Kleinanleger kritisieren Varta - Klage wahrscheinlicher
23.09.2024 - 18:51:40Das könnte auch die Sanierung des kriselnden Unternehmens verzögern. Der HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer der Deutschen Schutzvereinigung fĂŒr Wertpapierbesitz (DSW), Marc TĂŒngler, warf der Varta-FĂŒhrung nach einer auĂerordentlichen Hauptversammlung vor, die Interessen der Kleinanleger zu ignorieren. "Die Versammlung war eine Kampfansage", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.
Die TĂŒr sei zwar noch nicht geschlossen. "Wir sind im Verhandlungsstadium", sagte TĂŒngler. Aber der Druck auf Varta mĂŒsse steigen. Eine Auseinandersetzung vor Gericht sei daher wahrscheinlicher geworden. "Wir bereiten uns jetzt ganz konkret darauf vor. Nach dieser Hauptversammlung werden wir klarer werden mĂŒssen, was denn die Konsequenzen sind, wenn das Unternehmen den Streubesitz ohne EntschĂ€digung rausdrĂŒcken will."
Werden Rechtsmittel ausnutzen
DSW-VizeprĂ€sident Klaus Nieding hatte vor der Versammlung die Informationspolitik des Unternehmens als intransparent kritisiert und auf eine einvernehmliche Lösung gedrĂ€ngt. Diese mĂŒsste seiner Ansicht nach auch im Interesse von Varta sein: "Dann kĂ€me Ruhe in die Sache rein." Finde man keine Lösung, werde man alle zur VerfĂŒgung stehenden Rechtsmittel ausnutzen. "Das heiĂt, wir werden dann zu Gericht gehen- und das kann die Dinge deutlich verzögern. Das ist nicht imInteresse der Gesellschaft, nicht im Interesse der AktionĂ€re - und im Interesse der Arbeitnehmer und der Kunden ist es schon gar nicht."
Der Varta-Vorstand informierte die Anleger auf einer auĂerordentlichen Hauptversammlung ĂŒber die Lage des Konzerns. Die Veranstaltung am Montag fand hinter verschlossenen TĂŒren statt. Die DSW vertritt zusammen mit Partnern nach eigenen Angaben mehr als 3.000 freie Varta-AktionĂ€re. Auch die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger hatte Widerstand gegen die PlĂ€ne angekĂŒndigt. Insgesamt sind derzeit noch 49,9 Prozent der Aktien im Besitz von Kleinanlegern. MehrheitsaktionĂ€r Michael Tojner hĂ€lt ĂŒber das Unternehmen Montana Tech Components 50,1 Prozent der Aktien. Doch das soll sich bald Ă€ndern.
Varta will Kleinanleger loswerden
Denn der Konzern aus dem schwĂ€bischen Ellwangen strauchelt bereits seit einiger Zeit - und will im Ăberlebenskampf die Alt-AktionĂ€re aus dem Unternehmen drĂ€ngen. Ermöglichen soll dass das Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz (StaRUG). In einem StaRUG-Verfahren können die Interessen der AktionĂ€re ausgehebelt werden.
Das Verfahren hatte Varta im Juli angemeldet. Im August vermeldete der Konzern dann eine Einigung beim Sanierungskonzept. Dahinter stehen Varta-Chef Michael Ostermann zufolge fast alle von der Sanierung betroffenen Gruppen. Das Konzept sieht im Wesentlichen zwei Schritte vor: Zum einen sollen ein Schuldenschnitt und die VerlÀngerung von Krediten die Verbindlichkeiten von fast einer halben Milliarde Euro auf 230 Millionen Euro verringern.
AuĂerdem soll das Grundkapital der Varta AG auf null Euro herabgesetzt werden. Der Effekt: Die derzeitigen AktionĂ€re scheiden ohne Kompensation aus, und der Konzern verliert seine Börsennotierung. Danach sollen wieder Aktien ausgegeben werden - allerdings nur an eine Gesellschaft Tojners und den Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche. Beide lassen sich das je 30 Millionen Euro kosten. Von den GlĂ€ubigern kommen weitere 60 Millionen als Darlehen.
Das Konzept soll nach frĂŒheren Angaben im Oktober beim Sanierungsgericht eingereicht werden. Ein Abschluss des Verfahrens wird fĂŒr im Januar angepeilt. Bei Varta arbeiteten zuletzt rund 4.000 Menschen.
AktionÀre sind sauer
Der Unmut der freien AktionĂ€rinnen und AktionĂ€re darĂŒber ist groĂ: "Die Anwendung des Verfahrens zur kalten Enteignung der Anleger ist aus unserer Sicht missbrĂ€uchlich", sagte Nieding. Die AktionĂ€re seien bereit, dem Unternehmen zusĂ€tzliches Kapital zur VerfĂŒgung zu stellen. Sie wollten nichts anderes, als sich an der Kapitalerhöhung beteiligen zu dĂŒrfen. "Wenn das nicht gewĂŒnscht ist, wollen wir aber wenigstens erreichen, dass die bisherigen AktionĂ€re fĂŒr den Verzicht auf die Bezugsrechte entschĂ€digt werden."
Dauerkrise bei Varta
Der Batteriekonzern steckt schon lĂ€nger in der Krise. Die GrĂŒnde dafĂŒr sind vielfĂ€ltig: Neben der stark schwankenden Nachfrage nach kleinen Lithium-Ionen-Knopfzellen, zum Beispiel fĂŒr Kopfhörer, stehen auch Managementfehler im Raum. Kritiker werfen Varta unter anderem vor, sich zu abhĂ€ngig vom Hauptkunden Apple US0378331005 gemacht zu haben und zu viel Geld zu leichtfertig investiert zu haben. Zu allem Ăberfluss hatten Hacker im Februar die Computersysteme des Unternehmens attackiert und die Produktion wochenlang lahmgelegt.
In den ersten neun Monaten 2023 hatte Varta rund 554 Millionen Euro Umsatz gemacht. Aktuellere GeschÀftszahlen gibt es wegen des Hackerangriffs nicht. Der GeschÀftsbericht 2023 wird Ende Oktober erwartet, Angaben zum ersten Quartal 2024 im November.

