 1,4 Prozent im Plus.
Der Chiphersteller STMicroelectronics NL0000226223 konkretisiert sein laufendes Sparprogramm. In den kommenden drei Jahren sollen bis zu 2.800 Stellen gestrichen werden, teilte das Unternehmen mit. Das entspricht fast sechs Prozent der Belegschaft. Die seit vergangenem Oktober bekannten Sparziele wurden bestÀtigt: Nach 2027 soll jÀhrlich ein hoher dreistelliger Millionen-Dollar-Betrag eingespart werden. Die Aktie des Chipherstellers gewann 1,3 Prozent.
Unter den Nebenwerten waren DocMorris CH0042615283 mit plus 4,7 Prozent gefragt. Die Online-Apotheke plant nach einem soliden Jahresstart mittelfristig weiteres Wachstum. Der Umsatz soll jĂ€hrlich um rund 20 Prozent zulegen. 2026 will DocMorris auĂerdem zumindest im TagesgeschĂ€ft den Weg aus den roten Zahlen finden.

