Deutschland und Singapur wollen Partnerschaft vertiefen
02.02.2026 - 06:34:57 | dpa.de"Wir erleben aktuell geopolitische Verschiebungen und Unsicherheiten. Internationale Kooperationen und multilaterale Institutionen werden infrage gestellt", sagte AuĂenminister Johann Wadephul (CDU) in Singapur bei einem Treffen mit seinem Kollegen Vivian Balakrishnan. Dieser brachte ein mögliches Freihandelsabkommen zwischen der EU und der Asean-Gruppe ins GesprĂ€ch.
Deutschland und Singapur wĂŒssten nur zu gut: "Wir verdanken unsere Freiheit, unsere Sicherheit und unseren Wohlstand einer stabilen internationalen Ordnung mit verlĂ€sslichen Regeln", sagte Wadephul. Das gelte fĂŒr das Miteinander der Staaten ebenso wie fĂŒr freien und fairen Handel.
Seit 2019 bestehe das erste Freihandelsabkommen der EU mit einem asiatischen Staat mit Singapur. Das habe Strahlkraft fĂŒr weitere Abkommen, die die EU auch in der Indopazifik-Region schlieĂen wolle. Wadephul kam auch mit dem MinisterprĂ€sidenten von Singapur, Lawrence Wong, zusammen.
Singapur bringt Freihandelsabkommen von EU und Asean ins Spiel
Balakrishnan sagte: "Die Weltordnung, wie wir sie ĂŒber acht Jahrzehnte verstanden haben, ist vorbei - eindeutig vorbei." Dennoch glaube er daran, dass es eine kritische Masse an Staaten gebe, "die an eine regelbasierte Weltordnung glaubt, an Multilateralismus, an die Charta der Vereinten Nationen, an freien und fairen Handel, an wirtschaftliche Integration und an globale Lieferketten".
Deutschland und die EU sollten ihre Zusammenarbeit mit Singapur und der ganzen Asean-Region ausweiten, forderte Balakrishnan. In diesem Zusammenhang nannte er ein mögliches kĂŒnftiges Freihandelsabkommen zwischen der EU und der Asean-Staatengruppe.
Das Wirtschafts-Powerhouse Singapur unterhÀlt Freihandelsabkommen mit zahlreichen LÀndern, darunter mit China (CSFTA) und den USA (USSFTA). Der Stadtstaat agiert als neutraler Partner und pflegt gute Beziehungen sowohl mit Peking als auch mit Washington.
Asean - VerbĂŒndete beim Völkerrecht
Die Mitglieder des 1967 gegrĂŒndeten Asean-Verbunds der elf Staaten SĂŒdostasiens, zu denen neben Singapur etwa Indonesien und Thailand gehören, bekennen sich zu friedlicher Konfliktbeilegung und einem auf dem Völkerrecht basierenden multilateralen System der Kooperation. Die Bundesregierung hatte sich 2020 zum Ziel gesetzt, zu einer StĂ€rkung von Asean beizutragen.
Deutschland und Singapur mit Aktionsplan zu Zukunftstechnologien
Deutschland und Singapur hatten die starken bilateralen Beziehungen 2024 mit einem Aktionsplan speziell mit Blick auf Zukunftstechnologien weiter verstĂ€rkt. Das Freihandelsabkommen zwischen der EuropĂ€ischen Union und Singapur (EUSFTA), das 2019 in Kraft trat, war ein wichtiger Schritt auf diesem Weg. In der Wirtschaftsmetropole, die als fĂŒhrender Finanz-, Technologie- und Logistikknotenpunkt in der Region gilt, sind rund 10.000 europĂ€ische Unternehmen tĂ€tig, darunter mehr als 2.000 aus Deutschland.
Wadephul will sich Zentrum fĂŒr Spitzenforschung zeigen lassen
Am Nachmittag (Ortszeit) wollte sich der BundesauĂenminister ein Zentrum fĂŒr Spitzenforschung des deutschen Technologieunternehmens Schaeffler in Singapur zeigen lassen. Das Unternehmen arbeitet mit einer lokalen UniversitĂ€t zusammen. Das Zentrum, das der Minister besichtigen wollte, hat sich auf die Entwicklung modernster Technologien in den Bereichen Mensch-Roboter-Interaktion spezialisiert. Dabei geht es auch um autonome mobile Roboter und Roboterassistenten fĂŒr das Gesundheitswesen.
Weiterreise nach Neuseeland
Wadephul wollte noch am Nachmittag (Ortszeit) nach Neuseeland weiterreisen. Zudem will der BundesauĂenminister bis Freitag das polynesische Königreich Tonga im SĂŒdpazifik, Australien und das östlich von Malaysia gelegene muslimische Sultanat Brunei besuchen. Mit allen fĂŒnf LĂ€ndern auf seiner Tour teile Deutschland das Interesse an einer stabilen internationalen Ordnung und den Einsatz fĂŒr Multilateralismus, hatte Wadephul schon zu Beginn der Reise betont. "Wir treten gemeinsam ein fĂŒr klare Regeln im internationalen Miteinander, wenn dieses unter Druck gerĂ€t - in Europa wie im Indopazifik."
Wadephul strebt eine Intensivierung der Beziehungen zu den StaatenverbĂŒnden Asean und dem 1971 gegrĂŒndeten Pacific Island Forum an. Im Asean-Staatenverbund hat Brunei derzeit die FederfĂŒhrung fĂŒr die Beziehungen mit der EU. Der Minister will zudem fĂŒr die deutsche Kandidatur fĂŒr einen nichtstĂ€ndigen Sitz im UN-Sicherheitsrat in den Jahren 2027/28 werben.
So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.

