ROUNDUP, Hoffnung

Deutsche Wirtschaft tritt auf der Stelle - Hoffnung fĂŒr 2026

25.11.2025 - 10:01:30

Aufschwung erneut vertagt: Nach Nullwachstum im Sommer hofft die deutsche Wirtschaft auf die nÀchsten Monate.

Bereits im Schlussquartal könnte die Wirtschaftsleistung wieder etwas zulegen, 2026 sollten dann staatliche Milliardeninvestitionen fĂŒr ein Ende der Dauerflaute sorgen - so zumindest die Erwartung vieler Volkswirte.

Im dritten Quartal 2025 trat Europas grĂ¶ĂŸte Volkswirtschaft auf der Stelle. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) blieb zum Vorquartal unverĂ€ndert, wie das Statistische Bundesamt bestĂ€tigte.

Zum Jahresauftakt hatte es noch ein Mini-Wachstum gegeben - allerdings vor allem deswegen, weil Firmen aus Sorge vor der sich abzeichnenden aggressiven Zollpolitik von US-PrÀsident Donald Trump GeschÀfte vorzogen. Im zweiten Vierteljahr war das Bruttoinlandsprodukt dann um 0,2 Prozent geschrumpft.

Zölle setzen Exportwirtschaft unter Druck

Im Zeitraum Juli bis September investierten Unternehmen zwar mehr in Maschinen, GerĂ€te und Fahrzeuge, wie aus den jĂŒngsten Daten des Wiesbadener Bundesamtes hervorgeht: Die Investitionen in AusrĂŒstungen nahmen zum Vorquartal um 1,1 Prozent zu.

Doch die Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen "Made in Germany" gingen um 0,7 Prozent zurĂŒck. Höhere US-Zölle belasten die Exportnation Deutschland. Auch das GeschĂ€ft auf dem chinesischen Markt lĂ€uft nicht mehr so gut, wie etwa die Maschinen- und Anlagenbauer berichten.

"Die Konjunktur wurde im dritten Quartal von schwachen Exporten gebremst, wÀhrend die Investitionen leicht zulegten", sagte die PrÀsidentin des Statistischen Bundesamtes, Ruth Brand.

Verbraucher halten ihr Geld zusammen

Gestiegene Preise fĂŒr Lebensmittel und Dienstleistungen bremsen zudem den privaten Konsum. Erstmals seit dem Schlussquartal 2023 ging der private Konsum zum Vorquartal zurĂŒck (minus 0,3 Prozent), weil Haushalte weniger Geld in Hotels und Gastronomie ausgaben. Umfragen zufolge wollen viele Verbraucher sogar im sonst umsatzstarken WeihnachtsgeschĂ€ft kĂŒrzertreten.

Das könnte auch ArbeitsplÀtze kosten: Vor allem im Einzelhandel stieg zuletzt der Anteil der Unternehmen, die ihre wirtschaftliche Existenz akut bedroht sehen, wie eine Umfrage des Ifo-Instituts ergab.

Der Arbeitsmarkt ist ohnehin unter Druck. In wichtigen Branchen wie der Automobilindustrie wurden binnen eines Jahres fast 50.000 Jobs gestrichen. Zudem fiel die Herbstbelebung auf dem deutschen Arbeitsmarkt schwach aus. Saisonal bedingt dĂŒrfte in den Wintermonaten Januar und Februar die Zahl der Arbeitslosen hierzulande wieder auf mehr als drei Millionen steigen.

Drittes Rezessionsjahr wird wohl knapp vermieden

Trotz allem könnte die deutsche Wirtschaft 2025 knapp am dritten Jahr ohne Wachstum vorbeischrammen. Wirtschaftsinstitute, die Bundesregierung und auch die EU-Kommission rechnen mit einem Mini-Plus von etwa 0,2 Prozent. Allerdings wĂŒrde Europas grĂ¶ĂŸte Volkswirtschaft damit im EU-Keller landen: In ihrer Herbstprognose sagt die EU-Kommission nur fĂŒr Finnland mit 0,1 Prozent ein noch geringeres Wirtschaftswachstum voraus.

Im nĂ€chsten Jahr dĂŒrfte die deutsche Wirtschaft nach EinschĂ€tzung von Ökonomen krĂ€ftiger zulegen - nicht zuletzt wegen staatlicher Milliarden fĂŒr Infrastruktur wie Straßen und Schienen sowie fĂŒr Verteidigung.

RĂŒckenwind durch staatliche Milliarden schwĂ€cher als erwartet

Dabei kommt es jedoch auch darauf an, wie zielgerichtet das Geld eingesetzt wird. "Zwar sollten die beschlossenen Investitionsoffensiven helfen, Deutschland im Jahr 2026 zumindest wieder nĂ€her an den Wachstumsdurchschnitt der Eurozone heranzufĂŒhren und die rote Laterne abzulegen", ordnet Robert Greil, Chefstratege bei der Privatbank Merck Finck, ein. "Doch der RĂŒckenwind fĂ€llt deutlich schwĂ€cher aus, als viele erwarten."

EinschĂ€tzungen des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zufolge fließen von den bis 2029 vorgesehenen 271 Milliarden Euro im Sondervermögen fĂŒr Infrastruktur und KlimaneutralitĂ€t rund 133 Milliarden in bereits geplante Maßnahmen. Greils Fazit: "Fast die HĂ€lfte der Mittel erzeugt also keinen zusĂ€tzlichen Impuls."

@ dpa.de