Asundexian senkt Schlaganfallrisiko deutlich - Analysten positiv
06.02.2026 - 10:16:00Die am frĂŒhen Donnerstagabend deutscher Zeit auf einem Fachkongress in New Orleans vorgestellten Daten sind wichtig, um das Marktpotenzial des Mittels nach einer möglichen Zulassung abschĂ€tzen zu können. FĂŒr den Branchenexperten Richard Vosser von der Bank JPMorgan untermauern die Studienergebnisse die StĂ€rke von Asundexian bei der Vermeidung eines zweiten Schlaganfalls. Die Aktie war am Freitag in einem insgesamt schwĂ€chelnden Markt gefragt.
Bayer testete das Mittel in der zulassungsrelevanten Studie Oceanic-Stroke an mehr als 12.000 Probanden, die zuvor einen nicht-kardioembolischen ischĂ€mischen Schlaganfall oder eine Hochrisiko-Transitorische ischĂ€mische Attacke (TIA) erlitten hatten. Bei Letzterem handelt es sich um eine Art "Mini-Schlaganfall" mit einer vorĂŒbergehenden Durchblutungsstörung des Gehirns.
Konkret zeigten die Tests laut dem Konzern, dass Asundexian bei einmal tĂ€glicher Gabe im Vergleich zu einem Placebo das Risiko eines weiteren Schlaganfalls jeglicher Art (ischĂ€misch oder hĂ€morrhagisch) um 26 Prozent senkt. Auch reduzierte Asundexian signifikant den sogenannten kombinierten Endpunkt der Studie aus kardiovaskulĂ€rem Tod, Herzinfarkt (MI) oder Schlaganfall sowie den zusammengesetzten Endpunkt aus Tod jeglicher Ursache, Herzinfarkt oder Schlaganfall. Dabei erhielten die Patienten in allen Gruppen - auch der mit Placebo - zusĂ€tzlich einen Thrombozytenaggregationshemmer, der dafĂŒr sorgt, dass BlutplĂ€ttchen nicht verklumpen und Blutgerinnsel bilden.
Ăberdies konnte Bayer bei der Vergabe von Asundexian im Vergleich zum Placebo keinerlei Erhöhung bei der Rate schwerer, sogenannter ISTH-Blutungen feststellen. Das Risiko fĂŒr leichte Blutungen, einen hĂ€morrhagischen Schlaganfall, symptomatische intrakranielle Blutungen und tödliche Blutungen sei Ă€hnlich hoch wie bei einem Placebo gewesen, hieĂ es weiter.
Vor etwas mehr als zwei Jahren hatte Bayer noch eine andere Phase-III-Studie zu Asundexian bei Patienten mit Vorhofflimmern und Schlaganfallrisiko wegen eines Misserfolgs vorzeitig beendet. Davor hatte der Konzern dem Mittel einen Jahresspitzenumsatz von mehr als 5 Milliarden Euro zugetraut. Ganz so viel dĂŒrfte es laut Experten bei einer Zulassung in der nun untersuchten anderen Anwendung zwar nicht werden, dennoch sind Milliardenerlöse denkbar.
JPMorgan-Analyst Vosser rechnete bisher mit einem Jahresspitzenumsatz von 1,4 Milliarden Euro nach 2035 sowie mit Erlösen von rund 100 Millionen Euro im Jahr 2028. Nach den nun vorgelegten detaillierten Studiendaten sieht er aber Luft nach oben, sowohl bei den anfĂ€nglichen Erlösen sowie beim Spitzenumsatz. Allerdings hĂ€nge das Umsatzpotenzial auch vom Abschneiden der Konkurrenz ab. So stĂŒnden fĂŒr den Wirkstoff Milvexian wichtige Studienergebnisse seitens Johnson & Johnson US4781601046 und Bristol Myers Squibb US1101221083 Ende 2026 sowie Anfang 2027 an.
Auch Matthew Weston von der Schweizer GroĂbank UBS Ă€uĂerte sich optimistisch. Sowohl die Wirksamkeit als auch das Sicherheitsprofil des Gerinnungshemmers habe auf der Internationalen Schlaganfall-Konferenz fĂŒr Applaus gesorgt, schrieb er in einer ersten EinschĂ€tzung. Und fĂŒr James Quigley von der Investmentbank Goldman Sachs stellen die Studienresultate fast den optimalen Ausgang dar. Damit untermauerten die starken Aussichten fĂŒr das PharmageschĂ€ft der Leverkusener.
Die Bayer-Aktie nĂ€herte sich am Freitag zunĂ€chst mit einem Anstieg bis auf 46,24 Euro ihrem jĂŒngsten Zwischenhoch. Zuletzt schmolz das Plus aber auf einen Kurs von noch 44,96 Euro, wobei sich das Papier damit besser hielt als der Dax. Der deutsche Leitindex sank um 0,4 Prozent.
SchlaganfĂ€lle gelten weltweit als die zweithĂ€ufigste Todesursache. Laut Bayer erleiden jĂ€hrlich etwa 12 Millionen Menschen einen Schlaganfall, davon seien 20 bis 30 Prozent rezidiv, also wiederkehrend. Trotz Behandlung bleibe das Risiko fĂŒr solche sekundĂ€ren SchlaganfĂ€lle hoch.
Wie bereits bekannt, will Bayer die aktuellen Studiendaten bei Gesundheitsbehörden zur Beantragung von Marktzulassungen fĂŒr Asundexian einreichen. In den USA hat der Konzern fĂŒr das Mittel bereits fĂŒr bestimmte Schlaganfall-Patienten den sogenannten "Fast-Track"-Status erhalten, der eine schnellere Zulassung bei vielversprechenden Arzneikandidaten erlaubt.

